Ein Rettungshubschrauber, davor Rettungskräfte, die einen beatmeten Patienten auf einer Trage transportieren.

Südhessens Kliniken schlagen Alarm: Weil ihre Intensivstationen überbelegt sind, musste bereits ein Patient aus Darmstadt nach Fulda geflogen werden. Er wird nicht der letzte sein.

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Ein Rettungshubschrauber landet am Mittwochnachmittag am Klinkum Fulda. An Bord ein beatmeter Intensiv-Patient aus Darmstadt: Ein Notfall, der in keiner südhessischen Klinik mehr behandelt werden kann. Dort sind die Intensivbetten voll, die Krankenhäuser der Region schlagen Alarm.

Nichts geht mehr, das haben Darmstadts Krankenhäuser deutlich gemacht. Sie meldeten dem Covid-19-Krisenstab der Stadt am Mittwoch, dass ihre Intensivstationen überbelegt seien. "Im gesamten Versorgungsgebiet 6 gibt es derzeit keine freien Intensivbetten mehr", teilte die Stadt mit.

Vier Landkreise betroffen

Das betrifft nicht nur die Stadt Darmstadt, sondern weite Teile Südhessens. Denn zum überlasteten Versorgungsgebiet 6 gehören auch die Landkreise Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Bergstraße und der Odenwaldkreis.

Bei jedem Notfall müssten die Kliniken aufs Neue diskutieren, erklärt der medizinische Geschäftsführer am Klinikum Darmstadt, Nawid Khaladj: Notfallpatienten würden zunächst behandelt und stabilisiert, dann werde in Videokonferenzen mit anderen, kooperierenden Kliniken beraten, "ob Kapazitäten geschaffen werden können oder ob diese PatientInnen in andere Versorgungsgebiete verlegt werden". Und darauf laufe es seit einigen Wochen immer häufiger hinaus.

Weitere Verlegungen geplant

Der Intensiv-Patient aus Darmstadt, der nun in Fulda liegt, wird somit nicht der letzte sein, der in seiner Heimatregion nicht mehr versorgt werden kann: Auch am Donnerstag wollte das Klinikum Darmstadt nach eigener Aussage Patienten nach Fulda und Kassel verlegen. Ein Patient aus Hanau liegt ebenfalls im Klinikum Fulda auf der Intensivstation, wie die Einrichtung auf Anfrage mitteilte. Er wurde vergangene Woche dorthin gebacht. Außerdem wurden in Fulda zwei Intensivpatienten aus Bayern behandelt.

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Verlegung nach dem "Kleeblatt"-Prinzip

Verlegungen funktionieren in Deutschland nach dem sogenannten "Kleeblatt"-System: Dieses wurde vor dem Hintergrund der ersten Corona-Welle 2020 eingeführt. Um Überforderungen in einzelnen Krankenhäusern zu vermeiden, sollen innerhalb eines "Kleeblatts", dem meist noch Nachbarbundesländer angehören, unkompliziert Patienten-Verlegungen möglich sein. Ist das innerhalb eines "Kleeblatts" nicht mehr möglich, sollen bundesweite Verlegungen möglich sein. Dafür muss das System politisch "aktiviert" werden. Mehr Hintergründe gibt es hier.

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Pflegenotstand verschärft das Problem

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Ein Grund für die Überbelegung ist nach Angaben der Stadt Darmstadt, dass Patientinnen und Patienten in der vierten Welle im Schnitt jünger sind, deshalb die Intensivbetten länger beanspruchen und eine aufwändigere Behandlung brauchen.

Aber auch der Pflegenotstand trage seinen Teil dazu bei, sagt Khaladj: Weil Pflegekräfte fehlten, könnten nicht alle verfügbaren Intensivbetten genutzt werden. Den Druck können einige Kliniken jetzt nur noch durch Verlegungen abfedern.

300 Corona-Patienten auf Intensivstation

Seit Wochen füllen sich Hessens Kliniken zusehends mit Corona-Patientinnen und Patienten, von denen viele auf Intensivstationen behandelt werden müssen: Anfang November lagen dort laut Divi-Intensivregister noch 162 Covid-Patienten, inzwischen sind es 279. Das Sozialministerium kommt auf eine höhere Zahl: 300 waren es demnach am Mittwoch.

In Südhessen ist die Lage laut Divi-Intensivregister besonders dramatisch: Fast 56 Prozent der Intensivbetten im Landkreis Darmstadt-Dieburg sind mit Covid-Patienten belegt, im Kreis Offenbach rund 57 Prozent. Im Landkreis Fulda sind es deutlich weniger: rund 17 Prozent.

Auf der Intensivstation des Klinikums Darmstadt belegen Corona-Patienten rund ein Drittel der Intensivbetten, sagt Khaladj: "Die hohe Zahl an Covid-Patienten bringt uns in Bedrängnis." Das Klinikum müsse Platz für andere Notfälle vorhalten: "Wir sind der einzige Maximalversorger in Südhessen, das heißt: schwerste Unfallverletzungen, Schlaganfälle und ähnliche Fälle können nur bei uns behandelt werden."

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