Graffito für die Opfer des Anschlags von Hanau an der Frankfurter Friedensbrücke

Hessen hat ein historisches Krisenjahr hinter sich - auch ohne Corona. Wir blicken auf 2020 zurück: vom rassistischen Anschlag in Hanau über den Lübcke-Prozess bis hin zum konfliktbeladenen A49-Ausbau.

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zum Video Jahresrückblick: Anschlag, Amokfahrt, Lübcke-Prozess

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Es ist ein Jahr, das in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg seinesgleichen sucht. "Historisch" ist sicherlich nicht zu hoch gegriffen für 2020, und das nicht nur wegen der Corona-Krise. In unserem Jahresrückblick finden Sie eine Auswahl der größten Krisen und wichtigsten Ereignisse des Jahres.

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Corona-Jahresrückblick

Alle wichtigen Ereignisse zur Corona-Krise finden Sie in einem eigenen Jahresrückblick. Hier geht es zum Corona-Jahresrückblick Teil (1) - Januar bis Juni und zum Corona-Jahresrückblick Teil (2) - Juli bis Dezember.

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Januar

9. Januar: Kinder in Dorfteich ertrunken - Bürgermeister vor Gericht. Der Bürgermeister von Neukirchen (Schwalm-Eder) muss vor Gericht, weil im Dorfteich der Gemeinde im Jahr 2016 drei Geschwister ertrunken waren, die nicht schwimmen konnten. Das als Löschteich gedachte Gewässer war nicht umzäunt. Die Staatsanwaltschaft sieht daher den Rathauschef in der Verantwortung und hat ihn wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

Die Sinnfrage? Warum ist dieses Unglück geschehen?

14. Januar: Die AWO-Affäre in Frankfurt zieht immer weitere Kreise. Die Staatsanwaltschaft durchsucht Büros und Wohnungen von Verantwortlichen der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Es geht um Betrugsvorwürfe zum Nachteil der Stadt Frankfurt und Untreue zum Nachteil der Awo. Insgesamt steht die Awo wegen angeblicher Selbstbedienung, personeller Verflechtungen und teurer Dienstwagen in der Kritik.

29. Januar: Frankfurt verliert die Internationale Automobilausstellung (IAA). Frankfurt hat nach Jahrzehnten die IAA verloren und wird die kommende Autoschau 2021 nicht ausrichten. Die Stadt scheidet bereits früh aus dem Rennen aus. Stadt und Landesregierung reagierten nach einer Vorauswahl des Verbandes der Automobilindustrie enttäuscht. Auch für Hoteliers und Gastronomen ist das IAA-Aus ein Schock. Am Ende bekommt München den Zuschlag.

Februar

6. Februar: Pfungstädter Brauerei-Projekt auf Eis gelegt. Nicht weniger als die "modernste Brauerei der Welt" versprach ein Investor dem kriselnden Traditionsunternehmen Pfungstädter. Entstehen sollte sie auf dem Gelände eines stillgelegten Schwimmbads in Pfungstadt (Darmstadt-Dieburg). Doch nun steht das Projekt vor dem Aus, da die Verhandlungen mit dem Investor ausgesetzt worden sind. Später kommt ein anderer Interessent zum Zug: Ein Anlagenbauer aus Seeheim-Jugenheim soll das Gelände mit Neubau der Brauerei entwickeln.

Simulation des Neubaus für die Pfungstädter Brauerei

10. Februar: Orkantief "Sabine" fegt über Hessen hinweg. Vereinzelt werden Menschen durch herabstürzende Bäume, Äste oder Dachziegel verletzt. An den meisten Schulen fällt der Unterricht aus, die Bahn stellt den Verkehr zeitweise ein. In Frankfurt bringt das Orkanttief einen Kran am Frankfurter Dom zum Umkippen. Dieser kracht auf das Dach und kann erst Tage später weggeschafft werden.

