Zwei Männer und eine Frauen laufen in ein Impfzentrum in Hessen.

Impfstoff ist knapp. Doch viele sagen ihre Impftermine mit Astrazeneca ab. Um keine übrig gebliebenen Dosen wegzuwerfen, führen viele Kreise und kreisfreie Städte Listen mit Nachrückern. Eine Übersicht.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Viele Impftermine verfallen, neue Portale für Nachrücker

Eine Spritze mit Corona-Impfstoff wird aufgezogen
Ende des Audiobeitrags

Immer mehr Menschen in Hessen sagen ihre Termine mit Astrazeneca ab. Damit der Impftoff nicht liegen bleibt, können sich Interessierte vielerorts auf einer Nachrückerliste eintragen - und hoffen, schneller eine Dosis zu bekommen.

Das Innenministerium hatte den Kreisen und kreisfreien Städten empfohlen, solche Nachrückerlisten zu führen, damit kein angebrochener und nur begrenzt haltbarer Impfstoff in den Zentren weggeworfen werden muss. Hier eine Übersicht, wie in den Kreisen im Einzelnen mit Nachrückern verfahren wird.

Übersicht:

Rhein-Main-Gebiet

Großen Anklang gefunden hat die Impfbörse im Kreis Groß-Gerau. Mitte März wurde sie angekündigt. Schon wenige Tage später hatten sich mehr als 2.000 Menschen angemeldet. Aktuell warten mehrere tausende Menschen darauf, als Lückenfüller den Ärmel hochkrempeln zu dürfen. Um die Liste abzuarbeiten, ist das Anmeldeverfahren derzeit ausgesetzt.

Der Hochtaunuskreis führt eine Liste für Nachrücker aus der ersten und zweiten Priorisierungsgruppe. Interessierte schicken eine E-Mail an impfzentrum@hochtaunus-kliniken.de. Ohne Termin am Impfzentrum zu erscheinen, mache für Interessenten keinen Sinn, betonte eine Sprecherin.

Im Main-Taunus-Kreis soll der Corona-Impfstoff ebenfalls schnell an Ersatzkandidaten verimpft werden. Eine Anmeldung für das Impfzentrum in Hattersheim ist per E-Mail an impfnachruecker@mtk.org möglich. Der Impfkandidat soll per SMS über einen möglichen Termin informiert werden. Vorerst sollen sich nur über 60-Jährige für den Impfstoff von Astrazeneca anmelden können.

Auch im Rheingau-Taunus können sich Impflinge auf einer Nachrückerliste anmelden. Die Vergabe der Termine hängt zunächst von der jeweiligen Prioriätengruppe ab, danach gilt die Reihenfolge der Anmeldungen, teilt der Kreis mit.

Die Nachrückerlisten im Main-Kinzig-Kreis sind geschlossen. Jeden Tag rückten fünf bis 40 Impflinge aus den berechtigten Berufsgruppen nach, wie die Verwaltung mitteilte.

In Frankfurt gibt es eine Restdosen-Nachrückerliste für Impfwillige aus der ersten und zweiten Priorisierungsgruppe. Auf der Plattform Impfbrücke können sich ab dem 16. April Impfberechtigte für eine kurzfristige Impfung mit einer übrig gebliebenen Dosis anmelden, wie die Stadt am Freitag mitteilte. Die Impfdosen sollen unter den Registrierten verlost werden. Die berechtigten Personen würden automatisch per SMS informiert werden, erklärte die Stadt.

Die Stadt Offenbach bietet seit dem 17. April eine Liste für Nachrückerinnen und Nachrücker an. Anmelden können sich alle Personen der entsprechenden Priorisierungsgruppe und über 60-Jährige. Ihnen wird ausschließlich Astrazeneca geimpft.

Der Kreis Offenbach berichtete, dass im dortigen Impfzentrum aktuell gar "keine Impfreste" anfielen. Falls doch, gebe es eine "Einzelfalllösung innerhalb der Gruppe der Berechtigten", so ein Sprecher.

Eine offene Bewerberliste hat auch die Stadt Wiesbaden nicht zu bieten. Die nach Angaben eines Sprechers anfallenden Restdosen erhielten das Personal des Impfzentrums oder Personal in Krankenhäusern, Rettungsdiensten, Polizei und Feuerwehr. Sie würden kurzfristig verständigt.

Südhessen

In Darmstadt-Dieburg werden fast die Hälfte aller Impftermine nicht wahrgenommen. Deshalb hat der Kreis das Buchungsportal "Ärmel hoch im LaDaDi" eingerichtet. Die freigewordenen Termine werden nach dem Zufallsprinzip vergeben. Eine Liste für Impfinteressierte stellt auch die Stadt Darmstadt zur Verfügung.

