Zwei Polizisten im Dunkeln

Im Landkreis Fulda grassiert das Coronavirus derzeit besonders heftig. Zunächst hatten sich die Verantwortlichen gegen die 15-Kilometer-Regel zur Einschränkung der Bewegungsfreiheit ausgesprochen. Nun kommt sie doch.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Corona-Einschränkungen durch 15-km-Regel

Die Grafik zeigt die Karte des Bundeslandes Hessen mit einem Icon Ortsindikator und einem gestrichelten Kreis mit der Bezeichnung "15 km" in Übergröße.
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Der Landkreis Fulda ist derzeit mit weitem Abstand trauriger Corona-Spitzenreiter in Hessen. Nirgendwo im Land ist die Inzidenz so hoch wie in Osthessen. Sie lag am Montag bei 346 - mehr als doppelt so hoch wie im hessischen Durchschnitt (162) laut Statistik. Nun suchen die Verantwortlichen den richtigen Weg aus der Misere.

Eine Frage war, ob, und wenn ja wie der Landkreis zu verschärften Mitteln im Kampf gegen die Pandemie greift. Bei den politischen Bund-Länder-Beratungen in Berlin wurde empfohlen, Menschen, die in einem Corona-Hotspot leben, die Bewegungsfreiheit für Freizeitaktivitäten oder Ausflüge auf einen Radius von 15 Kilometer rund um deren Wohnort zu begrenzen.

Corona-Philosophie auf dem Prüfstand

Der Landkreis verzichtete zunächst darauf und sperrte lieber die Wasserkuppe als großes Winterausflugsziel im Mittelgebirge zeitweise für Besucher. Am Montag wurde im Landratsamt dann aber doch über die 15-Kilometer-Regel beraten - mit dem Entschluss, diese ab Mittwoch 0.00 Uhr einzuführen. Sie gilt nun bis zum 18. Januar.

"Das Ziel dieser Allgemeinverfügung ist es nicht, alltägliche Lebensabläufe unserer Bürgerinnen und Bürger zu reglementieren. Vielmehr soll verhindert werden, dass der Landkreis Fulda zum Hotspot für überregionale touristische Aktivitäten wird", erklärte Landrat Bernd Woide (CDU) den Beschluss am späten Montag.

"Die hohen Fallzahlen führen jetzt erneut zur Diskussion darüber, was der Staat tun sollte, ob die verhängten Maßnahmen nicht greifen und ob sie verschärft werden müssten", hatte Woide im Laufe des Montags erklärt. Klar sei für ihn: "Wir haben keineswegs zu wenige Regelungen." Er findet: "Wir haben in Teilen der Bevölkerung ein Akzeptanzproblem."

Landrat: "Mehr Corona-Regeln helfen nicht"

Woide erläuterte: "Zu viele Menschen halten sich immer noch nicht an die bereits bestehenden Regelungen. Der Staat wird die Fallzahlen nicht durch ein Mehr von Anordnungen senken können. Das kann nur jeder Einzelne tun, der bereit ist, die Vorgaben zu akzeptieren und danach zu handeln."

Woide sagte auch mit Blick auf die 15-km-Regel: "Es ist mitnichten so, dass sich dann niemand mehr weiter als 15 Kilometer von seinem Wohnsitz entfernen darf. Ausschließliches Ziel der 15-km-Regelung ist es, den Tagestourismus einzuschränken, um dadurch an den jeweiligen touristischen Orten Kontakte zu reduzieren."

Im Landkreis Fulda betrifft dies in erster Linie den Besucherandrang in der Rhön, speziell auf der Wasserkuppe. "Diese Kontaktreduzierung haben wir am Wochenende ganz konkret durch die Sperrung von Straßen und Parkplätzen erreicht", sagte Woide.

Triftige Gründe zum Umgehen der 15-km-Regel

Um die 15-km-Regel zu umgehen, reicht schon ein sogenannter triftiger Grund. Lebensmitteleinkäufe, die Fahrt zum Job, Gottesdienst-Besuche oder auch ein Arztbesuch fallen unter die Ausnahmen. Was nach Ansicht des Landkreises Fulda alles triftige Gründe sein können, muss dann in der Allgemeinverfügung aufgeführt werden.

Ein Polizeisprecher in Fulda sagte dem hr zu möglichen Kontrollen der 15-km-Regel: "Wir als Polizei müssen abwarten, was erlassen wird und werden dann im Rahmen der Amtshilfe bestehende Verordnungen mit überwachen." Die Beamten würden die Gesundheits- und Ordnungsämter unterstützen und bei den Kontrollen der Corona-Regeln präsent sein.

Meiste Neuinfektionen im privaten Bereich

Der Landkreis Fulda berichtete, dass der Anstieg der Corona-Zahlen mit etwa 750 neuen Fällen in der vergangenen Woche überwiegend auf Ansteckungen im Privatbereich zurückzuführen sei. Rund 500 Fälle seien innerhalb eines Hausstandes oder bei privaten Treffen gezählt worden - verteilt über den gesamten Landkreis. Rund 200 Fälle betreffen den Angaben zufolge Pflegeheime mit Schwerpunkten in Fulda, Hünfeld, Flieden und Bad Salzschlirf.

Die Inzidenz im Landkreis lag laut Statistik am Sonntag auf dem Höchstwert von 367 und ging am Montag auf 346 zurück. Aktuell seien 1.575 Menschen erkrankt, genesen seien 4.021 Menschen. Aktuell seien 94 Betten in Klinken im Landkreis mit Covid-19-Patienten belegt, 20 davon werden intensiv-medizinisch betreut. Nur noch 14 Intensivbetten sind frei, wie das DIVI-Intensivregister anzeigt.

Als Corona-Hotspots sind in Hessen noch weitere Kreise von hohen Zahlen betroffen. Die Landkreise Limburg-Weilburg (265,8), Vogelsberg (272,6) und Gießen (250,8) haben hinter dem Landkreis Fulda das derzeit heftigste Infektionsgeschehen. Im Vogelsberg soll die 15-km-Regel ab Mittwoch greifen. In den Landkreisen Gießen und Limburg-Weilburg ist das bereits seit Montag (11. Januar) der Fall.

Sendung: hr-iNFO, 11.01.2020, 17.05 Uhr