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zum Video Sturm "Sabine" fegt über Hessen

hessenschau vom 10.02.2020
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19. Februar: Rassistisch motivierter Mordanschlag in Hanau. Hessen hat sich noch nicht ganz vom Schock über den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke erholt, als neue, in dem Bundesland bislang nicht gekannte Gewalt für Entsetzen sorgt. Ein psychisch kranker und rechtsextremer Attentäter fährt abends durch Hanau und schießt gezielt auf Menschen mit Migrationshintergrund. Er zieht eine Blutspur durch Hanau, in und vor Lokalen und einem Kiosk sterben neun Menschen.

Die Polizei findet den Attentäter später tot in der Wohnung seiner Eltern in der Nähe des letzten Tatorts, auch seine eigene Mutter hat er getötet. Die Stadt Hanau und die Menschen dort werden noch lange mit dem rassistisch motivierten Anschlag zu kämpfen haben.

Mural mit Köpfen der in Hanau getöteten Menschen

20. Februar: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei Mahnwache in Hanau. In ganz Hessen haben tausende Menschen der Opfer von Hanau gedacht. Bundespräsident Steinmeier spricht bei einer Mahnwache in Hanau. "Was geschehen ist, das schlägt eine tiefe Wunde in diese Stadt", sagt das Staatsoberhaupt mit Blick auf das rassistisch motivierte Attentat am Vortag.

Bundespräsident Steinmeier (Mitte) hat in Hanau der Opfer gedacht.

24. Februar: Autofahrer rast in Rosenmontagsumzug in Volkmarsen. Das Entsetzen über Hanau hält noch an, als kurz darauf beinahe wieder Menschen bei einer Gewalttat in Hessen sterben. Ein Autofahrer lenkt beim Rosenmontagszug in Volkmarsen (Waldeck-Frankenberg) absichtlich seinen Wagen in die Menschenmenge. Mehr als 150 Verletzte werden nach der Amokfahrt gezählt, darunter viele Kinder. Das Motiv des in Untersuchungshaft sitzenden Mannes ist bis zum Jahresende unklar. Sicherheitshalber bricht die Polizei alle anderen Fastnachtsumzüge in Hessen ab.

Einsatzkräfte nehmen in Volkmarsen Spuren auf.

27. Februar: Erster Corona-Fall in Hessen. In Hessen wird erstmals ein Fall des neuartigen Coronavirus nachgewiesen. Betroffen ist ein Mann aus dem Lahn-Dill-Kreis.

Alle wichtigen Ereignisse zur Corona-Krise finden Sie in einem eigenen Jahresrückblick. Hier geht es zum Corona-Jahresrückblick Teil (1) - Januar bis Juni und zum Corona-Jahresrückblick Teil (2) - Juli bis Dezember.

März

3. März: Bätzing wird Vorsitzender der Bischofskonferenz. Der Limburger Bischof Georg Bätzing ist zum neuen Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Der 58-Jährige ist Nachfolger des Münchner Erzbischofs Kardinal Reinhard Marx.

4. März: Bewegender Abschied von Hanauer Anschlagsopfern. Zusammen mit Bundespräsident Steinmeier, Kanzlerin Merkel und Ministerpräsident Bouffier nimmt die Stadt Hanau Abschied von den Opfern des rassistischen Anschlags vom 19. Februar. Angehörige halten emotionale Reden.

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zum Video Zentrale Trauerfeier für Anschlagsopfer in Hanau

hs
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28. März: Finanzminister Schäfer ist tot. Der Tod des hessischen Finanzministers Thomas Schäfer (54) versetzt die Landespolitik in einen Schockzustand. Der CDU-Politiker wird tot an einer Bahnstrecke gefunden. Die Ermittler gehen von einem Suizid aus. Schäfer galt aus aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von Volker Bouffier. Der Ministerpräsident spricht sichtlich erschüttert von großen Sorgen, die sich Schäfer wegen der Corona-Krise gemacht habe.

Finanzminister Thomas Schäfer (CDU). Er wurde 54 Jahre alt.

31. März: Boddenberg zum neuen Finanzminister ernannt. Ministerpräsident Bouffier ernennt den bisherigen CDU-Fraktionschef Michael Boddenberg zum neuen Finanzminister von Hessen. Er tritt damit wenige Tage nach dem Tod von Thomas Schäfer dessen Nachfolge an. Boddenberg war seit Januar 2014 CDU-Fraktionschef im Landtag.

