FES-Mitarbeiter Klaus Müller beim Beladen

Keine Schutzmasken, geklautes Desinfektionsmittel, geschlossene Duschen: Der Frankfurter Entsorgungsbetrieb FES reagiert auf Kritik seiner Müllmänner - aber nur teilweise.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Corona: FES-Mitarbeiter sorgen sich um ihre Sicherheit

Müllabfuhr FES
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Mitarbeiter des Frankfurter Entsorgungsbetriebs FES fühlen sich zu wenig vor Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt. Das haben mehrere Müllmänner dem hr bestätigt. Die FES reagiert darauf mit einer Reihe von Schutzmaßnahmen.

Sicherheitsabstände können nicht eingehalten werden

Im Gespräch mit dem hr bemängelten Müllmänner folgende Punkte:

  • In den Mülltonnen fliege infektiöses Material lose herum, etwa gebrauchte Taschentücher.
  • Der Arbeitgeber stelle keinen Mund-Nasen-Schutz.
  • Bereitgestelltes Desinfektionsmittel werde oft entwendet.
  • Die Müllmänner könnten derzeit Duschräume und Umkleiden nicht nutzen.

Die FES bestätigte auf Nachfrage alle Punkte und erklärte ihre Infektionsschutz-Strategie. Wichtigster Punkt: Ab dieser Woche sollen die Müllautos alle drei Tage innen desinfiziert werden. In den Fahrerkabinen sitzen laut FES bis zu vier Mitarbeiter auf engem Raum zusammen. Die eigentlich vorgegebenen Sicherheitsabstände könnten nicht eingehalten werden.

Außerdem will die FES an die Bürger appellieren, Müll nur in verschlossenen Säcken zu entsorgen. Das gelte zwar eigentlich immer, müsse aber einigen wohl erneut in Erinnerung gerufen werden. Damit sollen den Müllmännern keine benutzten Taschentücher mehr lose entgegen flattern.

Im Netz bittet die FES um selbst genähte Masken

Obwohl die Müllmänner in ihrem Auto dicht auf dicht sitzen, verzichtet das Unternehmen darauf, den Mitarbeitern Mund-Nasen-Schutzmasken zu geben. Das geschehe ganz bewusst, sagt ein FES-Sprecher. Erstens wolle man Ärzten und Pflegekräften dieses knappe Gut nicht wegnehmen. Zweitens schützten solche Masken nicht zuverlässig vor Ansteckung. Und drittens seien sie für die harte Arbeit auf dem Müllwagen kaum geeignet - etwa, wenn sie mit schmutzigen Handschuhen zurechtgerückt werden müssten.

Das steht allerdings im Widerspruch zur FES-Internetseite. Dort ruft das Unternehmen Bürger dazu auf, solche Masken zu nähen. Und zwar für all jene, "die täglich in der der sogenannten kritischen Infrastruktur arbeiten, damit die Versorgung der Bevölkerung und die Reinigung der Stadt Frankfurt am Main aufrecht erhalten bleiben kann". Also auch für Müllmänner.

Desinfektionsmittel stellt die FES dagegen in Spendern bereit. Mitarbeiter schildern allerdings, Desinfektionsmittel werde immer wieder entwendet und sei deshalb oft nicht verfügbar. Das Unternehmen erklärt dazu: Man fülle die Bestände immer wieder nach und werde "überführte Entwender für unkollegiales, unsolidarisches Verhalten arbeitsrechtlich sanktionieren".

Verdreckt nach Hause

Den größten Unmut löst bei den Müllmännern aber wohl die Maßnahme aus, die Kantine, die Duschräume und die Umkleiden zu schließen. Die Müllmänner müssen somit ungeduscht in ihren orangefarbenen Overalls nach Hause, die nach einem Acht-Stunden-Tag oft verschmutzt sind.

Das Unternehmen spricht selbst von einer "harten Maßnahme". Sie sei aber nötig. Nicht alle Mitarbeiter hätten sich in Duschen und Umkleiden an die derzeit geltenden Abstandsregeln gehalten. Die FES gewichte den Infektionsschutz "höher als allgemeine Hygienebedenken".

Weitere Informationen

Müllentsorgung in Corona-Zeiten

Haushalte in Corona-Quarantäne sollten nur gut verpackten Abfall in die Mülltonnen geben. Darauf wies das Bundesumweltministerium hin. Privathaushalte mit einem Infizierten oder einem Verdachtsfall sollen ihren kompletten Abfall und vor allem benutzte Taschentücher und ähnliches in möglichst reißfeste Säcke verpacken und zubinden.
Diese Haushalte sind vorübergehend von der Pflicht zur Abfalltrennung befreit. Sie sollen auch Altpapier, Biomüll und Verpackungen über den Hausmüll entsorgen. Es handle sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme zum besseren Schutz von Mitarbeitern der Abfallentsorger, Hausmeistern und Nachbarn, betonte das Ministerium.

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Sendung: hr-iNFO, 05.04.2020, 11 Uhr