Frauen in der Kirche

Zehn Jahre nach dem Missbrauchsskandal: Bis Samstag tagt in Frankfurt erstmals der Synodale Weg - ein groß angelegter Reformdialog der katholischen Kirche. Was man zum Synodalen Weg wissen muss.

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hs
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Wer kommt da zusammen?

230 Namen stehen auf der Liste der Delegierten. Dazu gehören alle 69 katholischen deutschen Bischöfe. Hinzu kommen genau so viele Vertreterinnen und Vertreter von katholischen Laienorganisationen wie zum Beispiel Frauen- und Jugendverbände, Caritas, Ordensleute und ehrenamtlich Engagierte. Auch Private wie Fachleute, Berater oder kirchliche Prominente nehmen teil. Eingeladen sind auch zahlreiche Beobachter. Die katholischen Kirchen aus allen Nachbarländern schicken Vertreter, auch die anderen Konfessionen.

Was soll der Synodale Weg erreichen?

Er soll nach der tiefen Krise durch den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche vor allem wieder Vertrauen schaffen. Bischöfe und Laien wollen sich umfassend und über einen Zeitraum von zwei Jahren intensiv mit den wichtigsten Reformfragen beschäftigen, die ja zum Teil seit Jahrzehnten auf der Tagesordnung stehen. Der Synodale Weg soll zeigen, dass sich die katholische Kirche bewegt und in der heutigen Zeit ankommen will.

Um welche Themen geht es?

Vier Themen sollen diskutiert werden: Erstens die priesterliche Lebensform. Da geht es darum, ob Priester in Zukunft unbedingt zölibatär, also ehelos leben müssen. Kann es Ausnahmen geben, dass zum Beispiel bereits verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden oder der Zölibat nur freiwillig ist? Zweitens geht es um Macht und Gewaltenteilung in der Kirche. Wie viel Autorität haben die Kleriker, welche Rolle spielen die Laien? Unter anderen geht es auch darum, ob Entscheidungen eines Bischofs durch kirchliche Verwaltungsgerichte überprüft werden können. Das dritte Thema betrifft die katholische Sexualmoral. Viele Untersuchungen zeigen, dass die kirchliche Sexuallehre für die meisten Katholiken völlig irrelevant ist. Und schließlich geht es um die Rolle von Frauen in der katholischen Kirche. Manche erhoffen sich, dass am Ende auch die Forderung steht, Frauen zu Priesterinnen zu weihen oder wenigstens zu Diakoninnen. Das aber ist ziemlich unwahrscheinlich.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Synodaler Weg: Zentrale Reformfragen kommen auf den Tisch

Sternberg und Marx, 2018
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Warum heißt das Ganze Synodaler Weg?

Das ist eine Notlösung. Die katholischen Bischöfe suchten für den geplanten Reformdialog einen Namen, der eine Verbindlichkeit von Beschlüssen signalisiert. Man will ja nicht nur nett miteinander reden. In der katholischen Kirche können eigentlich nur Konzile etwas entscheiden. Der Papst lädt immer wieder Bischöfe ein zu Synoden, die aber nur beratende Funktion haben. Auch in einzelnen Ländern kann die Kirche eine so genannte "Parikularsynode" abhalten. Aber die sind im katholischen Kirchenrecht streng geregelt, müssen vom Vatikan genehmigt werden und erlauben vor allem keine weitgehende Mitbestimmung von Laien. Deshalb erfanden die Bischöfe den Namen Synodaler Weg. Soll heißen: Es geht vor allem darum, dass Bischöfe und Laien miteinander ins Gespräch kommen. Es kann auch Beschlüsse geben. Aber am Ende entscheidet doch jeder Bischof selbst, ob er diese dann auch in seinem Bistum umsetzt.

Findet der Papst das gut?

