Unklare Geldströme, hohe Gehälter, teure Dienstwagen: Die Arbeiterwohlfahrt Frankfurt verspricht nach zwei Krisensitzungen Aufklärung. Doch Mitarbeiter an der Basis haben daran starke Zweifel. Derweil gab es erste Rücktritte.

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Die Betrugs- und Untreuevorwürfe gegen die Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (AWO) sollen transparent aufgeklärt werden. Das beschlossen das AWO-Präsidium und der Kreisausschuss auf Sondersitzungen am Dienstagabend.

In einer Pressemitteilung heißt es, man wolle die eigenen Entscheidungen jetzt kritisch hinterfragen und gegebenenfalls revidieren. Zum Beispiel sollen die Regeln für Dienstwagen überarbeitet werden. Vorher hatte es massive Kritik gegeben, mehrere AWO-Verantwortliche seien in Luxus-Autos unterwegs. Diese Mitarbeiter kündigten inzwischen an, die entstandenen Kosten freiwillig selbst zu übernehmen.

Vorgezogene Neuwahl des Präsidiums

Konsequenzen hat offenbar auch die Kritik an vergleichsweise hohen Spitzengehältern, wie etwa für die Frau von Oberbürgermeister Feldmann als Kita-Leiterin. Das Präsidium kündigte an, die Gehälter kritisch zu überprüfen.

Man nehme die Vorwürfe sehr ernst und wolle aufklären, auch in Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt und dem AWO-Bundesverband. Das Präsidium soll außerdem früher als geplant neu gewählt werden, nämlich schon im Januar. Ansehen und Vertrauen in die AWO Frankfurt müssten vollständig wiederhergestellt werden, auch wenn das eine riesige Aufgabe sei, erklärte ein Präsidiumsmitglied.

Anhaltende Kritik von der Basis

Im Anschluss an die Sondersitzung des Präsidiums tagte der Kreisausschuss mit knapp 100 Ortsvereinsvorsitzenden und Delegierten aus 34 Ortsvereinen. Dabei wurde hitzig diskutiert und es wurde deutlich, dass die Basis mit der versprochenen Aufklärung alles andere als zufrieden ist. "Es fehlt noch immer die Offenheit und Transparenz", kritisierte Hauke Hummel vom Ortsverband Nied. Die Fragen, die im Raum stehen, könnten einfach beantwortet werden, so seine Einschätzung. "Aber man hat den Eindruck, es wird drumherum geeiert."

Personelle Konsequenzen im Präsidium der AWO zeichnen sich aktuell nicht ab, dafür gibt es fast täglich neue Vorwürfe. So berichteten drei ehemalige AWO-Mitarbeiterinnen am Dienstag von gezieltem Mobbing.

Kassenprüfer treten von Amt zurück

Zwei Ehrenamtliche zogen derweil Konsequenzen: Die Kassenprüfer Ulli Nissen und Martin Völker erklärten am Dienstagabend ihren Rücktritt. "Die Revision ist für uns als Ehrenamtliche nicht mehr in der Tiefe zu leisten", erklärte Nissen. Die SPD-Bundestagsabgeordnete betonte, sie habe das Ehrenamt nur übernommen, weil die eigentliche Wirtschaftsprüfung durch ein externes Unternehmen erfolgte.

Bereits am Montag hatten die SPD-Mitglieder Turgut Yüksel, Stadträtin Elke Sautner und die Stadtverordnete Renate Wolter-Brandecker erklärt, ihre Ämter im Vorstand der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt zumindest ruhen zu lassen.

Sendung: hr-iNFO, 4.12.2019, 6:45 Uhr