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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found 200 Infizierte nach Baptisten-Gottesdienst

Ansicht der Baptistenkirche in Frankfurt

Erst 40, dann 100, jetzt 200 Fälle: Nach dem Gottesdienst einer Baptistengemeinde in Frankfurt steigt die Zahl der Corona-Ansteckungen immer weiter. Neun Menschen liegen im Krankenhaus.

Als Hotspot für Corona-Ansteckungen im ganzen Rhein-Main-Gebiet ist ein Gottesdienst in einer baptistischen Freikirche im Frankfurter Stadtteil Rödelheim längst identifiziert. Nach dem Treffen vor knapp drei Wochen steigt die Zahl der positiv auf Sars-CoV-2 getesteten Menschen aber immer noch stark an.

Inzwischen ist nach Angaben des Gesundheitsdezernates bei rund 200 Menschen aus dem Umfeld der Gemeinde das Coronavirus festgestellt worden. Von ihnen wohnten 57 in Frankfurt, die übrigen lebten in sieben umliegenden Landkreisen, sagte eine Sprecherin des Dezernats.

Derzeit würden neun Menschen in Krankenhäusern stationär behandelt. In einem Fall ist eine intensivmedizinische Behandlung nötig

Viele Familien mit Kindern

Der fragliche Gottesdienst hatte am 10. Mai stattgefunden. Zunächst wurde die Zahl auf mehr als 40 Fälle geschätzt, am Montag galten dann bereits 112 Menschen als infiziert.

Die hohe Zahl der Infektionen sei wohl darauf zurückzuführen, dass viele Gemeindemitglieder große Familien mit fünf und mehr Kindern hätten, erklärte die Gemeinde in einer Stellungnahme.

Gesang, aber keine Maske

Am vergangenen Wochenende waren die Infektionen in der Evangeliums-Christen-Baptisten-Gemeinde bekannt geworden. Laut dem Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk, hatten an dem Gottesdienst insgesamt etwa 180 Menschen teilgenommen.

Ein Sprecher der Gemeinde hatte zunächst erklärt, es seien alle Auflagen für Gottesdienste eingehalten worden: der Mindestabstand von eineinhalb Metern, die Bereitstellung von Desinfektionsmittel, die Benutzung getrennte Ein- und Ausgänge.

In einem Anfang der Woche veröffentlichten Informationsschreiben räumte die Gemeinde allerdings ein, es sei in dem Gottesdienst gesungen worden. Auch Nase-Mund-Masken hätten die Besucher nicht getragen. Im Nachhinein betrachtet wäre es "angebracht" gewesen, das zu tun, befand die Gemeinde. Sie äußerte sich "tief bestürzt und traurig" über die Ereignisse.

Schwierige Nachforschungen

Die Gesundheitsämter bemühen sich derzeit, Infektionsketten aufzuspüren. Dies sei aufwendig, weil die Gemeinde keine Adressliste der Gottesdienstbesucher geführt habe, hieß es. Dazu war sie auch nicht verpflichtet.

Wenn der Fall aufgeklärt sei, werde man sich mit der Frage beschäftigen, ob solche Listen in Hessen per Verordnung vorgeschrieben werden, hatte Sozialminister Kai Klose (Grüne) angekündigt. Die evangelische und die katholische Kirche nehmen von sich aus die Adressen auf, die dann für eine bestimmte Zeit aufbewahrt werden.

Warnendes Beispiel

Religiöse Versammlungen sind in Hessen seit dem 1. Mai unter Auflagen wieder erlaubt. Die Stadt Hanau hatte nach Bekanntwerden der Ansteckungen unter den Baptisten eine Gebetsversammlung von Muslimen im Fußballstadion der Stadt kurzfristig abgesagt. Bis zu 1.000 Teilnehmer waren zum Abschluss des Fastenmonats Ramadan erwartet worden.

Sendung: hr-iNFO, 28.05.2020, 18.30 Uhr