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Zu hohe Infektionszahlen, Sorge vor der britischen Virusvariante, zu wenige Testkapazitäten: Etliche Städte und Kreise kippen die weitere Öffnung der Schulen vor Ostern. Auch das Land rückt wohl von seinen Plänen ab.

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Angesichts steigender Infektionszahlen wird es in einigen Städten und Kreisen in der kommenden Woche keine Ausweitung des Wechselunterrichts geben. Das bedeutet, dass Schüler ab der Jahrgangsstufe 7 im Distanzunterricht bleiben müssen. Der Unterricht finde entgegen der Planungen des Landes weiterhin von zu Hause aus statt, teilten die betroffenen Städte und Kreise mit. Dabei handelt es sich um:

  • Offenbach (Kreis und Stadt)
  • Main-Kinzig-Kreis
  • Lahn-Dill-Kreis
  • Groß-Gerau (Kreis)
  • Fulda (Kreis)
  • Kreis Limburg-Weilburg
  • Kreis Marburg-Biedenkopf
  • Werra-Meißner-Kreis
  • Kreis Gießen

Eine Öffnungsperspektive für die älteren Schüler hatte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) in der vorigen Woche angekündigt. Seit 22. Februar werden Schüler der Klassen 1 bis 6 im Wechselmodell unterrichtet. Dabei werden Klassen geteilt und die beiden Gruppen abwechselnd in der Schule unterrichtet. Von Klasse 7 an galt mit Ausnahme von Abschlussklassen und Vor-Abiturjahrgängen (Q2) Distanzunterricht. Lorz stellte in Aussicht, auch diesen Schülern bis Gründonnerstag (1. April) Präsenzuntericht an mindestens einem Tag pro Woche anzubieten.

Der Minister verknüpfte das mit der Vorgabe, dass die landesweite Inzidenz unter 100 liegen müsse. Am Mittwoch erreichte der Wert allerdings schon 93,4. Ein Sprecher des Kultusministeriums sagte dem hr, die Landesregierung wolle alle Öffnungsschritte nur mit Vorsicht gehen. Weil die Zahl der Neuinfektionen derart schnell steige, wolle man noch in dieser Woche neu darüber beraten, ob die Schülerinnen und Schüler ab der siebten Jahrgangsstufe schon vor Ostern in ihre Klassenzimmer zurückkehren sollen.

Frankfurts Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) und Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) sprachen sich am Donnerstag dafür aus, dass das Land die weitere Öffnung der Schulen vor Ostern nicht weiter verfolgen möge. Die Landesregierung müsse die Osterferien dafür nutzen, ein Testkonzept für die Schulen vorzulegen und die Belieferung der Schulen mit Schnelltests sicherzustellen.

Sorge vor der britischen Virusvariante

Dagegen entschieden sich nun die erwähnten Kreise und Städte. Sie gaben bekannt, dass es keinen Wechselunterricht ab 22. März geben werde. Mit ein Grund für die höheren Corona-Zahlen sei das Infektionsgeschen an Schulen - und in der Bevölkerung, teilten sie mit.

"Angesichts der Tatsache, dass seit ein paar Tagen die Inzidenz bei uns im Kreis wieder über 100 liegt, wird dieser Schritt zur Rückkehr in den Unterricht nicht gegangen", sagte etwa Landrat Thomas Will (SPD) am Mittwoch. Ähnlich äußerten sich Sprecher der anderen Kreise.

Lehrer aus Gießen kritisieren Öffnungsplan

Im Landtag verteidigte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Dienstag noch den Beschluss, die Schüler ab der siebten Klasse bereits vor den Osterferien mit Präsenztagen wieder auf den Wechselunterricht in der Schule ab Mitte April vorzubereiten.

Auch an manchen Schulen regt sich Widerstand gegen die Pläne des Landes. Die Lehrer des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums in Gießen fordern beispielsweise in einem offenen Brief an das Kultusministerium, diese Pläne zu kassieren. Die gesundheitlichen Voraussetzungen für einen Präsenzbetrieb seien nicht gegeben. Impfungen für Lehrer stünden noch nicht zur Verfügung, für Corona-Tests an Schulen gebe es weder ein Konzept noch Kapazitäten. Auch der Transport zur Schule sei weiterhin nicht gelöst. "Das damit einhergehende gesundheitliche Risiko ist nicht zu verantworten", heißt es in dem Schreiben.

Offenbach hat hessenweit höchste Inzidenz

In Offenbach beispielsweise liegt die Inzidenz aktuell bei 167,3 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Das ist der aktuell höchste Wert im Land.

Gesundheitsdezernentin Sabine Groß (Grüne) sprach von einem signifikanten Anstieg von Infektionen in den jüngeren Altersgruppen, besonders bei den Jugendlichen von 15 bis 19 Jahren. "Mit unserer Entscheidung wollen wir den guten Status quo an den Schulen halten und vorerst noch keine zusätzlichen Schülerinnen und Schüler in den Präsenzunterricht schicken."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 17.03.2021, 16.45 Uhr