Im Kreis Bergstraße haben Impfberechtigte der Priorisierungsgruppen 1 und 2 die Möglichkeit, für einen ausgefallenen Termin nachzurücken. Anmelden können sich dafür alle Personen, die einer der beiden Gruppen angehören. Sie bekommen das Angebot für einen Impftermin in der Regel per SMS oder Telefon.

Im Odenwaldkreis ist nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) eine "Bürgerliste" in Planung, auf der sich Nachrücker eintragen lassen können. Bis jetzt habe der Kreis aber noch keinen Impfstoff wegwerfen müssen.

Nordhessen

Der Kreis Waldeck-Frankenberg hat eine digitale Impfrücker-Plattform eingerichtet. Über ein Kontaktformular können sich Berechtigte der aktuellen Priorisierungsgruppen registrieren. Eine Anmeldung ist nur für die Erstimpfung möglich. Terminangebot gibt es ausschließlich per SMS.

Im Schwalm-Eder-Kreis ist eine Anmeldung für eine Nachrückerliste ebenfalls möglich. Der Werra-Meißner-Kreis hat Ende Februar einen Impfrat einberufen. Er berät auch über Härtefälle und Anträge auf sofortige Impfung. Bitten zur Aufnahme auf die Warteliste per Mail an: impfrat@werra-meissner-kreis.de.

Beim Impfzentrum der Stadt Kassel können sich keine Nachrücker bewerben. "Übrig gebliebene Impfdosen werden immer an kurzfristig verfügbare Personen aus der höchsten Priorität - in der Regel Rettungsdienste - verimpft", sagte ein Stadtsprecher. Das Impfzentrum führe eine entsprechende Liste.

Nur wenige Impfreste fallen im Kreis Kassel an. Der konkrete Bedarf lasse sich gut steuern, sagte ein Sprecher. Blieben doch Dosen übrig, würden diese innerhalb eines Pools von etwa 800 berechtigten Lückenfüllern verteilt.

Osthessen

Der Vogelsbergkreis hat als einer der ersten Kreise eine Internetseite geschaffen, auf der sich Impfwillige eintragen können. Bleiben im Impfzentrum in Alsfeld Dosen übrig, können sie an eingetragene und kurzentschlossene Interessenten abgegeben werden. Die Nachfrage nach Impfterminen über die Seite ist enorm. Vier Tage nach der Präsentation hatten sich bereits rund 3.000 Personen über die Seite registriert.

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg führt nicht die Verwaltung die Nachrückerliste mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den einschlägigen Berufsgruppen, sondern deren Arbeitgeber. Diese melden dann die Namen an das Impfzentrum.

Im Landkreis Fulda gibt es keine offene Warteliste. Übrige Impfdosen verteile man an täglich vier bis sechs Angehörige der obersten Priogruppen - etwa Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Arztpraxen, teilte eine Sprecherin der Verwaltung mit.

Mittelhessen

Die sogenannte "Impfbrücke" wurde im Landkreis Gießen ins Leben gerufen. Das Angebot für Menschen, die zur ersten oder zweiten Priorisierungsgruppe gehören und sich bereits beim Terminvergabeportal des Landes Hessen registriert haben. Innerhalb weniger Minuten nach dem Start seien 480 Termine vergeben worden, berichtete ein Sprecher.

Auch der Wetteraukreis hat ein Nachrückerportal für Personen über 60 Jahren eingerichtet, die sich explizit im Impfzentrum Büdingen für AstraZeneca registrieren lassen wollen. Der Landkreis weist darauf hin, dass die Eintragung auf dem Nachrückerportal des Wetteraukreises nicht die Registrierung beim Land für einen Impftermin ersetzt. Diese müssen außerdem erfolgen.

Im Landkreis Limburg-Weilburg gibt es bereits seit Ende vergangenen Jahres eine Impfnachrückerliste. Auch wenn sich aktuell bereits Menschen der dritten Priorisierungsgruppen zu Impfterminen anmelden können, ist diese Nachrückerliste zunächst noch den Menschen der ersten und zweiten Priorisierungsliste vorbehalten, wie der Pressesprecher des Landkreises auf Nachfrage erläuterte. So sollen die noch bestehenden Lücken bei den höchsten Dringlichkeitsstufen gefüllt werden. Wer also mobil genug ist und die Voraussetzungen für Priorisierungsgruppe eins oder zwei erfüllt, kann sich unter der E-Mail-Adresse standby@limburg-weilburg.de melden.

Keine offizielle Nachrückerliste gibt es im Lahn-Dill-Kreis. Wenn Impfstoff übrig bleibt, wird dieser an Menschen aus den Bereichen Rettungswesen, Feuerwehren und Notfallhilfe verimpft, wie die Kreisverwaltung mitteilt.

Sendung: hr4, 12.04.2021, 17.00 Uhr