Fußgängerzone Marburg

Geschlossene Restaurants und Geschäfte ziehen keine Passanten in die Innenstädte, gleichzeitig wächst der Online-Handel. Manche Kommunen setzen für die Zeit nach der Corona-Pandemie deshalb auf mehr Veranstaltungen.

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In der Altstadt von Herborn (Lahn-Dill) machen sich Passanten Sorgen, dass es hier nach der Corona-Pandemie nicht mehr so aussehen wird wie davor. Die Innenstadt mit ihren historischen Fachwerkhäusern und vielen kleinen Gassen war besonders am Wochenende immer gut gefüllt mit Menschen aus der ganzen Umgebung, die hier in den kleinen Läden ihre Einkäufe erledigt haben.

Doch seit dem Lockdown ist das vorbei: Restaurants und viele Geschäfte müssen geschlossen bleiben.

"Innenstadt noch nie so leer gesehen"

Jetzt schlendern nur noch vereinzelt Menschen, wie Ursula Waschke an leeren Schaufensterläden vorbei. "Ich habe schon davor Angst, dass weniger Geschäfte vorhanden sind", sagt sie, wenn sie an die Zeit nach dem Lockdown denkt.

Rentner Klaus Stolzenberger sieht für die kleinen Läden, die zu keiner großen Kette gehören, schwarz. "So leer wie jetzt habe ich die Innenstadt noch nie gesehen", erzählt der Herborner.

Millionendefizit im städtischen Haushalt

Die leere Innenstadt sorgt auch im städtischen Haushalt für leere Kassen. Für 2021 plant die Stadt mit einem Defizit von 7,43 Millionen Euro. Es fehlen vor allem Einkommens- und Gewerbesteuern der geschlossenen Läden. Bürgermeisterin Katja Gronau (parteilos) rechnet erst wieder nach dem Lockdown mit einer Erholung.

Sie hofft, dass sich dann möglichst wenig am Bild ihrer Innenstadt ändert. "Herborn lebt von dieser Kleingastronomie in der Innenstadt und von den kleinen Läden, es ist gemütlich." Die alten Fachwerkhäuser großflächig umbauen, etwa um aus den vielen kleinen Läden in den Erdgeschossen neue Wohnungen zu machen, wäre für sie "ein Frevel".

Geld der Landesregierung hilft nur kurzfristig

Sich darauf zu verlassen, dass es nach Corona wieder so werde wie vorher, sei zu kurz gedacht, meint Johannes Heger, Geschäftsführer des hessischen Städte- und Gemeindebundes. Ein Grund ist die wachsende und anhaltende Konkurrenz durch den Online-Handel. Als einen Weg für die Zukunft sieht er "eine Mischung aus Gastronomie, Kultur und Veranstaltungen".

Johannes Heger vom hessischen Städte- und Gemeindebund

Deshalb brauche es in Zukunft viel mehr Events, um die Menschen in die Innenstädte zu locken. Das habe auch schon in der Zeit vor Corona funktioniert und auch da gab es ja schon die Online-Konkurrenz. "Ich glaube, dass es da viele Konzepte jetzt auch schon gibt, mit denen man auf die Dinge reagiert hat, die sich vor Corona auch schon abgezeichnet haben", sagt Heger. Entscheidend sei, das jetzt in die Fläche zu bringen.

Fulda und Eschwege zeigen, wie es geht

Fulda hatte mit dem Event-Konzept bereits vor der Corona-Pandemie Erfolg: Jahrelang lockte die Stadt mit ihrem Musicalsommer zahlende Gäste aus aller Welt auch in die Innenstadt. Die Gäste übernachteten dort in den Hotels, kauften in den Geschäften ein. "Durch diese Win-win-Situation machen die Hotels auch für den Musicalsommer Werbung und so macht eigentlich in Fulda jeder für jeden Werbung", sagt Intendant Peter Scholz.

Ähnlich in Eschwege (Werra-Meißner). Das jährliche Open-Flair-Festival fand bewusst in direkter Nähe zur Innenstadt statt. Für die Läden dort wirkte das Festival "wie Turbopower oder dreimal Weihnachten an fünf Tagen die Woche im August", heißt es aus der Stadtverwaltung. "Die Besucher geben pro Festivaltag bis zu 40 Euro aus. Das ergibt bei fünf Festivaltagen noch einmal circa 3,5 bis vier Millionen Euro Umsatz für unseren Einzelhandel."

Wann allerdings wieder ein uneingeschränkter Tourismus möglich sein wird und wann es wieder Open-Air-Festivals geben kann, ist derzeit schwer vorhersehbar.

Hoffen auf neue Konzepte

Johannes Heger vom Städte- und Gemeindebund hofft, dass die Kommunen die nächsten Monate nutzen, um für sich Konzepte zu entwickeln. Da könne man einfach mal zehn Beispiele aus anderen Kommunen zu Rate ziehen und dann mit allen Beteiligten vor Ort, von Einzelhandel, Handwerk bis hin zu Kulturschaffenden zusammen überlegen, wie sich die Ideen umsetzen ließen.

In Herborn will Bürgermeisterin Gronau ebenfalls mehr auf Events wie das örtliche Weinfest setzen. Das könne sogar unter Corona-Bedingungen funktionieren, etwa mit einem eingezäunten Bereich und Einlasskontrollen. Um auch einen durchschlagenden Effekt auf die Läden in der Innenstadt zu erzielen, müssten die aber wieder geöffnet haben.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 20.02.2021, 19.30 Uhr