Demo-Teilnehmer lassen in Kassel Luftballons steigen.

Rund 10.000 Menschen haben sich zu einer Kundgebung vor dem Kasseler Regierungspräsidium versammelt. Dort gedachten sie des ermordeten Walter Lübcke. Ihre Botschaft: "Bei uns haben Hass und Hetze keinen Platz."

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Etwa 10.000 Menschen haben sich am Donnerstag vor dem Regierungspräsidium in Kassel zu einer Kundgebung gegen Rechtsextremismus getroffen. Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) sagte: "Wir sind nicht der braune Sumpf der Nation. Wir sind friedlich, tolerant und weltoffen. Bei uns haben Hass, Hetze, Terror und Ausgrenzung keinen Platz."

Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) warnte angesichts von Hass und Hetze im Internet: "Aus Worten können Taten werden." Mit Blick auf die Schar der Demonstranten, die Flagge für eine tolerante Gesellschaft zeigten, sagte sie: "Das ist ein ganz starkes Signal. Wir lassen uns unsere Freiheit nicht nehmen."

Blick auf die Bühne bei der Kundgebung vor dem Kasseler Regierungspräsidium.

Anlass zu der von der Stadt und zahlreichen anderen Organisationen und Institutionen organisierten Kundgebung war die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke in der Nacht zum 2. Juni durch einen Rechtsextremisten.

Bischof Hein: Rechtem Treiben zu lange zugeschaut

Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, rief laut einem vorab verbreiteten Redemanuskript dazu auf, gegenüber rechtsradikaler Intoleranz keine Toleranz mehr zu zeigen.

Die Kirchen seien bereit, sich mit allen demokratischen Kräften zu verbünden, die sich für den Rechtsstaat und das freiheitliche Gemeinwesen einsetzten, sagte Bischof Hein. Dem Treiben der rechtsradikalen Szene in Kassel sei viel zu lange zugeschaut worden.

Der katholische Fuldaer Bischof Michael Gerber rief angesichts der Hasstiraden in den sozialen Netzwerken nach dem Tod Lübckes zu einer "Kultur der Wertschätzung" auf. Der CDU-Politiker und langjährige Kasseler Regierungspräsident sei für eine solche Kultur des aufrichtigen Respekts und der unbedingten Achtung voreinander ein bleibendes Vorbild.

Tatwaffe gefunden

Ermittler hatten in der Nacht zum Donnerstag die Tatwaffe entdeckt, mit der Lübcke erschossen wurde. Der mordverdächtige Stephan Ernst gab zu, sie in einem Erddepot auf dem Gelände seines Arbeitgebers vergraben zu haben. Zwei Männer, die ihm die Waffe verschafft haben sollen, wurden festgenommen. Gegen beide beantragte die Generalbundesanwaltschaft am Donnerstag Haftbefehle. Ihnen wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 27.06.2019, 16.45 Uhr