Ein pinkfarbener Aufkleber mit der gelbern Aufschrift "2G" ist an einer Eingangstür zu sehen.

Nun gilt die 2G-Option auch für den Einzelhandel: Geschäfte dürfen Ungeimpften den Zutritt verweigern, dafür entfällt die Maskenpflicht. Die Mehrheit will diese Möglichkeit nicht nutzen, für manch ein Fachgeschäft ist sie dagegen interessant, wie eine Umfrage zeigt.

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Audioseite Auch Geschäfte dürfen die 2G-Regelung einführen

Ein Hinweis zum Einlass nach den 2G-Regeln (Geimpft, Genesen) ist am Eingang einer Bar auf der Großen Freiheit an der Reeperbahn zu sehen
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Wer den Grillfachhandel Grillfürst in Gründau (Main-Kinzig) betritt, fühlt sich in eine gar nicht allzu ferne Vergangenheit versetzt: Weder die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch die Kundschaft tragen Maske. Es gibt keine Markierungen auf dem Boden oder Hinweisschilder, die auf die Abstandsregeln verweisen. Denn: Hier gilt das alles nicht mehr.

Geschäftsführer Joachim Weber setzt auf 2G. Zutritt zu seinem Geschäft haben nur nachweislich Geimpfte und Genesene. Und das nicht erst, seitdem das Corona-Kabinett diese Option in der neuen Verordnung auf den hessischen Einzelhandel ausgeweitet hat. Weber ist vielmehr der Grund für diesen neuen Beschluss.

Weil die Corona-Schutzverordnung des Landes 2G im Einzelhandel bisher nicht vorsah, klagte er und bekam Ende September vor dem Frankfurter Verwaltungsgericht Recht. Mit der Einführung der 2G-Option für den Einzelhandel sei dieses Urteil nun umgesetzt worden, teilte das hessische Wirtschaftsministerium auf Nachfrage mit.

"Normalität geht nur mit 2G"

Darauf sei er stolz, sagt Weber. Er vermutet: Ohne diesen Antrag hätte die Politik nicht reagiert. Er wolle seinen geimpften und genesenen Kundinnen und Kunden aber ein Stück Normalität ermöglichen. "Das geht nur mit 2G", ist er überzeugt.

Joachim Weber, Geschäftsführer der «Grillfürst» GmbH, einer der größten Grillfachhändler in Deutschland, steht in der Zentrale des Unternehmens.

Die Reaktionen auf die Entscheidung, sein Geschäft in Gründau - und nach dem Inkrafttreten der neuen Verordnung nun auch die beiden anderen hessischen Filialen - nach dem 2G-Prinzip zu öffnen, seien größtenteils positiv gewesen. "Unsere Kunden haben ein Lächeln auf dem Gesicht, wenn sie zu uns kommen", so Weber.

Es habe aber auch "viele schreckliche Reaktionen" im Internet gegeben - überwiegend von Menschen, die gar nicht Kunde seines Grillfachhandels seien. Abschrecken lässt sich Geschäftsführer Weber davon nicht. "Alles andere ist unfair für die Geimpften und Genesenen", findet er. Für seine Filiale in Nordrhein-Westfalen will er ebenfalls die 2G-Option vor Gericht erwirken.

hessenschau.de-Umfrage zeigt: Mehrheit will für alle öffnen

Die Landesregierung geht davon aus, dass der hessische Einzelhandel die 2G-Option höchstens tageweise nutzen wird und Geschäfte des alltäglichen Bedarfs wie Supermärkte davon keinen Gebrauch machen werden.

Eine stichprobenartige Umfrage von hessenschau.de bestätigt das: Anders als Grillfürst-Geschäftsführer Weber will die Mehrheit der befragten Einzelhändler die 2G-Option aktuell nicht nutzen - egal, ob inhabergeführte Läden oder Handelsketten. Eine Auswahl:

  • Die Buchhandelskette Thalia und die Drogeriekette dm etwa gaben auf Nachfrage an, als Geschäft des täglichen Bedarfs weiterhin allen Kundinnen und Kunden Zugang ermöglichen zu wollen - unter Einhaltung der gesetzlich geltenden Abstands- und Hygieneregeln.
  • Optiker Fielmann teilte mit, als systemrelevanter Versorger sei es seine Aufgabe, "auch in schwierigen Zeiten jedem Menschen eine Versorgung mit Hörsystemen und Brillen zu ermöglichen". Die 2G-Option werde man deshalb nicht einführen.
  • Auch die Drogeriemarktkette Rossmann sieht in seinen hessischen Filialen von der 2G-Regelung ab. Man spreche sich als Unternehmen zwar ausdrücklich für das Impfen aus, hieß es gegenüber hessenschau.de. Man werde aber keine Kunden ausschließen.
  • Mehrere Unternehmen, darunter Ikea, Douglas, Peek und Cloppenburg (Düsseldorf) und Apollo Optik verweisen auf ihre seit Beginn der Pandemie etablierten Sicherheits- und Hygienekonzepte. Daran wolle man festhalten.
  • Auf Anfrage der dpa gaben außerdem die Supermarktketten Tegut und Edeka bekannt, ihre Filialen stünden "weiterhin für alle Kundinnen und Kunden offen".

Handelsverband: Individuelle Entscheidung der Einzelhändler

Der hessische Handelsverband begrüßt derweil die 2G-Option für Veranstaltungen im Handel. Das war bereits durch die vorherige Corona-Schutzverordnung möglich. Die Entscheidung, 2G auch im regulären Geschäft umzusetzen, sei allerdings die individuelle unternehmerische Entscheidung jedes einzelnen Händlers und jeder einzelnen Händlerin.

Nach einer Blitz-Umfrage unter seinen 7.200 Mitgliedern zeige sich bereits, dass 2G für vier von fünf Handelsbetrieben keine Option sei. Sie würden den täglichen Zugang wie gewohnt umsetzen wollen, so der Verband. Handelsunternehmen mit beratungsintensiven Sortimenten, etwa Brautmoden- und Fotofachgeschäfte, Optiker oder Händler im Home-and-Living-Bereich könnten sich die Umsetzung einer 2G-Zugangsregel dagegen durchaus vorstellen.

Weber will für Normalität werben

Grillfürst-Geschäftsführer Joachim Weber gibt zu: "Es kommt natürlich immer darauf an, was für ein Geschäft ich habe." Für einen Fachhandel wie sein Grillgeschäft würden andere Voraussetzungen gelten als für einen Supermarkt.

Dennoch möchte er seine Einzelhandels-Kolleginnen und -Kollegen bestärken, von der Option Gebrauch zu machen. "Man verzichtet vielleicht auf zehn Prozent der Kunden, dafür bekommen die anderen 90 Prozent ihre verdiente Normalität." Weber glaubt: Nach dem "ersten Schreck" werde 2G zur Selbstverständlichkeit, bis die Herdenimmunität in Deutschland erreicht ist. In der Gastronomie und bei Sportveranstaltungen sei das schließlich auch schon so.

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