Ein türkischer Panzer an der Grenze zu Syrien während der Operation "Olivenzweig"
Ein türkischer Panzer an der Grenze zu Syrien während der Operation "Olivenzweig". Bild © picture-alliance/dpa

Möge Gott der ruhmreichen türkischen Armee im Krieg in Nordsyrien helfen: So betete ein Imam in einer Ditib-Moschee in Stadtallendorf. Wieder steht die Religionsgemeinschaft im Verdacht, politischer Handlanger von Ankara zu sein.

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zum Video Umstrittene Imam-Rede

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Seit zwei Wochen rücken türkische Soldaten in Nordsyrien vor. Aus der Luft werden sie unterstützt von Kampfjets, die Bomben werfen. Türkische Soldaten kämpfen, töten und werden getötet in der von kurdischen Milizen kontrollierten Region Afrin.

Ein Imam in der Fatih-Moschee in Stadtallendorf betet für die türkische Armee im Krieg in Nordsyrien
Ein Imam in der Fatih-Moschee in Stadtallendorf betet für die türkische Armee im Krieg in Nordsyrien. Bild © Screenshot hr

Die "Olivenzweig" benannte Militäraktion findet einen Nachhall in hessischen Moscheen. Kurz nach Beginn der türkischen Offensive hat ein Imam in der Fatih-Moschee in Stadtallendorf (Marburg-Biedenkopf) in Anwesenheit von Gläubigen die Militäraktion aufgegriffen. Er betete, Gott möge der ruhmreichen Armee im ruhmreichen Kampf helfen. Gott möge die Seelen der Gefallenen segnen, die für die Heimat und den Islam gekämpft hätten.

Widerspruch zu offizieller Ditib-Linie

Die Predigt wurde per Livestream am 21. Januar auf der Internetseite der Ditib-Jugend Stadtallendorf gepostet. Das Video war bis mindestens 28. Januar online. Inzwischen ist es nicht mehr abzurufen.

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Ditib

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) koordiniert als Dachverband religiöse, soziale und kulturelle Tätigkeiten von türkischen Moscheegemeinden in Deutschland. In Hessen organisiert Ditib als Partner des Kultusministeriums den Islamunterricht an Grundschulen. Ditib ist wegen seiner Verbindung zur türkischen Religionsbehörde seit längerem in der Kritik. Das Kultusministerium prüft, ob es die Zusammenarbeit fortsetzt.

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Das Gebet für einen ruhmreichen Kampf passt kaum zu dem, was der Ditib-Bundesverband kurz nach Beginn der Militäraktion in einer Pressemitteilung erklärte: "An diesen Tagen gelten unsere Gebete dem Frieden. Wir beten entsprechend der Grundprinzipien des Islams für Gerechtigkeit, Güte, Liebe, Respekt, Toleranz und Frieden, gegenseitige Hilfe und Solidarität."

Ditib-Vertreter: Gebet für Soldaten in Gefahr

Ditib-Landeskoordinator Selcuk Dogruer sagt auf Anfrage von hr-iNFO zu der Predigt von Stadtallendorf, darin werde "für den Sieg des Guten über das Böse gebetet". Der Imam habe für Soldaten gebetet, die für den Schutz der Heimat ihr Leben in Gefahr brächten. Bei der türkischen Offensive in Nordsyrien gehe es darum, "dass der bedrohliche Terror kurdischer Milizen mit Gewalt zurückgewiesen wird".

Dogruer betont, die Predigt sei religiösen und nicht politischen Inhalts. Aber sind die Ditib-Moscheen unpolitisch? Daran gibt es Zweifel. Ditib-Moscheen in Deutschland sind eingetragene Vereine, doch es gibt direkte Verbindungen nach Ankara, zur dortigen staatlichen Religionsbehörde.

Islamforscherin: "verlängerte Arme Ankaras"

Von dort kämen die Imame und die religiösen Vorgaben, sagt Susanne Schröter. Sie ist Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Frankfurter Goethe-Universität. Sie sieht in der Predigt einen Beleg dafür, dass Ditib-Moscheen "verlängerte Arme Ankaras" seien.

Politische Aktivitäten würden direkt von der Kanzel herunter verstärkt. "Man missbraucht die Moscheen und die Religion für politische Zwecke", findet Schröter.  Landeskoordinator Dogruer sieht das anders: Es sei frustrierend für Gläubige, sich immer öfter für politische Auseinandersetzungen rechtfertigen zu müssen.