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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Corona-Lage auf Intensivstationen entspannt sich

Intensivstation

Die niedrigen Corona-Inzidenzen entlasten die Krankenhäuser. Aktuell liegen auf den Intensivstationen wenige Covid-Patienten. Normalbetrieb herrscht in vielen Kliniken aber noch nicht.

"Hilferuf von den Intensivstationen": Mit drastischen Worten warnten noch vor wenigen Monaten Intensivmedizinerinnen und -mediziner vor einer Überlastung des Gesundheitssystems in der Corona-Pandemie. Mittlerweile hat sich die Lage in den Krankenhäusern in Hessen deutlich entspannt. Das zeigt eine hr-Umfrage unter mehreren großen Kliniken.

Rückgang um 87 Prozent seit Januar

Auf dem Höhepunkt der zweiten Welle meldete das Land Hessen am 5. Januar dieses Jahres 572 Menschen, die auf den Intensivstationen wegen Corona behandelt werden mussten. Aktuell gibt die Hessische Krankenhausgesellschaft (HKG) die Zahl der Corona-Intensiv-Patientinnen und -Patienten mit 74 an (Stand: 12. Juli). Das ist ein Rückgang um rund 87 Prozent.

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Der Anteil der Corona-Fälle ist stark gesunken - trotzdem sind die Intensivstationen zu 85 Prozent ausgelastet. "Wir sind schon wieder relativ in Volllast, was Notfälle und schwere Eingriffe angeht", berichtet Steffen Gramminger, Direktor der HKG.

Der Blick auf ausgewählte Krankenhäuser bestätigt den Abwärtstrend: Mit Stand der Woche vom 5. bis 11. Juli meldete das Klinikum Kassel einen Corona-Patienten auf seiner Intensivstation, ebenso das Klinikum Frankfurt-Höchst. Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg zählte am Standort Gießen elf Corona-Patientinnen und -Patienten auf der Intensivstation, in Marburg keine mehr. Auch im Klinikum Fulda musste in der betreffenden Woche kein Corona-Fall mehr auf der Intensivstation behandelt werden.

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Patienten jünger als zu Beginn der Pandemie

Mehrere Kliniken berichten, dass ein Großteil der derzeitigen Covid-Patientinnen und -Patienten seit mehreren Wochen auf der Intensivstation liege - etwa aufgrund ihres Alters oder weil sie unter mehreren Krankheiten gleichzeitig leiden. Nach Angaben des Klinikums Fulda sind Aufenthalte von mehr als vier Wochen nicht ungewöhnlich.

Steffen Gramminger von der HKG hat beobachtet, dass sich im Verlauf der Pandemie die Verweildauer auf den Intensivstationen verändert habe: "Als es besonders ältere Personengruppen betroffen hat, war die Verweildauer leider kürzer, weil die Mortalitätsrate relativ hoch war."

Mittlerweile seien die Patientinnen und Patienten mit schweren Verläufen etwas jünger. Weil sie im Alter zwischen 60 und 70 Jahren seltener an Covid-19 sterben, verbringen die einzelnen Patientinnen und Patienten laut Gramminger mehr Zeit im Krankenhaus. Langzeit-Corona-Fälle spielen seiner Einschätzung nach aber nur eine untergeordnete Rolle.

Planbare Operationen wieder möglich

Nachdem viele Krankenhäuser während der Pandemie immer wieder planbare Operationen verschieben mussten, hat sich die Lage nun entspannt. Am Klinikum Kassel sind die Wartelisten für Operationen nach eigenen Angaben wieder "im Bereich des Üblichen, also wie auch schon vor der Pandemie".

In Fulda sieht das Klinikum Nachholbedarf bei planbaren Eingriffen - diese würden aber "in den nächsten Wochen schrittweise abgearbeitet". Am Uniklinikum Gießen und Marburg steigen die Operationszahlen wieder, "sind aber noch nicht wieder auf dem Niveau von 2019", wie es hieß.

Laut der Hessischen Krankenhausgesellschaft sorgen die Corona-Einschränkungen weiterhin dafür, dass die Krankenhäuser nicht so viele Eingriffe wie vor der Pandemie durchführen können. "Es werden zum Beispiel keine Dreibettzimmer mehr belegt, damit die Patienten nicht so eng beieinander sind", erklärt Direktor Gramminger: "Es ist alles etwas entzerrt."

Vernünftige Strategie für den Herbst gefordert

Für den Herbst ist Gramminger vorsichtig optimistisch, dass die Krankenhäuser nicht wieder an ihre Belastungsgrenze stoßen: "Die Durchimpfung wird uns deutlich helfen. Aber es kommt auch auf das Verhalten der Gesellschaft an." Wenn nun Corona-Einschränkungen gelockert würden, dürfe man nicht über das Ziel hinausschießen, mahnt der Verbandschef: "Ich glaube, wenn man das mit einer vernünftigen Strategie hinbekommt, wird die Kurve im Herbst hoffentlich nicht mehr so steil ansteigen."

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