Immer weniger Schüler entscheiden sich für eine Ausbildung im handwerklichen und industriellen Bereich. Die Folge: Massenhaft unbesetzte Lehrstellen und drohender Fachkräftemangel. Eine Berufsschule in Limburg will gegensteuern - mit einem Spot in Star-Wars-Manier.

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Es zeigt Schüler und Lehrer, die am Video mitgewirkt haben. Vorne knien v.l.n.r. Schulleiter Stefan Laux, Jedi-Ritterin Michelle Hermansa und Markus Zimmermann, der das Video produziert hat

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wenn das Lichtschwert nen Wackler hat

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Ein Raumschiff landet vor der Limburger Friedrich-Dessauer-Schule, eine Jedi-Ritterin steigt aus und läuft zu dramatischer Musik zielstrebig durch die Gänge. Ihr Ziel ist eine Elektrotechnik-Klasse. Und dieser Ort ist wohl gewählt, denn die Jedi-Ritterin hat ein Problem: Ihr Lichtschwert ist kaputt.

Der etwa anderthalbminütige Spot ist der Auftakt einer Kampagne der Friedrich-Dessauer-Schule mit dem Titel "Berufsschule - Wir haben’s drauf!". Das Ziel: Mehr Schülerinnen und Schüler davon überzeugen, dass eine Ausbildung für sie die bessere Wahl sein könnte als Abitur und Studium. Das sehen nämlich immer weniger Schüler so.

Duale Ausbildung ist unattraktiv

Ende März hat die Arbeitsagentur Limburg-Wetzlar Zahlen zur Lage auf dem Ausbildungsmarkt veröffentlicht. Vor allem die Ergebnisse aus dem Lahn-Dill-Kreis stechen dabei heraus. Allein in den vergangenen zwei Jahren sei die Bewerberzahl um sechzehn Prozent eingebrochen, teilt die Agentur mit. Im selben Zeitraum aber stieg die Anzahl der gemeldeten Lehrstellen um dreißig Prozent. In Zahlen bedeutet das: Aktuell stehen den rund 1.300 Ausbildungssuchenden über 1.500 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber.

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"Es war wohl nie einfacher, eine Lehrstelle zu finden", fasst auch Stefan Laux diese Zahlen zusammen. Er leitet die Friedrich-Dessauer-Schule in Limburg. An der Berufsschule wird schwerpunktmäßig ausgebildet in der Metall-, Elektro- und Informationstechnik, sowie in der Bau-, Holz- und Farbtechnik. "Leider ist aber die duale Ausbildung auch so unattraktiv wie nie für viele Menschen. Völlig zu Unrecht", findet Laux.

Image-Kampagne läuft im Kino

Er erlebe es immer wieder, dass vor allem Eltern keine Ausbildung für ihre Kinder wünschen, sondern das Abitur und ein Studium anstreben. "Den Kindern soll es mal besser gehen als uns." Das ist ein Satz, den er häufig zu hören bekommt. Außerdem sei vielen nicht bewusst, wie vielfältig die duale Ausbildung sei. "Der Handwerker heute ist ein hochspezialisierter Fachmann, der an technisch hochgerüsteten Maschinen arbeitet", sagt Schulleiter Laux. Mit Latzhosen und ölverschmierten Händen liefen Industriemechaniker und Elektriker für Geräte und Systeme heute nicht mehr herum. "Sie tragen auch weiße Kittel und weiße Hemden."

Für das Team rund um Schulleiter Laux war deshalb klar: Eine Imagekampagne muss her. Weil Ende des Jahres der neue Star Wars-Film in die Kinos kommt, war das Thema des schuleigenen Spots schnell gefunden. Die Jedi-Ritterin ist ebenfalls ein Eigengewächs der Schule: Michelle Hermansa ist als Malermeisterin Fachlehrerin für Farbtechnik. "Die Schüler finden es schon cool, mich im Kino zu sehen", erzählt sie. Das Video der Schule läuft nun nämlich neben dem richtigen Star Wars-Trailer im Limburger Kino.

Ausbildung als Plan A

Für die Kampagne sollen noch weitere Videos folgen. "Wir haben noch viele Ideen und arbeiten schon am zweiten Video", verrät Stefan Laux. Dazu will die Schule verschiedene Events veranstalten. Für ihn ist klar, dass eine duale Ausbildung für viele Schülerinnen und Schüler Plan A sein sollte - nicht etwa der Plan B, wenn das Studium in die Hose gehe.

Und auch die Agentur für Arbeit Limburg-Wetzlar rät Schulabsolventen mit Blick auf die aktuellen Zahlen, sich umfassend zu informieren. Weil immer mehr junge Menschen studierten, sei der Wettbewerb beim Einstieg in die Wunschbranche deutlich größer. Die Vorsitzende der Geschäftsführung Angelika Berbuir empfiehlt deshalb die Gunst der Stunde, sowie die vielen unbesetzten Lehrstellen zu nutzen: "Vielleicht trägt die duale Ausbildung ja besser dazu bei, den Traumjob zu erreichen."