Benjamin List

Der Nobelpreis für Chemie geht an den Frankfurter Benjamin List. Der Wissenschaftler erhält die Auszeichnung für seine Methoden zur Beschleunigung chemischer Reaktionen. Die gute Nachricht erreichte ihn im Urlaub.

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Der Frankfurter Benjamin List ist frisch gekürter Chemie-Nobelpreisträger. Der Anruf überraschte den 53-Jährigen im Familienurlaub in Amsterdam. Dort habe er mit seiner Ehefrau gerade beim Frühstück gesessen. Plötzlich habe jemand aus Schweden angerufen, sagte der Chemiker am Mittwoch kurz nach der Bekanntgabe der diesjährigen Preisträger in Chemie.

"Ich dachte, jemand macht einen Witz mit mir", sagte List, als er von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften telefonisch zugeschaltet wurde. "Es ist schwierig, zu beschreiben, was man in diesem Moment fühlt. Aber das war ein besonderer Moment, den ich niemals vergessen werde."

"Ein sehr sympathischer Typ"

List ist in Frankfurt geboren und hat 1997 an der Goethe-Universität promoviert. In seiner Heimat ist die Freude über die Auszeichnung groß. "Herr List ist ein Frankfurter Bub, das freut uns einerseits", erklärte Michael Göbel, Direktor des Instituts für Organische Chemie. Zum anderen habe er am Institut seine Promotion abgeschlossen und später bahnbrechende Entdeckungen für die Chemie als Ganzes gemacht. "Dass das ursprünglich mal mit unserem Institut begonnen hat, freut uns natürlich außerordentlich."

Auch bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Frankfurt freut man sich für List. "Wir sind total happy und froh", sagte Gerhard Karger. List sei ein sehr sympathischer Typ und mit seiner Art Teil einer neuen Forschergeneration. "Er weiß, was er kann - aber er hängt es nicht an die große Glocke."

Die GDCh selbst hat den Forscher auch schon ausgezeichnet: 2003, im Alter von 35 Jahren, erhielt er den Carl-Duisberg-Gedächtnispreis für junge Wissenschaftler. "Wir haben schon früh das Potential erkannt, das in Herrn List steckt", so Karger. Auch in der Chemiker-Community sei er hoch geachtet. Seine Forschung sei nicht so im Fokus der Öffentlichkeit wie mRNA und Corona, so Karger, aber für die Entwicklung von Wirkstoffen sei sie von großer Bedeutung.

"Geniales Werkzeug für den Aufbau von Molekülen"

Der 53-Jährige, der inzwischen am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr (Nordrhein-Westfalen) arbeitet, erhält den Preis für seine Forschung zur Beschleunigung chemischer Reaktionen. Mit ihm gemeinsam wurde auch der in Schottland geborenen US-Forscher David W.C. MacMillan ausgzeichnet.

Die Chemiepreisträger des Jahres hätten ein neues und geniales Werkzeug für den Aufbau von Molekülen entwickelt, die Organokatalyse, begründete die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften die Entscheidung. Sie werde für die Erforschung neuer Arzneimittel eingesetzt und habe auch dazu beigetragen, die Chemie umweltfreundlicher zu machen.

Die Organokatalyse habe sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit entwickelt. Mithilfe dieser Reaktionen könnten Forscher nun vieles effizienter herstellen, von neuen Arzneimitteln bis hin zu Molekülen, die Licht in Solarzellen einfangen können.

Preisverleihung Mitte Dezember

Die renommierteste Auszeichnung für Chemiker ist in diesem Jahr mit insgesamt zehn Millionen Kronen (rund 980.000 Euro) dotiert. Die feierliche Übergabe der Preise findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel.

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