Buche Frankfurt

Es hat monatelang zu wenig geregnet - die Folgen für die Natur kann man überall sehen. Auch in Hessens großen Städten. Dort leiden die Bäume massiv unter Wassermangel. Das zeigt ein Ortstermin in einem Frankfurter Park mit der dortigen Umweltdezernentin Heilig.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Riesige Buche muss gefällt werden

Buche Frankfurt
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Majestätisch sieht sie aus, die alte Buche im Frankfurter Waldspielpark Louisa. Ihre Zweige neigen sich bis zum Boden. Sie tragen viele grüne Blätter. Doch der schöne Eindruck täuscht. Dem stolzen Baum gehe es schlecht, sagt Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Ihr Blick wandert hinauf ins dichte Blätterdach: "Wir stehen hier unter einer Hängebuche, die fast 90 Jahre alt ist. Und wir haben leider festgestellt, dass der Stamm so durchsetzt ist mit einem Pilz, dass er nicht mehr standfest ist und leider, leider gefällt werden muss."

Die Stadt muss das tun. Das befiehlt die so genannte Verkehrssicherungspflicht. Die Buche, die sich dank ihres dichten Blätterkleids für die Kinder im Waldspielpark so prima zum Verstecken eignet, ist zum Risiko geworden. Damit ist sie nur ein Beispiel von vielen. Kaum jemand weiß das so gut wie Tim Weber. Er arbeitet in Frankfurt als Baumkontrolleur und redet nicht um den heißen Brei: "Wir haben vermehrt Fällung aufgrund von vertrockneten Bäumen – jetzt auch in Parkanlagen. Und dadurch haben wir den Eindruck, dass sehr viel kaputtgegangen ist durch die Trockenheit vom letzten Jahr."

Hitze und Trockenheit setzt Bäumen zu

40.000 der rund 200.000 Frankfurter Stadtbäume stehen in dem Gebiet, das Weber durchstreift – meist mit dem Blick nach oben. Die Schäden, die er sieht, sind enorm: "Wenn Sie in eine Parkanlage gehen, vor allem in den waldartigen Beständen, sehen Sie schon viele Ausfälle, wo die Kronen vertrocknet sind. Und auch im Straßenbereich haben wir sehr viele abgestorbene Bäume." Wer darauf achte, könne das schnell feststellen.

Die Situation ist in allen großen hessischen Städten ähnlich. In Kassel lässt sich das am Umfang der Aufträge für Baumpflegearbeiten ablesen. "Im vorigen Jahr waren es rund 8.000. In diesem Jahr werden es 10.000 bis 12.000 sein", sagt Jörg Gerhold, Leiter der Abteilung Grünflächen im städtischen Umweltamt. In Darmstadt sieht man die Folgen der anhaltenden Trockenheit unter anderem an der wachsenden Zahl von Anträgen für Baumfäll-Arbeiten. "Zum Hitzesommer 2018 kommen noch andere Ursachen hinzu. Das kumuliert dann und hat den Bäumen in Darmstadt sehr zugesetzt", sagt Klaus Honold, der Sprecher der Stadt.

Auch Wiesbaden, Gießen und Fulda teilen auf Anfrage mit, dass der Mangel an Niederschlag in den vergangenen 18 Monaten zu gravierenden Schäden am städtischen Baumbestand geführt hat. Vergleichsweise gut geht es den jungen Bäumen in Hessens Städten. Denn sie werden gewässert. In Gießen sind dafür seit dem Frühjahr zwei Bewässerungswagen fast täglich im Einsatz.

Vorboten für neue Zeitrechnung

Ein Ende der Misere ist nicht in Sicht. Bernd Roser ist in Frankfurt für die Unterhaltung der Grünflächen zuständig. Er sieht im Dürresommer 2018 den möglichen Vorboten einer neuen Zeitrechnung fürs städtische Grün: "Das war ein extremes Jahr, aber die Jahre davor waren auch zunehmend trocken. Und wenn man diese Wetterentwicklung beobachtet und dann noch die Prognosen der Wissenschaftler sieht, muss man sagen: Wir stecken mitten im Klimawandel drin."

Die Buche im Waldspielpark Louisa ist von einem Pilz befallen.

Der alten Buche im Frankfurter Waldspielpark Louisa sind die Verhältnisse zum Verhängnis geworden. Ein Pilz, der Zunderschwamm, ist dabei, sie sozusagen von innen aufzufressen. Am Stamm der Buche sieht man die großen Fruchtstände des Baumkillers. Wie die Forstwirtschaft, die sich um den nicht minder maroden Wald sorgt, suchen nun auch die Städte nach Lösungen – und denken darüber nach, Baumarten zu pflanzen, die mit trockenen und warmen Bedingungen besser zurechtkommen.

Am 30. Oktober wollen sich Vertreter verschiedener deutscher Großstädte in Frankfurt treffen, um über das Leiden der Bäume im urbanen Raum zu sprechen. Hoffnung auf rasche Besserung gibt es nicht. Dafür müsste es ausgiebig regnen. Und zwar monatelang.