Gedenkveranstaltung für NSU-Opfer in Kassel
Porträts der NSU-Opfer auf einer Gedenkveranstaltung für Halit Yozgat 2014 in in Kassel. Bild © picture-alliance/dpa

Zu seinem Todestag wird am Wochenende auf verschiedene Weise an das Kasseler NSU-Opfer Halit Yozgat erinnert. Ein gemeinsames Gedenken ist kaum möglich: Zu groß ist die Angst, eine Seite könne es instrumentalisieren.

Gedenkveranstaltungen, Kranzniederlegung, Demonstration: So vielfältig wie am kommenden Wochenende wurde in Kassel bislang noch nicht an das NSU-Opfer Halit Yozgat erinnert. Aus der Gedenkfeier am Todestag (6. April) ist ein Gedenkwochenende geworden. Einig sind sich Aktivisten, Linke, die Familie des Opfers und die Stadt Kassel nur in einem: Der Tod Yozgats solle nicht politisch instrumentalisiert werden. Tatsächlich ist das Gedenken längst ein Politikum.

2006 war Yozgat in seinem Internetcafé in Kassel mutmaßlich vom Nationalsozialistischen Untergrund NSU getötet worden. An die Tat wurde jahrelang mit einer Veranstaltung auf dem nach Yozgat benannten Halitplatz erinnert. Das Gedenken führte unterschiedlichste Parteien zusammen: die linksorientierte Initiative "6. April", die sich für die Aufklärung der NSU-Morde einsetzt; die Familie des türkischstämmigen Opfers, die Vertreter der konservativen türkischen Regierung zum Gedenken einlädt; die Stadt Kassel, die die Sicherheit im Auge hat.

Demo für weitere Aufklärung der NSU-Morde

Doch mit der Einheit war im vergangenen Jahr Schluss. Da sagte Kassel wegen Sicherheitsbedenken die Gedenkveranstaltung ab, an Yozgat erinnert wurde trotzdem. Nun geht jeder seinen Weg: Am Freitag wird es eine Gedenkveranstaltung der Familie am Halitplatz geben. Dazu sei auch der türkische Generalkonsul aus Frankfurt, Burak Kararti, eingeladen, erklärte Kassels Ausländerbeirat Kamil Saygin, der Kontakt zur Familie Yozgat hat.

Videobeitrag
hs

Video

zum Video Yozgat-Gedenktag 2018 trotz Absage der Stadt

Ende des Videobeitrags

Am Samstag haben Kassels Linke die Demo "Solidarität statt Schlussstrich" für die weitere Aufklärung der NSU-Morde und gegen Rassismus angemeldet. Dabei sein wird die Initiative "6. April", die auf eine zunächst geplante eigene Kundgebung verzichtet. Am Sonntag veranstaltet die Stadt erst eine Kranzniederlegung, dann findet im Rathaus die Auftaktveranstaltung zur Vergabe eines neuen Preises gegen Rassismus, Extremismus, politisch motivierte Gewalt und Antisemitismus statt. Auf diesem Weg will Kassel an Yozgat erinnern.

Button mit der Aufschrift "Halit war mein Bruder"
Ein Demonstrant trägt 2017 einen "Halit war mein Bruder"-Button. Bild © picture-alliance/dpa

"Missverständnis zwischen Stadt und Familie"

Ein gemeinsames Gedenken ist kaum möglich: Im Hintergrund stehen verschiedene Interessen, politische Ansichten und die Angst, eine Seite könne das Gedenken instrumentalisieren. Alle Beteiligten geben sich wortkarg: "Der Oberbürgermeister respektiert die Wünsche der Familie", erklärte ein Sprecher der Stadt Kassel und verweist darauf, dass OB Christian Geselle (SPD) am Freitag am Gedenken der Familie teilnehmen wolle. Ausländerbeirat Saygin spricht von einem "Missverständnis zwischen Stadt und Familie". Zur geplanten Demo sagt er, dass die Familie eine Politisierung ablehne.

Kassels Linke wiederum hätte lieber ein gemeinsames Gedenken: "Wir treten dafür ein, dass auf dem Halitplatz die Familie Yozgat zusammen mit der Stadt Kassel und der Stadtgesellschaft der Opfer des NSU gedenkt." Ähnlich äußert sich die Initiative "6. April".

Polizei hat keine Sicherheitsbedenken

Ob es bei der Abfolge der Veranstaltungen bleibt, ist laut Polizei noch unklar. Es seien "noch andere Varianten denkbar", erklärte ein Sprecher. Sicherheitsbedenken hat die Polizei dagegen nicht. Im vergangenen Jahr war noch befürchtet worden, die Einladung des türkischen Generalkonsuls als Vertreter der Erdogan-Regierung könne antitürkische Proteste auslösen.