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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Keine Krawalle, aber Proteste gegen Racial Profiling am Opernplatz

Oberbürgermeister Peter Feldmann umringt von Demonstierenden auf dem Opernplatz

Eine Woche nach den Ausschreitungen in Frankfurt ist die Räumung des Opernplatzes auch in der Nacht auf Sonntag friedlich verlaufen. Demonstrierende forderten Oberbürgermeister Feldmann zur Abschaffung des "Racial Profilings" auf.

Nach Auseinandersetzungen am vergangenen Wochenende ist es am Frankfurter Opernplatz in der Nacht zum Sonntag erneut ruhig geblieben. Es war deutlich weniger los als in den Vorwochen. Nur etwa rund 400 Menschen haben sich auf dem Opernplatz getroffen, während es an den Wochenenden zuvor mehrere Tausend waren.

"Wir sind sehr zufrieden mit diesem Wochenende", sagte Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Stadt- und Landespolizei hätten - wie angekündigt - mit zahlreichen Personenkontrollen und Präsenz im gesamten Stadtgebiet dafür gesorgt, "dass wir wieder ein friedliches Wochenende in Frankfurt hatten".

Insgesamt wurden laut Polizei am Wochenende rund 10.000 Menschen an den verschiedenen Party-Hotspots im Stadtgebiet gezählt. Knapp 2.000 von ihnen seien kontrolliert, gegen 375 Platzverweise ausgesprochen und 23 vorübergehend festgenommen worden, hieß es laut Mitteilung vom Sonntag. Sieben Personen seien wegen unterschiedlicher Delikte in Gewahrsam gekommen.

Kritik an vermehrtem "Racial Profiling"

Das Verhalten der Beamten sorgte auch für Kritik. Bei einer spontanen Demonstration und in den sozialen Netzen wurde hervorgehoben, dass Migranten seit Freitag vermehrt von der Polizei angehalten und kontrolliert worden seien. Rund 150 Demonstranten protestierten bei einer Spontandemo, die am Opernplatz endete. Neben "Racial Profiling", dem gezielten Kontrollieren von Menschen mit Migrationshintergrund, thematisierten sie Rassismus bei der Polizei.

"Überall in Frankfurt werden migrantische Menschen auf der Straße schikaniert, durchsucht, gewaltvoll behandelt – warum?", sagte eine Rednerin.

Feldmann wird ausgebuht

Die Demonstranten forderten den anwesenden Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zu Gesprächen auf. Er hatte sich am späten Samstagabend auf dem Opernplatz ein Bild der Lage machen wollen und gab anwesenden Medienvertretern Interviews. Die Demonstranten verlangten politische Konsequenzen, unter anderem den Rücktritt von Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill und das Ende von Racial Profiling.

Feldmann erklärte in einer fast 40-minütigen Diskussion mit den Demonstranten, es gebe in dieser Stadt keinen Platz für Rassismus. Seine Worte wurden unter anderen von "Nazis raus!"- oder "Das Problem heißt Racial Profiling"-Rufen übertönt. Ihm wurde das Mikrofon weggenommen und sogar der Ton abgedreht.

Polizei: keine Zwischenfälle

"Ich finde die Forderungen ernstzunehmend. Ich nehme auch die Betroffenheit ernst. Ich glaube aber, dass die Situation, zwischen Mitternacht und 1 Uhr in eine politische Diskussion einzusteigen, ein bisschen ungünstig ist", sagte Feldmann.

Nachdem Feldmann einen Gesprächstermin in Aussicht gestellt hatte und gegangen war, forderte die Polizei die Menschen per Lautsprecherdurchsagen zum Gehen auf. Um kurz vor 1 Uhr war der Opernplatz komplett leer. Nach Angaben der Polizei kam es nicht zu Zwischenfällen. Bereits bei der ersten Räumungsaktion am Freitagabend war es friedlich geblieben. Die Sicherheitsmaßnahmen sollen laut Stadt bis September gelten. Mindestens am kommenden Wochenende will Oberbürgermeister Feldmann wieder vor Ort sein.

Sendung: hr-iNFO, 26.07.2020, 6.00 Uhr