April

28. April: Hessen trennt sich von Ditib. Die hessische Landesregierung beendet beim islamischen Religionsunterricht die Zusammenarbeit mit dem türkischen Moscheeverband Ditib. Grund sind Zweifel an der Unabhängigkeit des Verbands von der türkischen Regierung. Das Land will den Islamunterricht nun selbst organisieren. Der Moscheeverband reagierte mit Unverständnis.

29. April: Mordfall Lübcke - Anklage gegen Stephan Ernst. Der Generalbundesanwalt erhebt im Mordfall Lübcke Anklage gegen den Hauptverdächtigen Stephan Ernst und dessen mutmaßlichen Unterstützer. Ihnen werden Mord beziehungsweise Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke wurde in der Nacht zum 2. Juni 2019 auf der Terrasse seines Hauses in Wolfhagen umgebracht.

Stephan E. mit Handschellen und Gesichtsmaske scharf bewacht von bewaffneten Polizisten auf dem Weg zu einem Hubschrauber

Mai

8. Mai: 16-Jährige stirbt bei Bahnunglück in Frankfurt. Ein tödlicher Unfall an einem Bahnübergang im Frankfurter Stadtteil Nied sorgt für Diskussionen. Eine 16-Jährige wird von einem Zug erfasst und getötet. Drei weitere Menschen werden verletzt. Die Schülerin hat den Bahnübergang überquert, dessen Schranken trotz des herannahenden Zuges offen standen. Später wird entschieden, dass der Übergang weg kommen soll. Der Übergang ist seit langem als Gefahrenquelle bekannt.

Polizeieinsatz am Bahnübergang in Frankfurt-Nied

12. Mai: Lebenslange Haftstrafe im Mordfall Susanna rechtskräftig. Zwei Jahre nach der Vergewaltigung und dem Mord an der 14-jährigen Schülerin Susanna ist die Verurteilung des Täters Ali B. zu lebenslanger Haft rechtskräftig. Das entscheidet der Bundesgerichtshof und bestätigt damit das Urteil des Landgerichts Wiesbaden vom Juli 2019.

29. Mai: Polizisten in Dietzenbach in Hinterhalt gelockt. In einem Hochhausviertel in Dietzenbach (Offenbach) werden Feuerwehrleute und Polizisten von einer größeren Gruppe angegriffen und mit Steinen beworfen. Verletzt wird zum Glück niemand. Zuvor wurde Feuer gelegt - offenbar mit dem Ziel, die Rettungskräfte in die Falle zu locken.

Juni

8. Juni: Fashion Week kommt nach Frankfurt. Nach dem Verlust der Automobilmesse IAA setzt Frankfurt auf ein neues Aushängeschild: Ab 2021 sollen internationale Modemacher durch die Stadt flanieren. Die Berlin Fashion Week erhält in Frankfurt ein neues Konzept, die Stadt hofft auf einen Batzen Geld.

Ein Model läuft über den Laufsteg der Fashion Week in Berlin.

16. Juni: Mordfall Lübcke - Prozess gegen Stephan Ernst beginnt. Vor dem Oberlandesgericht Frankfurt beginnt der Prozess um den mutmaßlich rechtsextremistisch motivierten Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke. Als Todesschütze gilt Stephan Ernst, auf der Anklagebank wegen Beihilfe zum Mord sitzt außerdem Markus H.

Für Aufsehen sorgt der Umgang des Gerichts mit den Corona-Bedingungen: Es vergibt die Plätze für Zuschauer und Medien nach der Reihenfolge des Erscheinens, weshalb einige Pressevertreter vor dem Gerichtsgebäude übernachten. hessenschau.de begleitet den gesamten Prozess in einem Blog.

25. Juni: Frankfurter AWO verschleudert 4,5 Millionen. Das neue Präsidium der Frankfurter AWO muss den Skandal um Vetternwirtschaft, überhöhte Gehälter und Luxuswagen aufklären. Chefin Petra Rossbrey präsentiert eine erste Bilanz: Der Gesamtschaden wird zunächst auf 4,5 Millionen Euro für die Jahre 2015 bis 2019 geschätzt. Die früheren Führungsfunktionäre hätten "die AWO ausgeplündert und sich bereichert, als ob es keine Morgen gäbe", sagte Juristin Rossbrey. Später stellt sich heraus, dass die Schadenssumme noch weitaus höher ist.

Juli

9. Juli: Wissler erhält Drohmails - Sonderermittler wird eingesetzt. Im Zusammenhang mit rechtsextremistischen Drohmails an Politikerinnen und weitere Menschen des öffentlichen Lebens kündigt Innenminister Peter Beuth (CDU) an, einen Sonderermittler einzusetzen. Hanspeter Mener soll die Ermittlungen zu den "NSU 2.0"-Mails federführend übernehmen. Auch die Frankfurter Linken-Politikerin Janine Wissler hat zuvor Morddrohungen mit der Unterschrift "NSU 2.0" erhalten. Die Landespolitik reagiert entsetzt.

Janine Wissler im Landtag

14. Juli: Polizeipräsident tritt nach Drohmail-Affäre zurück. Die Affäre um Drohmails in Hessen kostet einen hochrangigen Polizeibeamten das Amt: Landespolizeipräsident Udo Münch tritt zurück, weil wichtige Informationen bei den Ermittlungen zu den rechtsextremen "NSU 2.0"-Mails nicht an das Innenministerium weitergegeben worden seien. Münchs Nachfolger wird Roland Ullmann.

18. /19. Juli: Freiluftpartys und Randale auf dem Frankfurter Opernplatz. Da die Clubs geschlossen sind, feiern hunderte Menschen auf öffentlichen Plätzen und missachten die Corona-Regelungen. Zudem hinterlassen sie ordentlich Müll. In Frankfurt eskaliert wegen Randalierern schließlich die Situation auf dem Opernplatz: Als Polizisten bei einer Schlägerei eingreifen wollen, werden sie selbst zum Ziel von Angriffen. Es folgen ein Betretungsverbot ab Mitternacht und ein Aufenthaltsverbot ab 1 Uhr.

Freiluftpartys an der Alten Oper in Frankfurt

24. Juli: Oberstaatsanwalt in U-Haft. Ein leitender Beamter der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt wird unter dem Verdacht der Bestechlichkeit festgenommen und kommt in Untersuchungshaft. Es geht um krumme Geschäfte mit Gutachter-Aufträgen in Millionenhöhe. Rund zwei Monate später kommt er nach einem Geständnis wieder auf freien Fuß.

28. Juli: Der Goetheturm in Frankfurt steht wieder. Endlich mal eine gute Nachricht: Fast drei Jahre nach einem verheerenden Feuer ist der Frankfurter Goetheturm wieder aufgebaut worden. Zwei Tage später wird Richtfest an dem beliebten Ausflugsziel gefeiert. Die Eröffnung soll erst 2021 groß gefeiert werden, wenn es die Corona-Pandemie erlaubt.

Der neue Goetheturm wurde am Dienstag aufgestellt.

August

5. August: Mordfall Lübcke - Stephan Ernst gesteht erstmals vor Gericht. Im Prozess um den Mordfall Lübcke räumt der Hauptangeklagte Stephan Ernst erstmals vor Gericht den tödlichen Schuss auf den Kasseler Regierungspräsidenten ein. Gleichzeitig belastet er den Mitangeklagten Markus H.: Dieser soll laut Ernst ebenfalls am Tatort gewesen sein und eine entscheidende Rolle gespielt haben. H. bestreitet das.

6. August: Eintracht Frankfurt scheidet aus der Europa League aus. Eintracht Frankfurts Ritt durch Europa ist zu Ende: Die Frankfurter verlieren 0:1 in Basel und scheiden aus der Europa League aus. Und das, obwohl sie auf dem Schweizer Platz lange die bessere Mannschaft waren.

11. August: Trockenheit und Hitze in Hessen. Hessen steuert auf eine ungewöhnliche Hitzewelle zu. Auch die Waldbrandgefahr steigt. Erste Kommunen in Hessen sprechen wegen des hohen Verbrauchs eine Art Notstand bei der Trinkwasserversorgung aus. Sie rufen dazu auf, nicht unnötig Wasser zu verbrauchen.

Sommer in Hessen

19. August: Prozess nach tödlicher Gleis-Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof. In Frankfurt beginnt der Prozess um eine Tat, die deutschlandweit für Entsetzen gesorgt hat: Ein Mann steht vor Gericht, weil er rund ein Jahr zuvor eine Frau und ihren achtjährigen Sohn im Frankfurter Hauptbahnhof vor einen einfahrenden Zug gestoßen hatte. Das Kind starb, die Mutter konnte sich retten. Der Mann sagt, es tue ihm leid. Ende August ordnet das Gericht seine dauerhafte Unterbringung in einer Psychiatrie an.

Gedenkstelle am Frankfurter Hbf

September

9. September: Prozessauftakt nach Lkw-Amokfahrt - Anklage wegen versuchten Mordes. In Limburg beginnt der Prozess gegen einen Mann, der im Oktober 2019 einen Lastwagen an einer Kreuzung absichtlich in andere Autos gelenkt haben soll. 18 Menschen wurden dabei verletzt. Das Gericht verurteilt den Mann im November zu neun Jahren Haft wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung. Der Mann stand unter Drogeneinfluss.

16. September: Der Konflikt um den Weiterbau der A49 spitzt sich zu. Es kommt im Dannenröder Forst zu ersten Auseinandersetzungen zwischen Umweltaktivisten und der Polizei. Die A49 soll nach dem geplanten Lückenschluss Kassel und Gießen miteinander verbinden, ist aber wegen der dafür beschlossenen Waldrodungen umstritten. hessenschau.de berichtet über den Konflikt um den A49-Ausbau in einem Ticker.

Ein Aktivist wird von der Polizei weggetragen.

24. September: Missbrauchsopfer bekommen bis zu 50.000 Euro. Auf der Bischofskonferenz in Fulda einigen sich die Oberhirten der katholischen Kirche auf Ausgleichszahlungen für die Opfer von sexuellem Missbrauch. Demnach sollen Betroffene bis zu 50.000 Euro Entschädigung bekommen.

26. September: Bouffier wird wiedergewählt. Ministerpräsident Volker Bouffier wird mit großer Mehrheit als CDU-Landesvorsitzender wiedergewählt. Er bekommt 92,6 Prozent Zustimmung, sein allerdings bisher schlechtestes Ergebnis. Bouffier ist seit 2010 Chef des Landesverbandes.

Oktober

11. Oktober: Mutmaßlich illegales Sportwagenrennen - eine Tote. Nach einem Rennen dreier Sportwagen auf der A66 bei Hofheim am Taunus kommt es zu einem Unfall, bei dem eine unbeteiligte Frau stirbt. Die Behörden ermitteln zunächst wegen Mordverdachts gegen die drei Fahrer der Sportwagen. Die A66-Raser kommen später wieder frei. Es rückt ein weiterer Autofahrer in den Fokus, der nicht an dem vorherigen Rennen beteiligt war. Ihm wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Er soll den Unfall mit einem abrupten Spurwechsel ausgelöst haben.

Zwei völlig ausgebrannte Autos liegen auf der Fahrbahn. Sie sind von Löschschaum bedeckt. Feuerwehrleute stehen daneben.

12. Oktober: Deutscher Buchpreis für Anne Weber. Der Deutsche Buchpreis für den besten deutschsprachigen Roman des Jahres geht an Anne Weber (55), Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim. Sie wird für ihr Werk "Annette, ein Heldinnenepos" geehrt. Zwei Tage später startet die Frankfurter Buchmesse, wegen der Corona-Krise allerdings nur in virtueller Form.

Schriftstellerin Anne Weber Stadtschreiberin von Bergen 2020

26. Oktober: Ausbaugegner seilen sich von Autobahnbrücke ab. Aus Protest gegen die Rodung von Wäldern für den Weiterbau der A49 seilen sich Aktivisten im morgendlichen Berufsverkehr von einer A3-Brücke im Rhein-Main-Gebiet ab und stoppen so den Verkehr. Spezialeinheiten der Polizei bringen sie wieder auf den Boden. Das Vorgehen der Aktivisten sorgt auch deshalb für scharfe Kritik, weil es in Folge der Aktion zu einem Stau und einem schweren Auffahrunfall kommt.

Aktivisten seilten sich von der Brücke ab.

November

4. November: Zug mit Castoren im Zwischenlager Biblis angekommen. In Biblis treffen mehrere Castor-Behälter mit Atommüll ein - es ist seit Jahren der erste Transport von radioaktivem Abfall in Deutschland. Der Transport verläuft weitgehend störungsfrei, trotz Protesten von Atomgegnern. Der Atommüll wurde aus der britischen Atomanlage Sellafield nach Deutschland zurückgebracht. Er bleibt dort, bis ein Zwischenlager gefunden ist.

6. November: Hessens Wäldern geht es immer schlechter. Der hessische Wald ist in einem so schlechten Zustand wie noch nie seit Beginn der Untersuchungen im Jahr 1984. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt der Waldzustandsbericht. Vor allem den Fichten geht es demnach sehr schlecht - insbesondere wegen langer Trockenperioden in den vergangenen Jahren.

Tote Bäume in einem Wald in Sachsen im August 2019

21. November: SUV-Unfall in Frankfurt - zwei Tote. Im Frankfurter Ostend kommt ein Mann mit seinem SUV von der Straße ab und überfährt drei Menschen. Ein 61 Jahre alter Passant und ein 27 Jahre alter Fahrradkurier sterben. Nach Zeugenaussagen war der Autofahrer viel zu schnell unterwegs.

Die Unfallstelle im Frankfurter Ostend

Dezember

1. Dezember: Die zweijährige Timnit aus Fulda ist ertrunken. Bei einer großen Suchaktion finden Taucher in einem Kanal in Fulda eine Kinderleiche. Später wird traurige Gewissheit, dass es sich um eine Zweijährige handelt, die am Vorabend unbemerkt die Wohnung der Familie verlassen hat - bei winterlichem Wetter. Sie ist ertrunken, wie die rechtsmedizinische Untersuchung ergibt.

4. Dezember: Journalistenverband kürt #Fahrstuhlgate zum Pressefoto des Jahres. Politiker mit Ärzten dicht gedrängt in einem Aufzug im Uni-Klinikum Gießen - und das mitten in der Corona-Pandemie. Im April ging dieses Foto von hessenschau.de-Redakteur Bodo Weissenborn viral. Nun hat es der Deutsche Journalistenverband Hessen und Thüringen zum Pressefoto des Jahres gewählt.

Voller Aufzug: Jens Spahn (2.vl), Helge Braun (5.vl), Volker Bouffier (6.vl), Michael Bußer (7.vl) und Kai Klose (rechts) im Aufzug.

8. Dezember: Rodungen für A49-Ausbau beendet. Die Baumfällarbeiten im umkämpften Dannenröder Forst gehen zu Ende. Die Umweltaktivisten wollen ihre Proteste gegen den Weiterbau der Autobahn 49 dennoch fortsetzen.

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15. Dezember: Corona-Lockdown in Hessen. Geschäfte bleiben geschlossen, Schüler sollen zuhause bleiben: Das öffentliche Leben steht nun bis zum 10. Januar in zentralen Bereichen still.

27. Dezember: Impfungen gegen das Coronavirus starten. Auch in Hessen haben die Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. Zu den ersten Geimpften gehört eine Frankfurter Intensiv-Krankenschwester. In Alten- und Pflegeheimen waren mobile Teams unterwegs. In Hessen stehen zunächst knapp 10.000 Impfdosen zur Verfügung. Am zweiten Weihnachtsfeiertag war die erste Lieferung von Impfdosen der Mainzer Firma Biontech wie geplant in Hessen angekommen.

Zeynep Kallmayer (l.), Pflegerin am Frankfurter Uniklinikum, erhält am Sonntagmorgen eine der ersten Corona-Impfungen in Hessen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 27.12.2020, 19.30 Uhr