Selina Hortsch steht vor einigen Holzkreuzen in ihrem Ausbildungsbetrieb
Selina Hortsch lässt sich zur Bestatterin ausbilden. Bild © hr

Tod, Trauer, Beerdigung: Das sind Themen, mit denen die meisten jungen Menschen nicht viel zu tun haben. Aber auch der Beruf des Bestatters will gelernt sein. Eine 19-Jährige aus Großen-Buseck berichtet von ihrem Beruf und wie sie dazu kam.

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Babysarg in Form einer Wiege

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found 19-Jährige lässt sich zur Bestatterin ausbilden

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Ihre Freunde sind Arzthelferin oder Bürokaufmann, also "die normalen Berufe, die man in dem Alter lernt", sagt die 19 Jahre alte Selina Hortsch und lacht. Sie macht gerade ihre Ausbildung zur Bestattungsfachkraft und kommt ins dritte Lehrjahr. Ihre Freunde waren erst mal geschockt, heute fragen sie Selina aus.

"Werde doch Bestatterin"

Selina Hortsch sitzt im Besprechungszimmer von Häuser Bestattungen in Pohlheim - ihrem Ausbilungsbetrieb. Hinter ihr ein Regal mit 17 Urnen in allen Formen und Farben, auch ein Babysarg in Form einer Wiege steht auf dem Boden.

Wie kommt eine junge Frau dazu, Bestatterin zu werden? Sie habe nach der mittleren Reife ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Alten- und Pflegeheim gemacht, berichtet Hortsch. Als eine der Bewohnerinnen verstarb, habe sie aus Neugier geholfen, die Verstorbene fertig zu machen, zu waschen und anzuziehen. Ihr Vater habe damals aus Spaß zu ihr gesagt: "Werde doch Bestatterin." Gesagt, getan.

Schwierige Suche nach Nachwuchs

Häuser Bestattungen in Pohlheim bei Gießen gibt es seit fast 150 Jahren. Selina Hortschs Chef Daniel Häuser führt das Unternehmen in der sechsten Generation. Nachwuchs zu finden sei schwer. "Der Job an sich ist vorurteilsbehaftet. Jeder der sagt, ich arbeite jetzt als Bestatter, den gucken die meisten schräg an und fragen, hast Du irgendwie Selbstmordgedanken oder geht’s Dir nicht gut?"

Bevor die 19-Jährige als Auszubildende kam, hatte Häuser bereits zwei Jahre lang erfolglos gesucht. Die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft gibt es seit 2006. Nur eine Berufsschule in Bad Kissingen in Bayern bildet aus. Die Auszubildende aus Großen-Buseck (Gießen) ist dann blockweise für zwei bis drei Wochen dort, dann wieder fünf bis sechs Wochen im Betrieb in Hessen.

Viel über das Erlebte sprechen

Die beiden Fragen, die Hortsch nach eigener Auskunft am häufigsten gestellt bekommt, sind, "Was ist das Schlimmste, das Du in deinem Job gesehen hast?" und "Wie kommst Du damit klar?". Die erste Frage beantworte sie meist nur vage, als Bestatterin habe sie eine Schweigepflicht. Meist würden sich die Leute dann selbst Szenen im Kopf zurecht spinnen.

Am Anfang habe sie viel mit ihren Eltern geredet, um alles zu verarbeiten, heute brauche sie das nicht mehr. "Ich muss ehrlich gestehen, ich hatte von Anfang an nicht so krasse Probleme damit."

Trauergespräche machen Spaß

Der Job als Bestatterin ist vielfältig. Trauergespräche führen, Trauerfeiern organisieren, Verstorbene abholen und abmelden, Särge zusammenbauen und beschlagen, Tote waschen, anziehen und für den letzten Weg herrichten.

"Die Trauergespräche machen mir am meisten Spaß, weil ich die Kommunikation mit den Menschen einfach sehr gerne habe." Jeder Mensch trauere unterschiedlich und dabei würden viele von ihrem bewegten Leben erzählen.

Große Bandbreite: Waldbestattung oder Diamant?

"Die Bandbreite in der Bestattungsbranche ist heute riesig", sagt Chef Daniel Häuser. Waldbestattungen, selbst gestaltete Urnen aus dem 3D-Drucker oder Verstorbene, die ihre Überreste in einen Diamanten pressen lassen.

Hierfür werde ein kleiner Teil der Asche genommen und unter hohem Druck gepresst - so entstehe aus Kohlenstoffverbindungen ein Diamant, wie bei seinem Schwiegervater. "Er war Physiker und für ihn war klar, dass er ein Diamant werden wollte, weil er immer gesagt hat, "ein Diamant ist die stabilste Verbindung“.

Leichter Tod, schwerer Tod

Der Tod ist meistens traurig und trotzdem gebe es Fälle, in denen es einem leichter falle und andere, bei denen es schwerer sei, sagt die Auszubildende. Besonders schlimm sei es, wenn Kinder oder Babys beerdigt werden müssten.

"Das sind manchmal sehr schlimme Momente, wo man sich so denkt, wenn man selbst in der Situation wäre, wie würdest du dich da fühlen?" In solchen Momenten kämen dann auch mal Tränen. "Natürlich soll man nicht total in Tränen ausbrechen, aber es ist einfach nur menschlich, wenn in so Momenten auch mal eine Träne über die Wange läuft und man auch mal traurig sein kann."