Gottesdienst zum Pessachfest

Am Abend beginnt für Juden das siebentägige Pessach-Fest. Viele Gläubige stellt das Kontaktverbot vor enorme Herausforderungen - vor allem für orthodoxe Juden, die an diesen Tagen keine technischen Geräte nutzen dürfen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So feiern Juden Pessach in Zeiten von Corona

Ein Haus mit einem Davidsstern, davor läuft ein Mann mit Mundschutz
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Für Julian-Chaim Soussan ist dieses Jahr alles anders. Normalerweise ist Pessach für Juden wie ihn ein Fest der Gemeinschaft: Nach dem Gang in die Synagoge versammeln sie sich an diesem Mittwochabend, dem ersten Abend des siebentägigen Fests in den Häusern um einen reich gedeckten Tisch, sie essen ungesäuertes Brot und erinnern sich an die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei.

Kühlschrank ja, Videotelefonat nein

Doch der Rabbiner der Frankfurer Jüdischen Gemeinde erklärt: Während viele Juden wegen der Kontaktbeschränkungen den sogenannten Sederabend nur mit ihren direkten Angehörigen feiern, können besonders Ältere oder Alleinstehende oft gar niemanden sehen – noch nicht einmal virtuell: Orthodoxe Juden dürfen an Sabbat und an Feiertagen keine elektrischen Geräte aktiv benutzen. Das schließt auch Videostreams und -telefonate mit ein.

Geräte, die ohnehin laufen, etwa ein Kühlschrank oder ein bereits am Vortag angeschaltetes Licht, die seien in Ordnung, erklärt der Rabbiner. "Aber bei einem Videotelefonat bin ich aktiv beteiligt, es entstehen Schwingungen und elektrische Spannung."

Problematisch sei derzeit für orthodoxe Juden auch, dass sie kein komplettes Gebet durchführen können. Denn dafür brauche es zehn Männer, erklärt der Frankfurter Rabbiner: "Die müssen tatsächlich in einem Raum anwesend sein und sich sehen können – und das können wir virtuell nicht herstellen." Alleine beten, das geht natürlich trotzdem, sagt er.

"Eine Gemeinde, die sich nicht sieht, aber trotzdem verbunden ist"

Auch Thorsten Schmermund will dieses Jahr im ganz kleinen Familienkreis Seder halten – ebenfalls ohne technische Unterstützung. Für den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Marburg ist das Pessachfest gerade deshalb ein Gemeinschaftserlebnis, weil es so gehalten wird, wie schon seit Jahrhunderten: Das stiftet eine Verbindung in die Geschichte hinein, meint er. Aber auch geographisch sei man heute mit Juden auf der ganzen Welt anderen verbunden, erklärt er: "Ich habe dann eine Gemeinde, die ich zwar nicht sehen kann, aber ich weiß, dass die Menschen zur gleichen Zeit die gleichen Dinge tun."

Etwas liberaler sieht es Monika Bunk, die ebenfalls der Jüdischen Gemeinde Marburg angehört. "Es gibt auch Juden, die Pessach per Video zusammenfeiern", sagt sie. "Man sieht sich, prostet sich virtuell zu, jeder sitzt zu Hause, aber man macht das trotzdem zusammen", erklärt sie. Für sie habe die Gemeinschaft hier den höheren Wert, als der elektrische Strom. Dass orthodoxe Juden dieser Auslegung nicht teilen, sei ihr aber klar.

Manche Juden haben heute auch rituelle Speisen vorbereitet und an andere Gläubige verteilt. Die Marburger Monika Bunk und Thorsten Schmermund haben zum Beispiel gemeinsam Bitterkräuter vorbereitet und an 25 Familien verteilt. Auch die Jüdische Gemeinde in Gießen hat im Vorfeld die ungesäuerte Mazza-Brote an Gemeindemitglieder verteilt.

Christen starten Gebetsaktion zu Pessach

Auch für die Christen ist dieses Jahr alles anders: Sie feiern Pessach normalerweise nicht, doch angesichts der aktuellen Krise hat ein breites Bündnis aus christlichen Gruppen mit der überkonfessionellen Aktion "Deutschland betet gemeinsam" dazu aufgerufen, in der Corona-Krise zusammen zu beten.

Am Mittwochnachmittag gab es dazu auch einen Livestream. Aus Hessen unterstützen etwa der Fuldaer Bischof Michael Gerber die Aktion. In der Corona-Epidemie sei wichtig, klare Zeichen der Solidarität und des Miteinanders zu setzen, so Bischof Geber.

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hessen extra im hr-Fernsehen: Corona und der Glaube

Die großen in Hessen vertretenen Religionsgemeinschaften haben zur Zeit das gleiche Problem: Die Gotteshäuser sind geschlossen, alle Veranstaltungen abgesagt. Dabei beginnen ganz wichtige Feste: für die Christen das Osterfest, für Juden das Passahfest und für Muslime steht der Ramadan vor der Tür. Was tun? Jochen Schmidt hat Familien und Religionsvertreter getroffen, in Spangenberg, Kassel, Kirchhain, Marburg, Niederwalgern und Frankfurt. Fazit: Corona schafft Probleme, aber auch kreative Lösungen. Und man rückt zumindest gedanklich zusammen, über Glaubensgrenzen hinweg. Corona als Chance. Ein hessen extra, Donnerstag, 20.15 Uhr im hr-fernsehen, 30 Minuten

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