Im Bildvordergrund steht ein Glas mit vielen Stempelbeispielen auf einem Tresen. Im Bildhintergrund unscharf ein Mitarbeiter am Schreibtisch.

Wenn die Aufschrift "SchImpfzentrum" bestellt wird, schrillen bei Stempel-Herstellern die Alarmglocken. Auch beim Bad Homburger Matthias Gronkiewicz: Impfbetrüger nutzen sein Unternehmen für ihre Fälschungen. Und kommen damit zu oft davon.

Videobeitrag

Video

Impfstempel-Betrüger belasten Hersteller

Stempelhersteller leiden unter gefälschten Impfpässen
Ende des Videobeitrags

Um einen Impfpass zu fälschen, benötigen Betrüger einen Blanko-Pass, Aufkleber und natürlich einen Arztstempel. Diesen Stempel versuchen sie auf direktem Weg zu bekommen - bei den Herstellern.

So häufen sich etwa bei Matthias Gronkiewicz aus Bad Homburg und seinem Unternehmen dubiose Anfragen. Täglich laufen im Schnitt etwa 60 Bestellungen bei ihm ein. Darunter seien seit den Verschärfungen der 2G-Regelungen immer mehr Kunden, die unberechtigt einen Arztstempel bei ihm bestellen wollen.

Der Stempel macht aus einem normalen Bürger einen Impfarzt

Gronkiewicz schätzt, dass im vergangenen Jahr rund 550 falsche Impfpass-Stempel bei ihm bestellt wurden. Er sei skeptisch geworden, als die angeblichen Ärzte und auch Impfzentren ihre Bestellungen an Privatadressen ausgeliefert haben wollten.

Nach einem Anruf in den eigentlichen Einrichtungen sei schnell klar: Bestellt hatte jemand anderes. "Mittlerweile werden bei uns alle Bestellungen, die irgendetwas mit Corona, Ärzten und Impfen zu tun haben, überprüft", sagt Gronkiewicz deshalb. Und wenn etwas nicht stimme, werde der Stempel nicht gedruckt.

Stempel fürs "SchImpfzentrum"

Die Betrüger würden zunehmend kreativ, berichtet ein anderer Stempel-Hersteller aus dem Kreis Offenbach, der aus Angst vor Impfgegnern nicht mit Namen genannt werden möchte. Er habe schon Stempel-Bestellungen mit der Aufschrift "SchImpfzentrum" und "Döner Imbis um die Ecke des Impfzentrum" bekommen. Die Fälscher-Technik sei klar: "Die schneiden beim Stempeln später alle unnötigen Wörter ab und bauen sich aus mehreren Stempeln das zusammen, was sie brauchen."

Stempelhersteller leiden unter gefälschten Impfpässen

Stempeln ist nicht illegal

Beim Impfzentrum Frankfurt war man sich sicher, dass die eigenen Stempel fälschungssichere Merkmale hätten – bis Hersteller Gronkiewicz einen solchen Stempelentwurf in seinen Bestellungen entdeckte. Das Impfzentrum brachte den Fall zur Anzeige. Nur passiert ist nichts.

Der Polizei sind nach den Erfahrungen des Herstellers die Hände gebunden – denn Stempel bestellen ist keine Straftat. Die vermeintlichen Impfpass-Fälscher können auch nur schwer verfolgt werden, weil die Stempel-Hersteller die Adressen wegen des fehlenden Straftatbestands nicht weitergeben dürfen.

"Frustrierend? Sehr. Wir machen uns die Mühe nachzuforschen, und dann passiert da gar nichts", sagt Gronkiewicz. Er stellt die dubiosen Stempel zwar nicht her, weiß aber, dass die meisten Fälscher woanders mehr Glück haben. Dabei wäre das Problem seiner Meinung nach politisch leicht zu lösen.

Gelber Impfpass und ein Smartphone mit QR-Code

QR-Code statt Tinte

Eine Lösung wäre laut Gronkiewicz, im Alltag auf den gelben Impfpass zu verzichten. Wenn bei jeder Impfung der fälschungssichere QR-Code-Impfnachweis vor Ort ausgegeben würde, wären bei der nächsten Auffrischungsimpfung alle Nachweise sicher.

Vergangenen Montag hat die Gesundheitsministerkonferenz der Länder über diesen Vorschlag diskutiert – und ihn wegen zu schwerer Umsetzbarkeit auf Bundesebene abgelehnt. Aus dem hessischen Gesundheitsministerium heißt es, man wolle in Hessen keine Alleingänge machen.

Der gestempelte Impfpass bleibt also. Für Stempeldrucker wie Matthias Gronkiewicz keine schöne Nachricht: "Es kann doch nicht sein, dass es von Bauchgefühl eines Apothekers oder uns abhängt, wie erfolgreich der Kampf gegen Corona ist."

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen