Leere Impfstoff-Fläschchen stehen aufgereiht auf einem Tisch.

In Hessen warten noch 470.000 Menschen der Priorisierungsgruppe 3 auf einen Termin im Impfzentrum. Bei den Impfungen kommen die Kreise unterschiedlich schnell voran. Das hat mehrere Gründe.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Warum geht es mit den Impfungen der Priogruppe 3 so langsam voran?

Ein Schild weist den Weg zu einem Impfzentrum
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Am kommenden Montag soll die Priorisierung bundesweit aufgehoben werden. Dann dürfen sich auch in Hessen alle Menschen ab 16 Jahren für eine Corona-Impfung im Impfzentrum registrieren. Innenminister Peter Beuth (CDU) stellte aber auch klar, dass zunächst die verbliebenen Berechtigten aus den drei Priorisierungsgruppen ihre Termine erhalten werden. Derzeit warten hessenweit noch rund 470.000 Menschen der Priorisierungsgruppe 3 auf einen Impftermin (Stand 4. Juni).

Erst rund 800 Termine vereinbart

Bei den Impfungen dieser Gruppe kommen die 28 Impfzentren in den Kreisen unterschiedlich schnell voran. Im Rheingau-Taunus-Kreis haben sich mehr als 22.000 Menschen der Gruppe 3 über das Landesportal für das Impfzentrum in Eltville registriert. Erst 821 Menschen haben bisher ihre Termine bekommen. Das geht aus einer Übersicht des Innenministeriums vom 28. Mai hervor.

Im vergleichbar großen Schwalm-Eder-Kreis sieht das ganz anders aus. Dort haben sich gut 23.000 Menschen registriert – 5.000 von ihnen haben einen Termin erhalten. Noch schneller geht es in Groß-Gerau voran, wo von 43.000 Registrierten der Gruppe 3 nur noch knapp die Hälfte auf einen Termin im Impfzentrum warten.

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Altersstruktur spielt eine Rolle

Doch warum hinkt der Rheingau-Taunus-Kreis hinterher? Kreissprecher Christoph Zehler hat dafür keine einfache Erklärung. Zum einen seien nur zwei bis drei der acht Impfstraßen in Betrieb, weil es noch immer an Impfstoff fehle. Von den 2.000 theoretisch möglichen Impfungen pro Tag habe in der vergangenen Woche oft nur ein Viertel stattgefunden. "Bekämen wir mehr geliefert, wären wir schon viel weiter", sagt Zehler. Doch das gilt natürlich auch für die anderen Kreise.

Wie viel Impfstoff ein Kreis erhält, hängt grundsätzlich von der Bevölkerungszahl ab. Die Altersstruktur spielte bislang keine große Rolle. Dabei gibt es in ländlicheren Kreisen wie dem Rheingau-Taunus-Kreis, wo überdurchschnittlich viele alte Menschen leben, entsprechend auch mehr Berechtigte der Priorisierungsgruppen 1 und 2.

Demografiebrücke als Tropfen auf den heißen Stein?

Noch am vergangenen Wochenende hätten 260 Menschen aus diesen Gruppen in Eltville ihre Erstimpfungen erhalten, sagt Kreissprecher Zehler. So hätten sich beispielsweise aus den Seniorenheimen doch noch Menschen gemeldet, die einer Impfung zu Beginn skeptisch gegenüberstanden. Sie werden vorgezogen und erhalten ihre Termine schneller als Menschen aus der dritten Priorisierungsgruppe. Landesweit betrifft das derzeit 6.000 Menschen.

Die Altersunterschiede sind auch dem Innenministerium bewusst. Zum Ausgleich verteilte das Land über eine "Demografiebrücke" 7.500 zusätzliche Impfdosen an Kreise mit einer älteren Bevölkerung. An den Rheingau-Taunus-Kreis gingen davon 400 Impfdosen, also ungefähr die Menge, die das Impfzentrum dort an einem durchschnittlichen Tag verimpft – aus Sicht des Kreises längst nicht genug, um die Unterschiede tatsächlich auszugleichen.

Wer Vorräte anlegte, hat das Nachsehen

Auffällig ist außerdem: Pro Einwohner haben die Kreise bisher unterschiedlich viel Impfstoff vom Land erhalten. Während es im Werra-Meißner-Kreis 46 Impfdosen auf 100 Einwohner und im Schwalm-Eder-Kreis 44 Dosen waren, erhielt der Rheingau-Taunus-Kreis auf 100 Menschen gerade einmal 39 Dosen. In Darmstadt-Dieburg waren es sogar nur 36 Impfdosen.

Nach Angaben des Innenministeriums hängt das auch damit zusammen, dass die Kreise zwischenzeitlich unterschiedlich viel Impfstoff für die Zweitimpfungen zurücklegten. Nach Aussage eines Sprechers erhielten Kreise, denen der Impfstoff für die Zweitimpfung in den vergangenen Wochen ausging, vom Land außer der Reihe Nachschub. Andere Kreise, die für die Zweitimpfungen vorgesorgt und ausreichend Impfstoff eingelagert hatten, bekamen dagegen keine zusätzliche Lieferung und hatten das Nachsehen. Diese Verzerrung soll laut Innenministerium im Laufe der Impfkampagne noch ausgeglichen werden.

Lagern tausende Impfdosen in Offenbach?

Inzwischen lagern die Kreise selbst kaum noch Impfstoff ein, und das ist auch so vorgesehen. Das Land halte "wenige zehntausend Impfdosen" an einem geheimen Ort zurück, die bei Lieferengpässen die Zweitimpfungen garantieren sollen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. 98 Prozent der an die Impfzentren gelieferten Impfdosen wurden bereits gespritzt, im Rheingau-Taunus-Kreis sind es 94 Prozent – laut Innenministerium ebenfalls ein "guter Wert".

Besonders viele Impfdosen liegen laut der Übersicht des Ministeriums in der Stadt Offenbach auf Halde. Mehr als 7.000 Impfdosen von Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson warten demnach noch auf ihren Einsatz. Er wundere sich darüber, dass trotzdem oft nur 200 bis 300 Menschen am Tag geimpft würden, sagte ein Arzt, der in dem Zentrum arbeitet und anonym bleiben möchte, dem hr. Schließlich sei genügend Impfstoff und Personal vorhanden – während in Offenbach weiterhin 6.600 Menschen auf einen Termin warten.

Die Stadt wies diesen Vorwurf zurück. Eine Sprecherin sagte, sie könne die laut Ministerium gelieferten Impfstoffmengen nicht nachvollziehen. Tatsächlich seien 5.000 Astrazeneca-Impfdosen weniger in Offenbach angekommen. Außerdem werde der Vorrat stets bis zur nächsten Lieferung aufgebraucht. Dabei gebe es für jeden Impfstoff unterschiedliche Liefertage und -frequenzen.

Die Stadt stelle die Termine dann entsprechend ein. Lediglich eine Reserve von 2.000 Impfdosen halte das Impfzentrum vor, falls es zu Lieferengpässen komme. Das entspreche aber der vom Land empfohlenen Menge von zwei Tagesrationen.

Vorerst kein Ende in Sicht

Geht es mit den Terminen für die Gruppe 3 bald schneller voran? Im Rheingau-Taunus-Kreis ist man verhalten optimistisch. Immerhin habe das Impfportal gemeldet, dass derzeit keine Registrierten der Gruppen 1 und 2 mehr übrig seien, sagte Sprecher Zehler am Montag.

In den kommenden Tagen könnten landesweit aber trotzdem weniger Termine vergeben werden als bisher. Eine für Anfang Juni angekündigte Großlieferung von Biontech und Pfizer verschiebt sich auf die zweite Monatshälfte. Außerdem beginne nun ein Zyklus mit vielen Zweitimpfungen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Der Großteil der Wartenden werde sich daher noch bis Ende Juni gedulden müssen.

Das Land ruft zudem alle Menschen aus Gruppe 3, die sich noch nicht für einen Termin registriert haben, dazu auf, dies bis Sonntag zu tun. Nur dann können man dafür garantieren, dass sie bei der Terminvergabe vorgezogen werden, wenn die Priorisierung am Montag aufgehoben wird.

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