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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So feiern jüdische Familien und Gemeinden das Lichterfest unter Pandemiebedingungen

Ein Rabbiner steckt eine Kerze auf die Chanukkia

Gottesdienste unter strengen Auflagen, keine großen Familienfeiern: Auch Chanukka, das jüdische Lichterfest, wird in diesem Jahr ganz anders gefeiert. Das Gemeinschaftsgefühl soll trotzdem bleiben.

Der Tisch im Wohnzimmer ist gedeckt, in der Mitte stehen Teller mit Lattkes - also Reibkuchen - mit Apfelmus, eine Etagere voller Suffganiots, ein rundes, mit Konfitüre gefülltes Gebäck, ähnlich wie Kreppel. Außerdem Mandarinen und Frikadellen. "Alles selbst gemacht, außer die Mandarinen", sagt die Frankfurterin Lana Sokolskyi mit einem Lachen.

Sie hat gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter alles vorbereitet für dieses Chanukka-Essen. Auch wenn dieses Jahr - wie fast überall sonst auch - alles anders ist. "Normalerweise wäre der Tisch doppelt so lang - hier haben schon bis zu 40 Personen gesessen", erinnert sich Lanas Vater Akiwa Heller an die Chanukka-Feste der vergangenen Jahre.

Strenge Coronaregeln gelten auch für Chanukka

Dieses Jahr heißt es: Maximal fünf Personen aus zwei Haushalten. Denn das Chanukka-Fest unterliegt den allgemeinen Corona-Beschränkungen: Gottesdienste dürfen, wenn überhaupt, nur unter strengen Hygiene- und Abstandregelungen stattfinden, große Zusammenkünfte in der eigenen Wohnung sind nicht möglich.

Anders als Weihnachten wurde Chanukka in den Beschlüssen von Bund und Ländern nicht erwähnt. Das sei bedauerlich, teilt der Zentralrat der Juden in Deutschland mit, aber auch vernünftig. Es sei richtig, dieses Jahr auf viele Kontakte zu verzichten. Auch wenn gerade die das Chanukka-Fest ausmachten.

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Chanukka - das jüdische Lichterfest

Zu Chanukka gedenken Juden der Befreiung Jerusalems aus der Herrschaft der Griechen und feiern die Wiedereinweihung des dortigen Tempels. Das Fest beginnt immer am 25. Tag des Kislew, des neunten Monats im jüdischen Kalender. Dieser ist an den Mondphasen ausgerichtet, daher variiert das Datum jedes Jahr. Dieses Jahr wird Channuka vom 11. -18. Dezember gefeiert.

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Chanukka wird traditionell mit Familie und vielen Freunden gefeiert. Acht Tage lang werden morgens in der Synagoge Gebete gesprochen und eine bestimmte Stelle aus der Thora vorgelesen. Abends treffen sich die Familien dann Zuhause und entzünden jeden Tag eine neue Kerze an der Chanukkia - dem achtarmigen Leuchter. Dabei werden Gebete und Segenssprüche gesprochen. Auch wenn das dieses Jahr nicht möglich ist, soll das Gemeinschaftsgefühl trotzdem aufrechterhalten werden.

Online-Gebete und Drive-In

Die jüdischen Gemeinden in Hessen sind dafür kreativ geworden: In Bad Homburg gab es ein Chanukka-Drive-In. Während die Familien sicher im Auto saßen, wurden draußen die Kerzen angezündet und Segenssprüche gesprochen. Also genau das, was die Familien im Normalfall Zuhause in geselliger Runde gemacht hätten. In der jüdischen Gemeinde Bad Nauheim in Mittelhessen konnten vereinzelt Gottesdienste angeboten werden.

Aber nur, weil die Gemeinde klein ist, Abstandregelungen können dort gut eingehalten werden. Außerdem werden Online-Gottesdienste aus Berlin angeboten. Aber viele der Gemeindemitglieder hätten kein Internet, sagt der Vorsitzende Manfred de Vries, einige sprächen kein Deutsch. Ihm ist wichtig, dass die Gemeindemitglieder nicht zu sehr eingeschränkt werden. Sie sollen trotzdem Chanukka feiern können - wenn auch anders als sonst.

Die Frankfurter Gemeinde stellt jeden Tag ein Video auf ihrer Webseite und bei Facebook online. In den Videos werden Kerzen entzündet, es wird gesungen oder gebetet, gemeinsam Suffganiots gebacken oder eine Geschichte für die Kinder vorgelesen. "Wir wollen nicht auf das Chanukka-Fest verzichten. Deswegen haben wir ein buntes Programm zusammengestellt", sagt Benjamin Graumann vom Vorstand der jüdischen Gemeinde Frankfurt.

Jeden Tag eine Kerze mehr

Und so haben die Kinder von Lara Sokolskyi wie jedes Jahr die Fenster bemalt mit Chanukkia, Davidstern, Luftballons und Regenbögen. Außerdem steht da in großen bunten Buchstaben: Happy Chanukka. An diesem Abend entzündet die 10-jährige Rebecca die nächste Kerze am Fenster. Sie spricht dabei den Segensspruch. Die Kerzen werden traditionell mit einer etwas größeren Kerze entzündet, der Schamasch, der Dienerkerze.

Am Freitag wird Chanukka für dieses Jahr schon wieder vorbei sein. Und nächstes Jahr? Ist hoffentlich alles wieder etwas normaler, hofft Laras Vater Akiwa Heller: "Ich wünsche mir für die ganze Welt ein Feiern ohne Corona und dass jede Religion ihre Feste mit Freunden und Verwandten feiern kann."

Sendung: hr4, 15.12.2020, 16.30 Uhr