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Weniger Impfstoff für Hessen

Der Bund wird in der kommenden Woche weniger Impfstoff nach Hessen liefern als geplant. Gesundheitsminister Klose nennt das "inakzeptabel" und befürchtet, dass Impftermine ausfallen müssen.

Die "Impfallianz Hessen" schlägt Alarm: Wie das Sozialministerium am Freitagnachmittag mitteilte, müssen die hessischen Impfstellen und Arztpraxen in der kommenden Woche mit deutlich weniger Impfstoff auskommen als geplant.

"Über die bereits bekannte Rationierung des Biontech-Impfstoffs hinaus wurden die zugesagten Liefermengen durch den Bund an die Apotheken sowohl für Biontech als auch Moderna nochmals reduziert", heißt es in der Mitteilung des Ministeriums. Dadurch sei die Steigerung des Impftempos gefährdet.

Dem hr sagte Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne), man habe von einer Kürzung der Kontingente um ein Drittel erfahren. "Ob es darüber hinausgeht, ist noch zu klären. Wir werden umgehend beim Bundesgesundheitsministerium protestieren."

Nicht alle Termine können eingehalten werden

Das Bundesgesundheitsministerium habe den Grund für die Deckelung nicht kommuniziert, beklagt das Ministerium. Sowohl die Ärzteverbände als auch Vertreterinnen und Vertreter von Städten und Kreisen befürchteten nun, dass nicht alle vereinbarten Impftermine eingehalten werden könnten.

Der Vorsitzende des hessischen Hausärzteverbandes, Armin Beck, sprach auf hr-Anfrage von einer "großen Katastrophe". Das Vorgehen des Bundes löse vollständiges Unverständnis bei ihm aus.

Klose: "Das ist inakzeptabel"

"Alle Beteiligten der Impfallianz sind von dieser Reduzierung überrascht", sagte Gesundheitsminister Klose. "Das ist inakzeptabel. Wir verlangen vom Bund eine klare Kommunikation zu den Gründen und vor allem die zeitnahe Auslieferung des benötigten Impfstoffs". Die Bevölkerung zeige eine hohe Impfbereitschaft. "Da darf es zum jetzigen Zeitpunkt nicht am Impfstoff scheitern", sagte Klose weiter. Der Bund sei hier in der Pflicht.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Freitagvormittag gesagt, für die geplante Beschleunigung der Corona-Impfungen sei genug Impfstoff verfügbar. Wegen der Umstellungen in der Logistik zum Hochfahren der Impfungen könne es aber zu Verzögerungen beim Verteilen in der Fläche kommen.

Frankfurt: Womöglich kein Impfangebot für viele Menschen

Die Stadt Frankfurt teilte unterdessen mit, dass sie in Folge der geplanten Kürzung in der kommenden Woche statt der bestellten 19.380 Impfdosen nur rund 6.000 Dosen von Biontech und 4.000 Dosen von Moderna bekommen werde.

"Dass wir jetzt wieder einen Engpass beim Impfstoff haben, ist für mich unerträglich, das darf nicht sein", sagte Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne). "Ich bin tief besorgt, weil wir viele Menschen haben, die bereit sind, sich impfen zu lassen und denen wir womöglich kein Angebot machen können." Es sei dringend erforderlich, dass die Bundesregierung ausreichend Impfstoff zur Verfügung stelle, so Majer.

Impfstoff schon in mehreren Kreisen knapp

In mehreren hessischen Kreisen gibt es bereits Engpässe beim Impfstoff von Biontech. Die Stadt Offenbach setzt für Auffrischungsimpfungen in der städtischen Impfstelle das Serum jetzt von Moderna ein. Der ursprünglich vorgesehene Impfstoff von Biontech werde leider nicht in der angekündigten Menge geliefert, sagte ein Sprecher.

Auch der Landkreis Kassel will ab kommender Woche im Impfzentrum Calden nur noch mit Moderna boostern. Schwangere und Unter-30-Jährige sollen aber sowohl in Offenbach als auch in Calden weiterhin Biontech bekommen.

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