Im Prinzip ja. Schon vor Monaten hat der Papst einen Brief an die deutschen Katholiken geschrieben, den manche als Unterstützung des Synodalen Weges lesen. Generell möchte Papst Franziskus den einzelnen Ortskirchen mehr Freiraum geben, auf drängende Fragen eigene Antworten zu finden. Aber der Synodale Weg wird in Rom auch mit Argusaugen beobachtet. Etliche Reformforderungen, etwa die Weihe von Frauen zu Priesterinnen oder Lockerungen beim Zölibat, können die deutschen Katholiken nicht alleine entscheiden. Sie betreffen zentrale Fragen der kirchlichen Lehre und haben Auswirkungen auf die Kirche weltweit. Da achten die vatikanischen Behörden sehr genau darauf, dass der Synodale Weg seine Kompetenzen nicht überschreitet.

Welche Kritik gibt es?

Manche Experten sagen , kirchenrechtlich ist der Synodale Weg ein "Nullum", es gibt ihn eigentlich nicht. Konservativen Katholiken ist der gesamte Reformprozess suspekt. Sie lehnen jegliche Änderungen etwa beim Zölibat oder im Blick auf Frauen als Priesterinnen grundsätzlich ab. Viele befürchten, dass zu weitgehende Reformforderungen die katholische Lehre aufweichen und die Kirche allzu sehr verändern. Statt dessen fordern sie, die Kirche müsse stärker für den Glauben nach der Lehre der Kirche werben. Zu dieser Gruppe gehören auch einige Bischöfe, etwa der Kölner Erzbischof Woelki oder der Regensburger Bischof Voderholzer. Sie machen nur unter Vorbehalt mit und versuchen, allzu weitreichende Reformforderungen mit konservativen Positionen auszubremsen.

Warum ist die Reformgruppe "Maria 2.0" dagegen?

Viele sind skeptisch, dass der Synodale Weg wirklich etwas bewegen kann. Die Versammlung kann zwar Beschlüsse fassen. Dazu ist eine Zweidrittelmehrheit nötig. Aber es darf keine Beschlüsse gegen die Bischöfe geben. Jeder Beschluss muss auch von zwei Dritteln aller Bischöfe unterstützt werden. Da sind viele skeptisch, dass die Bischöfe wirklich eine grundlegende Reform der Kirche wollen. Sie befürchten, dass am Ende nur wachsweiche Formelkompromisse übrig bleiben. Reformgruppen wie die Frauenbewegung Maria 2.0 wollen den Synodalen Weg deshalb lieber von außen begleiten und haben Demonstrationen angekündigt.

Sind die Opfer von sexuellem Missbrauch beteiligt?

Der Synodale Weg ist zwar eine Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Die Themen leiten sich ab aus der unabhängigen Untersuchung durch Experten, die die Deutsche Bischofskonferenz vor einigen Jahren in Auftrag gegeben hatte. Aber eine institutionelle Vertretung von Missbrauchsopfern in der Vollversammlung des Synodalen Weges gibt es nicht. Opferorganisationen wie zum Beispiel der "Eckige Tisch" beobachten die Tagung ebenfalls von außen und haben auch Demonstrationen angekündigt.

Wie geht es mit dem Synodalen Weg weiter?

Zu den Themen des Synodalen Weges werden bei dieser Auftaktversammlung so genannte "Foren" eingerichtet. Das sind paritätisch besetzte Arbeitsgruppen von Bischöfen und Laien. Sie sollen in den kommenden zwei Jahren an den Themen arbeiten und Beschlussvorschläge machen. Diese sollen dann auf drei weiteren Vollversammlungen diskutiert werden. Im Herbst wird das Plenum des Synodalen Weges noch einmal in Frankfurt tagen. Dann noch zwei Mal in 2021. Was dann am Ende bleibt, steht in den Sternen. Sollte es Beschlüsse geben, müssen diese entweder von den einzelnen Bischöfen in Deutschland in ihren Bistümern umgesetzt werden. Oder sie müssten bei weltkirchlich relevanten Fragen als Eingaben nach Rom weitergeleitet werden.

Sendung: hessenschau, hr-fernsehen, 30.01.2020, 19.30 Uhr