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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Astrazeneca-Impftermine nun auch für Personen ab 60 Jahren

Der Impfstoff der Firma AstraZeneca lagert in einem Kühlschrank im Impfzentrum in Essen (dpa)

Nach vielen geplatzten Terminen können sich jetzt auch Menschen ab 60 Jahren in Hessen für eine Impfung mit Astrazeneca registrieren. Von dem Stoff liegt weiterhin viel zu viel auf Lager. Was Sie jetzt wissen müssen.

Hessen ist Vorletzter in der Impfrangliste der Bundesländer. Ein Grund: Es liegt zu viel Impfstoff auf Lager, derzeit circa 270.000 Portionen. Mehr als die Hälfte davon ist vom Hersteller Astrazeneca. Das Serum hat ein Akzeptanz-Problem. Wegen möglicher Nebenwirkungen vor allem bei Jüngeren soll es nur Menschen ab 60 verabreicht werden. Auch von denen winken viele ab, weil sie dem Impfstoff misstrauen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum umstrittenen Impfstoff.

Wie viel Impfstoff von Astrazeneca ist in Hessen verfügbar?

Laut Innenministerium liegen derzeit rund 140.000 Impfdosen dieses Herstellers auf Lager. In den kommenden zwei Wochen werden zusätzlich 88.800 Einheiten erwartet. Bis Ende April stehen also rund 230.000 Dosen zu Verfügung. Darüber hinaus sollen die Hausärzte in der kommenden Woche gut 40.000 Dosen des umstrittenen Impfstoffs bekommen.

Wie soll der Impfstoff verwendet werden?

Astrazeneca wird weiterhin in den 28 Impfzentren im Land gespritzt, und zwar nur Menschen über 60 Jahre. Derzeit sind in Hessen die Vorranggruppen 1 und 2 impfberechtigt. Sie umfassen Angehörige bestimmter Berufsgruppen wie Kita-Personal, Polizisten mit vielen Personenkontakten, Pflege- und Lehrkräfte, außerdem Menschen mit schweren Vorerkrankungen und Senioren ab 70 Jahren. Rund 340.000 Menschen sind derzeit für eine Impfung angemeldet und warten noch auf einen Termin, wie das Innenministerium mitteilt. Über 200.000 von ihnen kämen vom Alter her für eine Impfung mit Astrazeneca in Frage.

Werden jetzt auch Unter-70-Jährige zur Impfung zugelassen?

Ja. Wie in anderen Bundesländern bereits praktiziert, zieht Hessen nun nach und macht Bürgerinnen und Bürgern ab 60 Jahren ein Impfangebot mit Astrazeneca. Auf impfterminservice.hessen.de können sich Impfwillige, die 60 Jahre oder älter sind, für einen Impftermin mit Astrazeneca registrieren. Damit wurde die ursprünglich festgelegte Reihenfolge weiter den Gegebenheiten angepasst, damit die oft verschmähten Astrazeneca-Bestände schneller verbraucht werden.

Weil viele Menschen in Hessen ihre Termine mit Astrazeneca absagen, führen viele Kreise und kreisfreie Städte Nachrückerliste für eine Impfung.

Wie groß sind die Vorbehalte gegen Astrazeneca?

Zuletzt ist in den Impfzentren jeder vierte Impftermin mit Astrazeneca geplatzt, das hat das Innenministerium am Mittwoch gemeldet. In einigen Zentren, etwa in Darmstadt-Dieburg, war die "No-Show-Quote" noch höher - laut Kreis lag sie zwischen 40 und 50 Prozent.

Die Hausärzte berichten Unterschiedliches. So stießen Praxen, die in einem Pilotprojekt im März schon Astrazeneca bekommen haben, nicht auf größere Akzeptanzprobleme. Allerdings sei der Beratungsbedarf bei diesem Impfstoff höher als etwa beim Serum von Biontech Pfizer. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung warnt deshalb: Müssten die Hausärzte Astrazeneca verimpfen, könne die Impfkampagne ins Stocken geraten. Die Ärzte hätten keine Zeit für überlange Beratungsgespräche.

Was passiert, wenn jemand seinen Astrazeneca-Impftermin platzen lässt?

Das Land und die Impfzentren bitten dringend darum, nicht einfach den Termin zu schwänzen, sondern wenigstens vorher abzusagen. Sonst gerate der Ablauf in den Zentren durcheinander. Es drohen keine Nachteile, wenn man absagt - keine Strafe, keine Impfsperre. Allerdings muss man sich dann wieder hinten anstellen und warten, bis das Land einen neuen Termin zuteilt. Das kann unter Umständen mehrere Wochen dauern. Auch die Hausärzte haben inzwischen lange Wartelisten und verimpfen ab der kommenden Woche zu gleichen Teilen Biontech Pfizer und Astrazeneca.

Kommt ein neuer Impftermin automatisch mit einem anderen Impfstoff?

Nein. Es kann passieren, dass man wieder Astrazeneca zugeteilt bekommt. Nach wie vor gilt: Man kann sich den Impfstoff nicht aussuchen. Es sei denn, betont das Innenministerium, ein Arzt attestiere, dass man einen bestimmten Impfstoff nicht verträgt. Wer eine entsprechend begründete ärztliche Bescheinigung hat, kann einen anderen Impfstoff bekommen - sofern dieser vorhanden ist. Es ist ratsam dies vor dem Termin mit dem Impfzentrum zu klären.

Im Impfzentrum Heusenstamm (Offenbach) beispielsweise werden solche Forderungen allerdings abgewiesen.

Ist es möglich, von den Terminabsagen anderer zu profitieren und schneller geimpft zu werden?

Ja. Wenn jemand seinen Impftermin nicht wahrnimmt, wird die dafür vorgesehen Dosis für jemand anderen verwendet. Das Land empfiehlt den Impfzentren inzwischen, Absagen und "No-Shows" bei Astrazeneca-Terminen einzukalkulieren und mehr Menschen einzuladen, als es Impftermine gibt.

Der Kreis Kassel, der vergleichsweise große Lagerbestände hat, vergibt jetzt in Eigenregie 100 Impftermine pro Tage. Der Kreis Limburg-Weilburg und der Werra-Meißner-Kreis bieten am kommenden Wochenende Sonderimpftage für Senioren ab 70 beziehungsweise 80 Jahren an. Verimpft wird dann nur Astrazeneca.

Sendung: hr4, 15.04.2021, 16.48 Uhr