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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mehr Notrufe wegen psychischer Probleme

Rettungswagen

Während anderswo die Zahlen sinken, werden in Frankfurt immer mehr Patienten wegen Suizidgefährdung in die Psychiatrie gebracht. Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Häufigkeit solcher Rettungsdienst-Einsätze verdoppelt.

2.400 Mal wurde im vergangenen Jahr in Frankfurt der Krankenwagen wegen psychischer Probleme wie Wahnvorstellungen, Erregungszuständen oder akuter Suizidgefahr gerufen. Vor zwei Jahren waren es noch rund 2.000 solcher Rettungseinsätze. Das geht aus einer Auswertung hervor, die das Gesundheitsamt auf hr-Anfrage erstellt hat.

Diese Patienten kommen in der Regel zunächst in eine von vier so genannten Akut-Stationen. Eine davon, die Station D42 im Klinikum Frankfurt-Höchst, ist vor zwei Monaten in die Schlagzeilen geraten, weil dort nach Recherchen der RTL-Sendung "Team Wallraff“ haarsträubende Zustände herrschten.

Rückläufige Zahlen in anderen Großstädten

Der Anstieg der Fallzahlen um 20 Prozent lässt sich nicht allein mit dem Bevölkerungswachstum erklären, das in den vergangenen beiden Jahren nur bei 2,5 Prozent lag. Auch ist dieser Trend in anderen Großstädten nicht zu beobachten: In Kassel und Darmstadt waren die Zahlen nach Angaben der Kommunen zuletzt rückläufig.

Die Frankfurter Statistik belegt, dass die Steigerung vor allem auf die Erstdiagnose 'akute Suizidalität' zurückzuführen ist. Nach Angaben des Gesundheitsamts sind darin auch Fälle von Selbstgefährdung erfasst – beispielsweise wenn jemand, aus welchem Grund auch immer, auf dem Geländer einer Mainbrücke balanciert.

500 Einsätze wegen Suizidgefahr

Bei der akuten Suizidalität haben sich die Einsätze innerhalb von zwei Jahren verdoppelt: 2016 wurde in Frankfurt rund 250 Mal der Krankenwagen gerufen, weil sich jemand selbst zu töten oder zu verletzen drohte. 2018 rückte der Rettungsdienst deswegen schon über 500 Mal oft aus. Eine eklatante Steigerung, für die das Gesundheitsamt nur Erklärungsansätze liefert.

Zum einen, erklärt das Amt auf hr-Anfrage, sei möglicherweise die "Awareness“ gestiegen. Damit ist gemeint: Die Menschen sind wachsamer geworden, wenn Verwandte, Freunde oder Kollegen Suizidabsichten äußern. Sie rufen dann eher den Rettungsdienst – wie generell der Rettungsdienst inzwischen häufiger gerufen werde als früher.

Drogenszene wesentlicher Faktor

Zum anderen verweist das Amt auf eine kleine Gruppe psychisch äußerst labiler Menschen, die für jeden vierten psychiatrischen Rettungsdiensteinsatz verantwortlich sei. Zu dieser Gruppe gehörten viele Drogensüchtige, und viele psychische Leiden hingen mit Drogenkonsum zusammen, so das Amt.

Auch ein großer Teil der Suizidgefährdeten sei suchtkrank. Die vergleichsweise große Drogenszene in Frankfurt könnte somit eine Erklärung für die hohe Zahl psychiatrischer Rettungseinsätze sein.

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Hilfe bei Suizid-Gedanken

Wenn Sie verzweifelt sind und in einer bedrückenden Lebensituationen keinen Ausweg sehen: Suchen Sie sich Hilfe bei anderen Menschen. Das kann ein Gespräch mit Familienangehörigen oder Freunden sein. In seelische Krisen könne man immer wieder mal geraten, das sei nichts Unnormales, sagt Psychologe Thomas Schnelzer. Deshalb gibt es Hilfe und professionelle Beratungsangebote. Hier können Sie auch anonym bleiben. Die Telefonseelsorge ist zu jeder Tages- und Nachtzeit unter der Rufnummer 0800/1110111 erreichbar.

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