Die Grafik zeigt ein Zitat aus dem Gesetzestext - geschrieben auf fünf Feuerlöscher.

Die Stadt Ginsheim-Gustavsburg braucht mehr freiwillige Feuerwehrleute. Vor allem zu den Kernarbeitszeiten fehlen Einsatzkräfte. Werbung zeigt wenig Wirkung.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ginsheim-Gustavsburg denkt über verpflichtenden Feuerwehrdienst nach

Feuerwehrhaus in Ginsheim-Gustavsburg
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Die Feuerwehr Ginsheim-Gustavsburg hat 88 aktive Mitglieder. Doch von denen pendeln 52 tagsüber zur Arbeit in andere Städte. Und die sogenannte Sollstärke wird im Stadtteil Gustavsburg dauerhaft um fast die Hälfte unterschritten. Für Stadtbrandinspektor Jürgen Karheiding ist die Situation langfristig nicht mehr tragbar: "Wenn wir weniger Personal haben, müssen wir andere Feuerwehren dazu rufen, dann werden auch diese Feuerwehren mehr belastet. Also es ist ein Rattenschwanz, der hinten dran hängt.“

Werbung hilft nur kurzfristig

Das Problem ist keineswegs neu. Bereits 2015 hat die Stadt am Untermain ein großes 'Jahr der Feuerwehr' aufgerufen. Imageflyer, Veranstaltungen, Kinoabende und persönliche Anschreiben an die Bürger brachten aber nur kurzfristige Erfolge. Von den 14 damals neu gewonnenen Mitgliedern seien nur noch zwei dabei.

Bürgermeister Thies Puttnins-von Trotha fasst zusammen: "Also es gab immer wieder positive Resonanz. Aber dann ist es immer wieder schwierig, die Leute langfristig an uns zu binden. Es ist eben ein Ehrenamt, das rund um die Uhr die Person bindet.“

Eine Pflicht zum Feuerwehr-Dienst will niemand

Stadtbrandinspektor Karheiding ist inzwischen ernüchtert: Zusätzlich zur Sorge um die dünne Personaldecke kämen wachsende Einsatzzahlen in den vergangenen Jahren, sagt er. Und er spricht aus, was er vermeiden möchte:  "Wir müssen prüfen, ob wir irgendwann die Option ziehen, dass wir Bürger zum Dienst in der Feuerwehr verpflichten.“

Bürger würden dann in einem Brief aufgefordert, sich bei der Feuerwehr zu melden. Dann würde deren Eignung für einen Einsatz geprüft. Diese Möglichkeit sieht das Hessische Brand- und Katastrophenschutzgesetz (HBKG) tatsächlich vor (siehe unten).

Präzedenzfall in Lindenfels

Was in anderen Bundesländern wie zum Beispiel in Schleswig-Holstein durchaus genutzt wird, gab es nach Angaben des Innenministeriums bisher nur ein einziges Mal in Hessen: Die Gemeinde Lindenfels im Kreis Bergstraße hat 2002 mehrere Männer für den Stadtteil Seidenbuch verpflichtet. Das sei aber nur ein Jahr lang beibehalten worden.

Harald Popp, der Leiter des Landesfeuerwehrverbands, hält von dieser Option auch wenig: "Eine Person, die zu der Arbeit in der Freiwilligen Feuerwehr keine Lust hat, wird immer gute Gründe finden, nicht zu den Übungen, zur Ausbildung, oder letztendlich auch zu den Einsätzen zu gehen.“ Stattdessen fordert Popp mehr Anerkennung für die Leistung der insgesamt fast 74.000 ehrenamtlichen Feuerwehrleute in Hessen.

Bürgermeister legt selbst Hand an

Auch der Bürgermeister von Ginsheim-Gustavsburg wehrt sich weiter gegen den Vorschlag der Zwangsverpflichtung: "Das ist eine Maßnahme, die ich mir noch nicht ausmalen mag. Ich gehe ganz fest davon aus, dass wir diese Option erst einmal nicht ziehen müssen.“ Eine Entscheidung über das weitere Vorgehen stehe erst im nächsten Jahr an.

Bis dahin will Puttnins-von Trotha weiter die Werbetrommel rühren. Und er will sich selbst für die Grundausbildung zum Feuerwehrmann bewerben, "um zu zeigen: Was der eine kann, das können auch noch mehr. Und auf diesen Schneeballeffekt will ich setzen.“

Weitere Informationen

Hessisches Brand- und Katastrophenschutzgesetz (HBKG)

§ 10 (4) Alle Einwohnerinnen und Einwohner vom vollendeten 18. Lebensjahr bis zum vollendeten 50. Lebensjahr können bis zu einer Gesamtdauer von zehn Jahren zum ehrenamtlichen Dienst in der Gemeindefeuerwehr herangezogen werden. Ausgenommen sind Personen, deren Freistellung im öffentlichen Interesse liegt (…).

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Sendung: hr4, 21.10.2019, 15.30 Uhr