Touristen in der Frankfurter Altstadt.
Touristen in der Frankfurter Altstadt. Bild © picture-alliance/dpa

Volles Wirtshaus, leerer Dessous-Laden: In der Frankfurter Altstadt zeigt sich allmählich, welche Händler von dem neuen Quartier profitieren und welche nicht. Der Geschäftsführer der DomRömer GmbH wehrt Kritik ab: "Die Läden, die wir in der Altstadt haben, sind Beiwerk."

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zum Video Erster Altstadt-Laden in Frankfurt schließt

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Die Frankfurter Altstadt hat sich international inzwischen einen Namen gemacht. Auf der Immobilienfachmesse MIPIM im französischen Cannes könnte der Wiederaufbau Mitte März sogar einen Preis abräumen. Die Jury nominierte das Altstadt-Projekt für einen Award in der Kategorie Stadterneuerung, zusammen mit drei weiteren Bewerbern aus China, Taiwan und Russland. Das gab die Stadt jüngst nicht ohne Stolz bekannt.

In der Altstadt zeichnet sich derweil fünf Monate nach der feierlichen Eröffnung ab, wer zu den Gewinnern und Verlieren in dem neuen Quartier gehört. Das Wirtshaus am Hühnermarkt ist zum Beispiel gut besucht, wie Geschäftsinhaber Hans-Peter Zarges sagt. Und er hat eine weitere Idee, wie er die Altstadt für die Frankfurter erschließen kann: "Es entsteht bald ein Frankfurter Wasserhäuschen, so wie es das früher an jeder Ecke gab."

Kunden sollen dort alles kaufen können, was sie für den täglichen Bedarf brauchen: Zeitungen, Getränke, Milch, Butter, Lottoscheine oder Zigaretten.

Goldschmiedin beklagt Leerstände

Das Wirtshaus am Hühnermarkt ist derzeit einer der wenigen geöffneten Gastronomiebetriebe in der Altstadt. Das beklagt etwa die Goldschmiedemeisterin Rena Jarosewitsch. Ihr Geschäft läuft gut. Trotzdem meint sie: "Es ist natürlich für ein Quartier generell schwieriger, wenn die Gastronomie nicht da ist und es Leerstände gibt."

Dies zu sehen, sei für sie und andere aktive und sehr rührige Ladenbetreiber nicht so schön, sagt Jarosewitsch. Die Altstadt müsse sich mit Leben füllen, es fehlten zum Beispiel auch Sitzbänke für Passanten.

Dessous-Laden muss wohl schließen

Weniger Glück mit der Kundschaft hat dagegen der Dessous-Laden "Marie Antoinette". Statt sprudelnder Einkünfte hat Besitzerin Bettina Paul in den vergangenen Monaten eine nicht enden wollende Durststrecke hinter sich. Im Schaufenster hängt das Schild "Räumungsverkauf".

"Ich bin sehr niedergeschlagen", sagt Paul. Sie habe inzwischen kein Geld mehr. Dabei hatte sie mit 25 Euro pro Quadratmeter die günstigsten Mietkonditionen von der DomRömer GmbH bekommen. Der Spitzenwert unter den insgesamt 23 Läden in der Altstadt liegt bei 55 Euro pro Quadratmeter.

Der Ausbau kostete Paul 40.000 Euro. Den Grund für ihre drohende Pleite sieht sie allerdings in der fehlenden Kundschaft: Statt echter Frankfurter zieht das Viertel ihrer Meinung nach eher Touristengruppen an. Diese kämen zwar für ein Foto - aber nicht, um Dessous zu kaufen. Außerdem wirft sie der DomRömer GmbH vor, dass die Altstadt mit der Eröffnung im September 2018 noch lange nicht fertig war. "Da waren viele Dixi-Klos und es war alles voll mit Bauwagen", so Paul.

"Altstadt ist in erster Linie kein Einkaufszentrum"

Der Geschäftsführer der DomRömer GmbH, Michael Guntersdorf, will die Vorwürfe nicht gelten lassen. Dass keine Einheimischen in die Altstadt kommen, stimme nicht. "Ich bin ja selbst täglich in der Altstadt und sehe, dass viele Frankfurter dort flanieren."

Und er betont in Gespräch mit der hessenschau: "Grundsätzlich ist die Altstadt ja in erster Linie kein Einkaufszentrum. Die Läden, die wir da haben, sind Beiwerk." Zudem befinde sich die Altstadt immer noch in einer Testphase. Die Saison komme erst noch. "Eine wirkliche Aussage über die Qualität dessen, was hier passiert, gibt es noch nicht", meint Guntersdorf.

Der Geschäftsführer räumt ein, dass in den 35 neuen Häusern noch nicht alle Räumlichkeiten belegt seien. Das soll nachgeholt werden, um die Altstadt attraktiver zu machen. "Zum Beginn der Saison Ende März sind 90 bis 95 Prozent aller Läden in Betrieb", so Guntersdorf.

Ein Gewerbeverein könnte helfen

Auch für Joachim Stoll, den Vorsitzenden des Einzelhandelsverbandes Frankfurt, ist es für eine Bilanz noch zu früh. "Es muss sich im Laufe des Jahres zeigen, welche Besucher von der Altstadt angezogen werden", sagt er. Der Stadtteil müsse sich erst entwickeln. Seiner Ansicht nach könnte ein Gewerbeverein helfen, um mehr Menschen in die Gassen zu ziehen.   

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