2 Frauen auf der Rolltreppe, daneben ein Weihachtsbaum

Der stationäre Handel in Hessen sorgt sich wegen strenger Corona-Regeln um das Weihnachtsgeschäft. Die Forderung nach verkaufsoffenen Adventssonntagen lehnt das Land ab, verweist aber auf andere zusätzliche Öffnungsmöglichkeiten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bouffier und Al-Wazir verteidigen neue Corona-Beschlüsse

Foto der Frankfurter Fußgängerzone. Im Vordergrund ein Schild mit einem Maskengebot und im Hintergund unscharf Menschen und Polizisten.
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Am Wochenende beginnt für den Einzelhandel üblicherweise die umsatzstärkste Zeit des Jahres: der Endspurt im Weihnachtsgeschäft. Das erste Adventswochenende steht vor der Tür, Geschenkideen werden konkreter. Doch die Erwartungen bei den stationären Händlern in den Städten sind getrübt.

In Fußgängerzonen, Einkaufszentren und manchen Innenstädten besteht wegen den anhaltend hohen Corona-Zahlen Maskenpflicht, die Auflagen für den Einzelhandel wurden von Bund und Ländern am Mittwochabend noch einmal verschärft.

Ein Drittel weniger Umsatz

"Viele hoffen auf ein halbwegs normales Alltagsgeschäft, das eigentlich nichts mehr mit dem üblichen Weihnachtsumsatz zu tun hat", berichtet Hanns-Peter Laux von der Industrie- und Handelskammer Frankfurt. Sie ist beim Hessischen Industrie- und Handelskammertag für den Handel zuständig.

Ein genereller Umsatzaufschwung zu Weihnachten wie in den Vorjahren zuvor sei nicht zu erwarten. Einen ersten Ausblick auf das Weihnachtsgeschäft zeigt eine aktuelle Umfrage des Handelsverbands Deutschland unter 580 Händlern: Auch in der dritten Novemberwoche hat der innerstädtische Einzelhandel im Vergleich zum Vorjahr knapp ein Drittel seines Umsatzes verloren.

Mit Preissenkungen gegen die Online-Konkurrenz

Grundsätzlich herrsche nun schon lange eine zurückhaltende Kauflaune - zum Beispiel aus Angst, sich beim Shoppingbummel anzustecken, wie Laux erklärt. Zudem führten krisenbedingte Umstände wie Kurzarbeitergeld dazu, dass Menschen mit einem geringeren Einkommen auskommen müssten - und weniger Geld ausgeben. Innerhalb Hessens zeigten sich die Folgen für den Einzelhandel bislang besonders stark in Frankfurt: Hier fehlten zudem wichtige Käuferschichten wie Arbeitspendler, Stadt- sowie Eventtouristen.

Viele Einkäufe verlagerten sich generell zudem ins Internet - dies sei auch im Weihnachtsgeschäft zu erwarten. Allein im September stiegen dort in Hessen die Umsätze im Vergleich zu 2019 um 20,2 Prozent an, wie das Statistische Landesamt mitteilte. Bevorstehende Schnäppchentage wie der "Black Friday" und der darauf folgende "Cyber Monday" kurbelten diese Tendenz weiter an.

"Das wird den Effekt haben, dass der Handel vor Weihnachten vor gefüllten Lagern und vollen Regalen sitzt und sie sich Gedanken machen muss, wie die Waren dann doch noch verkauft werden kann", sagt Laux. Der stationäre Handel werde vermutlich gezwungen sein, die Preise als Anreiz deutlich zu reduzieren, je näher die Feiertage rückten.

Zwei verkaufsoffene Adventssonntage gefordert

Um das teils für viele Händler überlebenswichtige Geschäft um Weihnachten zu stabilisieren und die Angst vor langen Warteschlangen in der Bevölkerung vor den Geschäften zu nehmen, fordern die hessischen Industrie- und Handelskammern zwei verkaufsoffene Sonntage in der Adventszeit.

Die Beschränkung der Kundenzahl auf eine bestimmte Quadrameterfläche führe dazu, dass die Händler mehr Zeit benötigten, teilte in der vergangenen Woche der Hessische Industrie- und Handelskammerstag mit. Kleinere Geschäfte dürfen pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche einen Kunden einlassen, ab einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern ist nach den neuen Bund-Länder-Beschlüssen künftig ein Kunde auf 20 Quadratmetern erlaubt.

Die FDP im Landtag unterstützt die Sonntagsforderung der Händler. "In der aktuellen Notsituation halten wir es für angebracht, dass die Landesregierung zumindest prüft, ob die Öffnung an zwei Sonntagen im Rahmen der Corona-Verordnung ermöglicht werden kann", sagte Stefan Naas (FDP), wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion.

Land lehnt Forderung nach Sonntagsöffnung ab

Doch die schwarz-grüne Landesregierung lehnt die Forderung ab. Die Öffnung der Läden an Adventssonntagen lasse sich über die hessische Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung nicht rechtssicher umsetzen, teilte die Staatskanzlei am Mittwoch auf hr-Anfrage mit. Im Frühjahr hatte die Landesregierung auf diesem Weg die Sonntagsöffnungen bis in den August möglich gemacht.

Sie verwies nun auf Nordrhein-Westfalen. Dort hatte am Dienstag das zuständige Oberverwaltungsgericht in Münster die in der Coronaschutzverordnung landesweit zugelassenen Sonntagsöffnungen an allen Adventsonntagen sowie am Sonntag nach Neujahr für rechtswidrig erklärt. Die Richter hatten in ihrem Urteil "erhebliche Zweifel an der Eignung der Sonntagsöffnung, das Infektionsrisiko einzudämmen" geäußert. Es könne nicht angenommen werden, dass sich das Kundenaufkommen des Samstags auch auf den Sonntag verteilen werde. Die Gewerkschaft Verdi hatte im Eilverfahren geklagt.

Längere Öffnungszeiten möglich

Weiter sei eine Öffnung der Geschäfte an Adventssonntagen über das Hessische Landesöffnungsgesetz ausdrücklich verboten, teilte die Staatskanzlei weiter mit. Auch in Zusammenhang mit einem sonst erforderlichen Anlassereignis wie einem Markt oder einer Messe sei dies nicht möglich.

Die Staatskanzlei bot dem Einzelhandel jedoch ein kleines Schlupfloch: Um Kundenströme zu entzerren, sei es jederzeit möglich, die Öffnungszeiten an Werktagen zu verlängern - diese seien in Hessen von 0 bis 24 Uhr freigegeben.

Sendung: hr-iNFO, 26.11.2020, 13 Uhr