Sexueller Missbrauch Pfarrer Sujet
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Der sexuelle Missbrauch in der katholischen Kirche hat auch in hessischen Bistümern stattgefunden. Die Diözesen gaben Zahlen aus der bundesweiten Missbrauchsstudie bekannt und räumten Versäumnisse ein.

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Der Limburger Domkapitular Wolfgang Rösch zeigte sich am Dienstag betroffen. Die Ergebnisse der Missbrauchsstudie tue ihm weh und gehe ihm nahe, sagte der Generalvikar des Bistums Limburg. Die Studie, die die Deutsche Bischofskonferenz zuvor in Fulda veröffentlicht hatte, legte tausende von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche offen.

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Tausende Opfer von sexuellen Übergriffen dokumentiert die neue Missbrauchsstudie der katholischen Kirche. Auch Rolf M. wurde als Kind von einem Pfarrer missbraucht. Noch als erwachsener Mann ringt er mit den Worten für das, was damals passierte.

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Betroffen sind auch die hessischen Bistümer. In der Diözese Limburg sind 85 Opfer bekannt geworden. 60 Prozent davon seien Jungen, teilte das Bistum mit.
Beschuldigt wurden demnach 92 Priester, Diakone, Laien-Kirchenmitarbeiter sowie Ehrenamtliche. Davon gelten 23 als Täter, entweder weil sie Übergriffe eingeräumt haben oder überführt wurden.

Fünf Beschuldigte hätten Übergriffe gestanden, doch diese seien entweder verjährt oder lägen unter der Schwelle der Strafbarkeit. Die Vorwürfe reichen dem Bistum zufolge bis in die 1940er Jahre zurück. Ein großer Teil der Anschuldigungen betreffe die 1960er bis 1980er Jahre.

Rösch: "Schutz der Opfer muss oberste Priorität haben"

Generalvikar Wolfgang Rösch
Der Limburger Generalvikar Wolfgang Rösch Bild © picture-alliance/dpa

"Die Studie zeigt uns, dass wir aus Sorge um das Ansehen der Kirche die Folgen des Missbrauchs und das Leid der Opfer nicht genug wahrgenommen haben", räumte Generalvikar Rösch ein. Dies dürfe sich nicht wiederholen. "Der Schutz der Opfer muss oberste Priorität haben", betonte Rösch.

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Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz hat als Reaktion auf die Missbrauchsstudie Änderungen beim Zölibat angeregt. Zudem forderte er einen anderen Umgang mit Homosexualität und die Aufnahme von Frauen in Kirchenämter.

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Nichts dürfe mehr vertuscht oder verschleiert werden, damit die Kirche nicht noch mehr an Glaubwürdigkeit verliere, sagte der Geistliche. Er forderte eine offene Auseinandersetzung mit Themen wie Klerikalismus, Sexualität und Zölibat.

Bistum Fulda will "Kontrollen der Machtstrukturen" entwickeln

Auch das Bistum Fulda veröffentlichte am Dienstag eigene Zahlen. Demnach gab es dort nach der Durchsicht von 795 Akten Hinweise auf 75 Opfer und 29 Beschuldigte, in der Mehrheit Priester. Von den Opfern waren 49 Jungen und 23 Mädchen, bei drei von ihnen fehlte die Geschlechtsangabe. Das Bistum zeigte 17 der Beschuldigten an. Neun Verfahren wurden eingestellt, sechs rechtskräftig abgeschlossen, eines sei noch anhängig.

Die Verantwortlichen hätten versagt, weil sie "das schwere Unrecht und die tiefen Verletzungen der Kinder und Jugendlichen" nicht ernst genommen hätten, sagte der ständige Vertreter des Fuldaer Diözesanadministrators, Gerhard Stanke. "Da sexueller Missbrauch auch immer mit Machtmissbrauch verbunden ist, sind auch Strukturen der Machtkontrolle zu entwickeln."

Das Bistum selbst ergriff eigene Reglementierungsmaßnahmen. Dazu gehörten die Entlassung aus dem Klerikerstand, Abmahnungen und Therapieverpflichtungen. Einige Beschuldigte wurden auch mit neuen Tätigkeitsfeldern betraut, wie die Diözese mitteilte.

Kohlgraf: "Kein Schutz der Institution"

Im Bistum Mainz, das sich zum Teil über Hessen erstreckt, wurden in den Akten 122 männliche und 47 weibliche Opfer erfasst. Die früheste Tat geht demnach zurück bis ins Jahr 1931, der jüngste Fall stammte von 2010. Den Angaben nach wurden 18 Gerichtsverfahren gegen Priester, Diakone und Laien geführt. Vier Haftstrafen wurden verhängt, es gab drei Freisprüche.

An Opfer seien 275.000 Euro Entschädigung gezahlt worden, zudem habe man 93.000 Euro für Therapiekosten bewilligt. Bischof Peter Kohlgraf betonte, er bedaure das Leid der Opfer zutiefst. In den kommenden Wochen und Monaten wolle er mit ihnen das Gespräch suchen. "Vertuschung und Schutz der Institution darf es nicht geben. Das muss auch im Umgang mit den Tätern deutlich werden."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 25.09.2018, 19.30 Uhr