Zimmer in Jugendherberge

Nach der Ankündigung zur Schließung von drei Jugendherbergen wird auch das Ausmaß des finanziellen Verlusts der anderen Häuser klar: Weil Klassenfahrten fehlen, bricht der Umsatz drastisch ein. Ein Ende der Durststrecke ist kaum in Sicht.

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Die Corona-Pandemie hat Hessens Jugendherbergen in die Existenzkrise gestürzt. Wo sonst Dutzende Schüler fröhlich das Zusammensein auf Klassenfahrt genießen oder große Azubi-Gruppen sich zu Seminaren treffen, wird jetzt teils nur eine Handvoll Gäste betreut. "Manche Häuser stehen unter der Woche sogar ganz leer", sagte Knut Stolle, Sprecher des Landesverbandes des Deutschen Jugendherbergswerkes, der Nachrichtenagentur dpa.

Er erwartete für das Jahr 2020 nur noch rund 150.000 Übernachtungen - und drastische Umsatzeinbrüche: von 24 Millionen Euro im vergangenen auf nur noch rund 5 Millionen Euro in diesem Jahr. "Wir werden einen herben Verlust unter dem Strich haben", sagte Stolle.

Kurzarbeit bis ins kommende Jahr hinein

Das trifft auch die 450 bis 500 Mitarbeiter der Häuser in Hessen: Geringfügig Beschäftigte wurden bereits in unbezahlten Urlaub geschickt oder freigestellt, für die übrigen gilt Kurzarbeit bis ins kommende Jahr hinein, wie Stolle sagte.

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Übernachtungen 2019

Rund 620.000 Übernachtungen wurden im vergangenen Jahr in den zum hessischen Jugendherbergsverband zählenden Häusern gebucht, davon 37 Prozent für Schüler auf Klassenfahrt. Weitere 30 Prozent machten die Teilnehmer von Bildungsseminaren aus, darunter Auszubildende großer Unternehmen und Freiwilligendienste.

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Erst Ende August hatte der Landesverband bekanntgegeben, dass drei Jugendherbergen wegen des finanziellen Drucks schließen müssen. Dabei handelt es sich um die Häuser in Gießen und Weilburg in Mittelhessen sowie im südhessischen Zwingenberg.

Fristen für kostenlose Stornierungen verkürzt

Bis mindestens Februar kommenden Jahres könnte die Durststrecke weitergehen, denn bis dahin hat das Kultusministerium Klassenfahrten für die hessischen Schüler verboten. Ihre Hoffnungen setzen die Häuser deshalb aufs zweite Schulhalbjahr von Februar 2021 an, aber auch auf touristische Übernachtungen von Familien und wieder anziehende Buchungen im Seminargeschäft. Wo es entsprechende Nachfragen gebe, öffnen die Häuser. "Wir müssen gucken, dass wir gerade im Gruppengeschäft mitnehmen, was wir kriegen können", sagte Stolle.

Deshalb hätten die Jugendherbergen die Fristen für kostenlose Stornierungen für Schulklassen verkürzt auf 28 und für andere Gruppen auf 14 Tage - und falls Gesundheitsämter oder das Kultusministerium Klassenfahrten wegen Corona-Infektionsfällen untersagen sollten, seien Stornierungen generell kostenfrei.

Neue Zimmer, teils mit eigenem Bad

Auch Zukunftsinvestitionen sollen den Häusern in diesen unsicheren Zeiten helfen, mehr Gäste anzulocken. In diesem Monat sollen die beiden Jugendherbergen Starkenburg in Heppenheim und Burg Breuberg im Odenwald nach einem Umbau wiedereröffnet werden. In der Starkenburg wurden unter anderem neue Zimmer geschaffen, teils auch mit eigenem Bad. Noch mehr als solche qualitativen Aufwertungen mache aber die Lage der Häuser bei den Buchungen aus, sagte Stolle. So seien die beiden Jugendherbergen am Edersee sowie Hessens höchstgelegene Einrichtung auf dem Hoherodskopf im Vogelsberg die beliebtesten Häuser, die auch von Wochenendausflüglern und Wandertouristen gerne genutzt würden.

Die Jugendherberge auf dem Hoherodskopf.

Um die Folgen der Pandemie etwas abzumildern, hoffen die hessischen Jugendherbergen auch auf Soforthilfe-Mittel für Jugendherbergen und soziale Einrichtungen. Derzeit würden die entsprechenden Anträge vorbereitet, sagte Stolle. Sollten weitere Jugendherbergen in Hessen schließen müssen, wäre das aus seiner Sicht auch in pädagogischer Hinsicht ein herber Verlust für das Bundesland. "Wir sind felsenfest der Meinung, dass den Schulen etwas verloren ginge. Einige Aspekte des sozialen Lernens sind so kaum zu ersetzen."

Ministerium: Schulen auf Präsenzunterricht konzentriert

Dass Klassen- und Kursfahrten pädagogisch sinnvoll sind, wird auch beim Kultusministerium gesehen. Es gehe nicht darum, diese dauerhaft auszusetzen, sondern das Verbot sei dem Pandemie-Geschehen geschuldet, sagte ein Ministeriumssprecher. Zunächst aber müssten sich die Schulen auf den Unterricht als ihre Kernaufgabe konzentrieren, nachdem es monatelang keinen oder kaum Präsenzunterricht gegeben habe. "Ob im zweiten Halbjahr Klassen- und Kursfahrten wieder stattfinden können, wird unter dem Eindruck des weiteren Pandemiegeschehens zu entscheiden sein", betonte der Sprecher.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 31.08.2020, 19.30 Uhr