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Audioseite Paul-Ehrlich-Institut baut Zentrum für Pandemie-Impfstoffe auf

Ein Bürogebäude, das Paul-Ehrlich-Institut in Langen, im Vordergrund eine schwarze Skulptur

In der Corona-Krise musste der Staat riesige Mengen an Impfstoff beschaffen - und war völlig unvorbereitet. Mit einem neuen Zentrum am Paul-Ehrlich-Institut im südhessischen Langen soll das bei künftigen Pandemien nicht noch einmal passieren.

Deutschland will auf zukünftige Pandemien besser vorbereitet sein. Beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen (Offenbach) soll dazu ein Zentrum für Pandemie-Impfstoffe und -Therapeutika entstehen. Wie das Institut am Freitag mitteilte, kommt der Auftrag dafür vom Bundesgesundheitsministerium.

"Die entscheidende Maßnahme zur Bekämpfung von Pandemien ist die Impfung mit sicheren und wirksamen Impfstoffen", heißt es zur Begründung. Ziel des neuen Zentrums sei es, "für zukünftige Pandemien besser gerüstet zu sein". Dafür müssten "Impfstoffe im Pandemiefall sehr schnell in ausreichender Menge für die Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden". Damit das gelinge, müsse man "bereits in prä-pandemischen Zeiten entsprechende Vorbereitungen treffen".

Organisationstalente gesucht

Kommissarische Leiterin des ZEPAI abgekürzten Zentrums ist Isabelle Bekeredjian-Ding, die bisherige Leiterin der Abteilung Mikrobiologie des Paul-Ehrlich-Instituts. Sie beschäftigt sich bisher mit der Zulassung von Arzneimitteln.

Nun kümmert sie sich um Strategien für die Beschaffung von Impfstoffen. Zu ihrer Motivation, diesen Job zu übernehmen, sagte Bekeredjian-Ding dem hr: Es brauche in der Pandemie Menschen, die gut koordinieren und organisieren können. Es gebe einen Bedarf, solche Personen auszubilden, "die eine Vorstellung davon haben, was bei der nächsten Pandemie auf uns zukommen könnte." Das sei vor allem deshalb so wichtig, damit die Gesellschaft in künftigen Pandemien nicht wieder so verletztlich sei.

Eine Frau in einem grauen Kostüm steht in einem Konferenzraum.

Impfstoffe einkaufen und verteilen

In der aktuellen Corona-Pandemie hat sich laut Bekeredjian-Ding schnell gezeigt, dass es "plötzlich sehr viele operative Aufgaben gab, die man nicht unbedingt nach außen vergeben wollte, sondern bei denen man der Meinung war, dass der Staat die Aufgabe hat, das zu steuern." Dazu gehörte vor allem, Impfstoffe einzukaufen und in ganz Deutschland zu verteilen.

"Man hat festgestellt, dass man in den Bundesbehörden bislang kein spezialisiertes Team hatte, das das hätte übernehmen können." Hier solle nun das ZEPAI ansetzen, erklärte Bekeredjian-Ding.

In Zukunft soll es einen Expertenpool geben, "der genau weiß, wie man Impfstoffe unter Pandemiebedingungen einkauft und beschafft". Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen zum Beispiel auf europäischer Ebene für Deutschland Verträge mit den Impfstoffherstellern aushandeln. Bekeredjian-Ding sieht das ZEPAI als eine "operative Einheit unter der Ägide des Bundesgesundheitsministeriums".

Rund 100 Spezialisten für Logistik und Wirtschaft

Im neuen Pandemie-Zentrum sollen insgesamt rund 100 Menschen arbeiten. Man rekrutiere schon seit Monaten neue Mitarbeiter, sagte Bekeredjian-Ding. "Wir stellen Logistiker, Supply Chain Manager, Juristen, BWLer ein. Das sind Berufsklassen, die klassischerweise nicht im Paul-Ehrlich-Institut arbeiten."

Das ZEPAI soll nach Angaben von Bekeredjian-Ding eigene Räume in der Nähe des Paul-Ehrlich-Instituts bekommen. "Wir legen großen Wert darauf, dass wir hier im Rhein-Main-Gebiet sind, weil hier auch ein wichtiger Pharmastandort ist".

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