Bildkombo Impfzentrum Festhalle/ Hand mit blauem Gummihandschuh hält Covid-19-Impfstoff

Kreise und Städte haben sich für die insgesamt 28 Impfzentren für unterschiedliche Betreiber entschieden: Neben dem Roten Kreuz kommen Privatfirmen zum Zug. Eine davon machte mit Pannen Schlagzeilen.

Zum Impfen braucht es Impfstoff, Impfwillige und Impfzentren. Nach dem entsprechenden "Einsatzbefehl" des Innenministeriums wurden die Landkreise und kreisfreien Städte zur Einrichtung von 28 Impfzentren verpflichtet.

Große Summen für Hallenmiete, Personal und Logistik

Legt man die bereits durch den Haushaltsausschuss des Landtags bewilligten 150 Millionen Euro für die ersten drei Monate zugrunde, kommen hochgerechnet bis September Kosten von bis zu einer halben Milliarde Euro auf die öffentliche Hand zu. Die Kommunen gehen für Hallenmieten, medizinisches Personal und Logistik in Vorleistung, holen sich das Geld vom Land zurück.

Das Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle: Impfkabinen und Festhallensitzplätze

Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) rechnet nach eigenen Angaben mit Kosten pro Impfzentrum von 1,8 Millionen Euro im Monat. Das Geld strecke er mit Schulden aus dem Corona-Sondervermögen vor. Der Bund erstatte dem Land die Hälfte zurück.

Deutsches Rotes Kreuz ist Platzhirsch

Für die finanzielle Grundlage ist also gesorgt, doch wer organisiert die Arbeit vor Ort? Als Betreiber haben sich die meisten Kreise und Großstädte verschiedene Partner ins Boot geholt. Am häufigsten kam dabei das Deutsche Rote Kreuz (DRK) zum Zuge. Nach Auskunft des DRK-Landesverbands erhielten Gliederungen des Vereins in sechs Kreisen und Städten den Zuschlag für den Betrieb der Zentren: in den Kreisen Lahn-Dill, Werra-Meißner, Limburg-Weilburg, Gießen und Darmstadt-Dieburg sowie in Frankfurt. In anderen Regionen betreibt das DRK die Zentren gemeinsam mit der Johanniter-Unfall-Hilfe (Marburg-Biedenkopf) und dem Arbeiter-Samariter-Bund (Main-Taunus).

Im Kreis Groß-Gerau fiel die Wahl des Betreibers auf den mfs Rettungsdienst aus Kelsterbach. Der Main-Kinzig-Kreis will seine Impfzentren in Hanau und Gelnhausen selbst betreiben. Der Kreis Bergstraße will regionale Arztpraxen mit ins Boot nehmen, die nach der bisherigen Planung schichtweise das Impfen übernehmen sollen.

Privater Anbieter Ecolog mit Problemen

Die private Firma Ecolog bekam im Rheingau-Taunus-Kreis und im Landkreis Offenbach den Zuschlag. Nach eigenen Angaben beschäftigt Ecolog weltweit 12.000 Mitarbeiter. Groß geworden ist sie als Dienstleister für die Bundeswehr bei Auslandseinsätzen auf dem Balkan oder in Afghanistan. Ecolog hat seine Wurzeln in Deutschland, der Firmensitz ist in Dubai.

Ecolog geriet diesen Sommer durch Pannen bei Coronatests an den bayerischen Landesgrenzen und am Flughafen Nürnberg in die Schlagzeilen. Einige Urlaubsrückkehrer mussten wochenlang auf Ihre Testergebnisse warten. Am Flughafen Nürnberg kamen Mitarbeiter, obwohl selbst positiv auf Corona getestet, als Tester zum Einsatz.

Aufgrund zahlreicher Anfragen fühlte sich der Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, Frank Kilian, zu einer Erklärung veranlasst: "In Gesprächen mit uns hat das Unternehmen versichern können, dass die Besonderheiten des Auftrags der bayrischen Staatsregierung zu einem Lernprozess und Strukturwandel geführt haben." Wichtiger als der Sitz eines Unternehmens sei, dass es den Betrieb des Impfzentrums "professionell sicherstellt", so Kilian.

Personal für Impfzentren wird massiv gesucht

Ecolog erklärte die Pannen im Sommer mit Problemen an den IT-Schnittstellen und zu langsamen Tests bei zuliefernden Laboren. Das Unternehmen sieht "keine vergleichbaren Fehlerquellen für die Impfungen" und geht davon aus, "dass alles wie geplant ordnungsgemäß verlaufen wird", so ein Sprecher.

Egal welches Betreibermodell, fast überall wird noch Personal gesucht. Auf Jobportalen und auf den Seiten der Landkreise finden sich Stellen für Projektleiter, Ärzte, medizinische Fachangestellte oder auch Mitarbeiter in Materiallagern oder der Verwaltung.

Sendung: hr-iNFO, 22.12.2020, 15.40 Uhr