Kinderhände mit Münzen
Für viele Kinder ist der Besuch einer Sportveranstaltung ein seltener Luxus. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Ein Basketballspiel oder ein Kinobesuch - so etwas ist für Kinder aus armen Familien oft nicht drin. Einer aktuellen Studie zufolge sind immer mehr Kinder von Armut betroffen. Ein Ex-Banker aus Frankfurt will helfen. Seine eigene Geschichte steht dabei Pate.

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hs

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Ein sonniger Oktobertag in Frankfurt: In der Fraport-Arena spielt das Basketballteam der Skyliners Frankfurt gegen Göttingen. Mit im Publikum sitzen über 300 Kinder, die klatschen, jubeln und toben, was das Zeug hält. Für die Kinder ist der Besuch beim Basketballspiel ein ganz besonderes Highlight: Sie kommen aus Familien, die von Armut betroffen sind und sich ein solches Event normalerweise nicht leisten können.

Eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass das für immer mehr Familien gilt. Besonders schlimm ist die Armut für die betroffenen Kinder und Jugendliche.

"Stuart4Kids" will Kindern aus armen Familien helfen

Der ehemalige Profi-Basketballer und Unternehmer Stuart Truppner will diesen Familien helfen. Er hat den Besuch in der Fraport-Arena möglich gemacht. Der Finanzmanager zog sich 2012 aus dem Geschäftsleben zurück, um sich voll und ganz seiner Organisation "Stuart4Kids" zu widmen, mit der er hilfsbedürftigen Kindern die Teilnahme an Veranstaltungen wie dem Basketballspiel ermöglicht.

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Kinder vor Fraport Arena

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ex-Banker kümmert sich um Kinder aus armen Familien

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Truppner weiß wie es ist, als Kind in Armut zu leben. Ohne Vater und mit drei Geschwistern wuchs er im New Yorker Stadtteil Brooklyn auf. Der Basketball habe ihm in seiner Kindheit sehr geholfen: "In meinen Basketballvereinen gab es extrem viele liebe Menschen, die genau hingeschaut und sich gekümmert haben." Was er erreicht habe, hätte er "nie und nimmer" erreichen können, ohne diese Hilfe, so die Einschätzung des Ex-Bankers. Mit "Stuart4Kids" will Truppner darum etwas zurückgeben: "Viel Liebe, ein paar Events und Leute, die genau hinschauen."

Jugendring: Jedes vierte Kind in Frankfurt lebt von Hartz IV

Genau hinzuschauen, darum geht es auch dem Frankfurter Jugendring, der Dachorganisation von 29 Jugendverbänden in Frankfurt. Beinahe jedes vierte Kind in Frankfurt lebe von Hartz IV, schreibt der Frankfurter Jugendring auf der Homepage der Kampagne "ArmTM". Der Ausweg aus der Armut werde außerdem immer schwieriger; auch das zeigt die Studie der Böckler-Stiftung. Für betroffene Kinder und Jugendliche und ihre Familien seien alltägliche Dinge wie ein Kinobesuch oder eine Klassenfahrt dann kaum noch bezahlbar.

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Der Frankfurter Jugendring will helfen. Im Rahmen der Kampagne "ArmTM" wurde darum zum einen eine Fundraisingaktion gestartet, mit deren Hilfe jedes Kind in Frankfurt einmal im Jahr eine Ferienfreizeit besuchen können soll, unabhängig vom Einkommen der Eltern.

Außerdem soll die Öffentlichkeit auf das Thema Kinder- und Jugendarmut aufmerksam gemacht werden, erklärt Sébastien Daudin vom Frankfurter Jugendring. Dafür besucht er auch Schulklassen und diskutiert mit ihnen über das Thema. "Es ist wichtig, den Kindern und Jugendlichen, die betroffen sind, auch die Scham zu nehmen."

Nächster Skyliners-Besuch im Dezember

Egal, wie viel die Eltern verdienen - alle Kinder sollten ganz normal am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Darum geht es auch dem Evangelischen Verein für Jugendsozialarbeit Frankfurt, der den Besuch beim Basketballspiel gemeinsam mit Stuart Truppner organisiert hat. Der Verein organisiert viele solcher Veranstaltungen, wie zum Beispiel den Besuch im Zoo oder im Theater. Teilnehmen dürfen an diesen Veranstaltungen alle Kinder, betont die Geschäftsführerin Miriam Walter: "Das bildet ja auch Gemeinschaft, dass man sagt: Ich kenne da jemanden, für den ist das vielleicht nicht Alltag, aber das ist ganz toll, wenn ich das mit dem zusammen mache".

Der Evangelische Verein für Jugendsozialarbeit und Stuart Truppners Organisation "Stuart4Kids" wollen sich darum auch in Zukunft dafür einsetzen, dass alle Kinder und Jugendlichen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Der nächste Besuch bei den Skyliners mit über 400 Kindern ist schon im Dezember geplant.