Tablet im Unterricht
Tablet im Unterricht Bild © picture-alliance/dpa

Hundert Prozent WLAN-Versorgung in Marburg - null Prozent in Frankfurt: Die Ausstattung hessischer Schulen mit WLAN gleicht einem Flickenteppich. Viele Schulen sind unversorgt, ein Schulleiter scheitert an Vorgaben der Stadt.

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Schulleiter Gerrit Ulmke

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found WLAN an Schulen - Ein riesiger Flickenteppich

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Gerrit Ulmke ist sauer. Der Direktor der Helmholtzschule in Frankfurt, einem Gymnasium im Stadtteil Ostend, möchte nicht länger warten und an seiner Schule in den sechs frisch renovierten naturwissenschaftlichen Räumen WLAN einrichten. An jeder Stuhlreihe gibt es Anschlussdosen, an die man die Router ganz einfach anschließen könnte.

"Das Ganze wäre nicht teuer. Es würde je nach Kostenvoranschlag nur zwischen 3.400 und 4.800 Euro kosten", sagt der Schulleiter. Das würde sogar der Förderverein der Schule übernehmen. Aber die Stadt hat ihm verboten, die Router anzuschaffen. Begründung: Die Schule werde im kommenden Jahr in einem Pilotprojekt der Stadt berücksichtigt, dann würden ohnehin neue Geräte angeschafft.

Drahtloses Internet nur an einem Fünftel der Schulen

Eine nicht repräsentative Umfrage von hr-iNFO unter sechs Städten und Landkreisen in Hessen hat ergeben: Nur an rund einem Fünftel aller Schulen kann im Unterricht mit drahtlosem Internet gearbeitet werden. Im Landkreis Darmstadt-Dieburg etwa hat weniger als jede dritte Schule WLAN zur Verfügung, im Landkreis Fulda nur jede sechste. Frankfurt liegt ganz weit hinten: Bisher hat noch keine einzige Schule im Stadtgebiet WLAN.

Derzeit startet die Stadt ein WLAN-Pilotprojekt. In der ersten Phase sollen zunächst 14 Schulen im Stadtgebiet mit dem Drahtlos-Standard ausgerüstet werden. Die Helmholtzschule ist dann noch nicht dabei. In den kommenden fünf Jahren sollen dann alle weiteren Schulen der Stadt folgen.

Grafik: WLAN an Schulen in hessen an sechs Beispielen
WLAN-Versorgung in drei Landkreisen und Städten in Hessen: Die Beispiele zeigen die ungleiche Verteilung, die sich durch ganz Hessen zieht. Bild © hr

"Jeder macht sein eigenes Ding"

Ganz anders stellt sich die Situation in Marburg dar: Dort haben bereits alle 23 öffentlichen Schulen drahtloses Internet. Der Grund für die ungleiche Verteilung ist strukturell. In Hessen sind für die IT-Ausstattung der Schulen die rund 30 Schulträger zuständig, also die Landkreise, Kommunen und Städte. Und da mache jeder sein eigenes Ding, sagt der Landesvorsitzende vom Verband für Bildung und Erziehung Hessen (VBE), Stefan Wesselmann. "Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass der ärmste Schulträger auch die schlechteste IT-Ausstattung hat, sondern das Ganze hat auch damit zu tun, wie priorisiert wird und wo das Geld hingegeben wird.“

Gewerkschaften kritisieren technische Ausstattung

Der VBE und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen kritisieren zudem die unzureichende technische Infrastruktur an hessischen Schulen. "Nicht nur WLAN, sondern der gesamte IT-Bereich an Schulen ist am Einfachsten zu erklären, wenn man sich einen riesengroßen Flickenteppich vorstellt", sagt Wesselmann. Und dieser habe zudem noch große Lücken. Vor allem die Grundschulen seien häufig unterversorgt. Auch die mangelnde Bandbreite, vor allem im ländlichen Raum, hindere viele Schulen daran, im Unterricht drahtloses Internet nutzen zu können.

Zu langsam und unklare Zuständigkeiten

Im Schwalm-Eder-Kreis beispielsweise hat eine Grundschule nur drei Mbit/s zur Verfügung. "Damit kann man nicht mit mehreren Schülerinnen und Schülern parallel surfen, schon gar nicht drahtlos" sagt ein Sprecher des Kreises. Der Digitalpakt der neuen Bundesregierung fordere mindestens 50 Mbit/s.

Zudem sei es wichtig, die Schulen nicht einfach mit der Technologie alleine zu lassen, sagt der VBE-Vorsitzende Wesselmann. "Viel zu oft wird einmalig in digitale Infrastruktur investiert, aber niemand denkt an die Folgekosten". Software müsse aktualisiert und die Geräte betreut und gewartet werden. Dafür sei dann niemand mehr zuständig. "Das frustriert Lehrer wie Schüler."

Nicht nur daddeln, sondern lernen - Chancen von WLAN für den Unterricht

Die hr-iNFO-Umfrage unter den sechs Städten und Landkreisen hat auch ergeben, dass viele Schulen gerne das drahtlose Internet für den Unterricht nutzen würden. Wichtig sei aber, dass die Technologie sinnvoll genutzt werde, sagt Frankfurts Bildungsdezernentin Sylvia Weber. "Die Schüler sollen nicht nur daddeln und im Internet surfen sondern etwas lernen." Deshalb hätten alle Schulen, die an dem neuen Pilotprojekt der Stadt Frankfurt teilnehmen wollen, ein pädagogisches Konzept vorlegen müssen.

Bewegungsanalyse, Schülerzeitung, Messwerte erfassen

Die Ideen der Schulen reichten von der schnellen, aktuellen Recherche im Internet über das Erstellen einer digitalen Schülerzeitung bis hin zur Bewegungsanalyse im Sportunterricht. "Ein Gymnasium mit Sportschwerpunkt möchte das WLAN in der Sporthalle installiert haben und dort die Schülerinnen und Schüler beim Hochsprung filmen", sagt die Bildungsdezernentin. Die Aufnahmen wolle die Schule dann mit Filmen von professionellen Sportlerinnen und Sportlern aus dem Internet vergleichen.

Auch der Direktor der Helmholtzschule in Frankfurt hat viele Ideen, wie die Schülerinnen und Schüler das drahtlose Internet im Unterricht nutzen könnten - zum Beispiel für die Messwert-Erfassung im Physikunterricht. "Früher haben die Schülerinnen und Schüler mit Millimeterpapier gearbeitet, heute arbeiten sie mit Tablets." Bis das mit WLAN funktioniert, muss sich die Helmholtzschule offenbar noch gedulden.

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WLAN-Symbol auf Smartphonedisplay

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