IS-Terroristen fahren bewaffnet in einem Truck

Deutsche Behörden haben offenbar einen siebenjährigen Jungen aus Syrien nach Kassel zurückgeholt. Seine Eltern waren Anhänger der IS-Terrormiliz und sollen im Frühjahr gefallen sein.

Die Bundesregierung hat erstmals Kinder von deutschen IS-Anhängern in die Bundesrepublik zurückgeholt. Drei Kinder seien am Dienstagabend am Flughafen Frankfurt mit einer Maschine aus dem irakischen Erbil eingetroffen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Interview: "Vater soll sich vor fünf Jahren radikalisiert haben"

IS-Terroristen fahren bewaffnet in einem Truck
Ende des Audiobeitrags

Eines von ihnen ist ein siebenjähriger Junge aus Kassel. Eine offizielle Bestätigung des Auswärtigen Amtes stand am Dienstag noch aus. Einem Bericht der Bild-Zeitung zufolge aber haben seine nach Erbil gereisten Großeltern den Jungen an der syrisch-irakischen Grenze in Empfang genommen.

Die Eltern des Jungen sollen im Frühjahr im Kampf gefallen, das Kind daraufhin in ein nordsyrisches Gefangenenlager verschleppt worden sein. Seine Großmütter, die beide in Nordhessen wohnen, sollen sich an das Auswärtige Amt gewandt haben, wie die HNA berichtet. Sie hatten das Bild des Jungen in einer Zeitung erkannt.

Als Dreijähriger verschleppt

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes waren am Montag an der Grenze von Syrien zum Irak vier Kinder an Mitarbeiter des deutschen Generalkonsulats in Erbil übergeben worden. Neben dem Siebenjährigen seien zwei Mädchen im Alter von zwei und vier Jahren ebenfalls von ihrer Großmutter abgeholt worden. Bei dem vierten Kind handelte es sich nach Angaben der kurdischen Behörden um ein krankes Baby. Zu seinem Verbleib konnte die Bundespolizei keine Angaben machen.

Eine Schwester des Siebenjährigen wird weiterhin vermisst. Der Vater des Jungen soll sich vor etwa fünf Jahren radikalisiert und in Nordhessen für die Terrormiliz IS geworben haben. Einige Menschen habe er überzeugen können, mit ihm und seiner Frau nach Syrien zu ziehen. Der Junge soll damals drei Jahre alt gewesen sein.

Diskussion um Rückführung

Die Rückkehr von Kindern deutscher IS-Anhänger wird seit längerem diskutiert. Die Bundesregierung hatte deren Rückführung bislang verweigert und unter anderem darauf verwiesen, dass es in Syrien derzeit keine deutsche diplomatische Vertretung gebe, die deutschen Behörden also nicht tätig werden können. Das Berliner Verwaltungsgericht hatte aber im Juli entschieden, dass die Regierung Angehörige von IS-Kämpfern zurückholen muss.

Sendung: hr-iNFO, 20.08.2019, 9.20 Uhr