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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bätzing fordert nach Kirchenaustritten "mutige Veränderungen"

Kreuz auf Kirchendach unter bewölktem Himmel

Weniger Taufen, Trauungen und Konfirmationen: Das Corona-Jahr mit seinen Einschränkungen hat die Statistiken der hessischen Kirchengemeinden massiv reduziert. Auch die Mitgliederzahlen sinken weiter - wenn auch nicht ganz so dramatisch.

Nimmt man die Kirche wörtlich, muss es ihr verdammt schlecht gehen. Ihre Mitgliederzahlen stünden im "Bann" der Corona-Pandemie, teilte die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) am Mittwoch mit, als sie, wie die katholischen Bistümer auch, ihre Mitgliederstatistik für das Jahr 2020 veröffentlichte.

Der "Bann" spielt des Öfteren eine Rolle in der Bibel, stets geht es um Bestrafungen, oft fallen sie martialisch aus. Im Alten Testament wird er unter anderem als "Vernichtungsweihe" bezeichnet.

Ganz so vernichtend fallen die Mitgliederzahlen der hessischen Bistümer nun doch nicht aus - sie schwinden aber weiter. Und auch getauft, konfirmiert und geheiratet wurde unter kirchlichem Segen im Corona-Jahr 2020 weniger. Ein Überblick.

Kirchenaustritte

Die EKHN, die sich unter anderem über die mittleren und südlichen Teile Hessens sowie die rheinland-pfälzischen Regionen Rheinhessen und Westerwald erstreckt, zählte zum Stichtag 31. Dezember 2020 genau 1.446.971 Millionen Mitglieder in ihren 1.103 Kirchengemeinden. Das entspricht einem Rückgang um 2,5 Prozent. Beeinflusst wird die Mitgliederentwicklung neben Sterbefällen und Austritten auch durch Zu- und Wegzüge - und die eben deutlich geringere Zahl an Taufen.

Wobei die Kirchenaustritte in der EKHN im Corona-Jahr 2020 zurückgegangen sind. Sie sanken auf 18.411 gegenüber 2019 mit 21.049. In der zweiten Evangelischen Kirche Hessens, der von Kurhessen-Waldeck (EKKW), sank die Zahl der Mitglieder um rund 2,2 Prozent auf 767.149, auch wenn die Zahl der Austritte mit 7.037 im vergangenen Jahr um 1.200 zurückgegangen ist.

In den drei katholischen Bistümern fallen die Bilanzen ähnlich aus. Noch rund 580.000 Katholiken gehörten zum Jahresende zum Bistum Limburg - etwa 2,2 Prozent weniger als 2019. Knapp 8.200 Menschen erklärten ihren Austritt.

Im Bistum Mainz, dessen Gebiet zu etwa einem Drittel in Rheinland-Pfalz und zu etwa zwei Dritteln in Hessen liegt, traten rund 300 Menschen mehr aus - dort zählen 687.000 Gläubige zur Diözese, 16.000 weniger als noch ein Jahr zuvor.

Im Bistum Fulda wurden 369.854 Katholiken gezählt, 6.951 weniger als im Vorjahr. Hier gab es 3.486 Kirchenaustritte, 239 weniger als 2019.

Taufen

Taufen, Trauungen und Konfirmationen haben deutlich sichtbar unter der Corona-Krise und den Einschränkungen gelitten.

So sank die Zahl der Taufen bei Kindern in der EKHN um etwa 50 Prozent auf 5.131. An Konfirmationen fand ein Drittel weniger als zuletzt statt - momentan holen viele Gemeinden Taufen und Konfirmationen aus dem Vorjahreszeitraum nach. In der EKKW hat sich die Zahl der Taufen nahezu halbiert. Landeskirchenweit gab es lediglich 3.053. Im Jahr 2019 waren es demnach noch 6.123 gewesen.

Im Bistum Mainz war die Zahl der Taufen um mehr als die Hälfte niedriger als noch 2019, in Limburg nahmen sie um 41 Prozent ab, in Fulda wurden 39 Prozent weniger Taufen abgehalten.

Trauungen

In der EKHN gab es nur 590 kirchliche Trauungen - fast 80 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Im katholischen Bistum Limburg ehelichten 237 Paare, knapp 74 Prozent weniger. In Mainz waren es 289 Paare (ein Rückgang um ebenfalls knapp 74 Prozent) in Fulda heirateten 143 Paare (minus 75 Prozent).

Kirchen sehen Vertrauensverlust bei Gläubigen

Krisen gelten eigentlich als "gute Zeiten" für Religionen, da sie dann als Sinnstifter gefragt sind. Doch die Kirchen hüteten sich am Mittwoch davor, die Verlangsamung bei den Austrittszahlen als Trendumkehr zu bewerten. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, bezeichnete die Statistik als "schmerzlich".

"Viele haben das Vertrauen verloren und möchten mit dem Kirchenaustritt ein Zeichen setzen", sagte Bätzing.

Volker Jung, Präsident der EKHN, fasste all die Zahlen als eine "Statistik mit großen Fragezeichen durch die Pandemie" zusammen. Die weiterhin hohen Austrittszahlen werfen Jung zufolge "ganz grundlegende Fragen an die Kirche auf".

So hätten Untersuchungen einerseits gezeigt, "dass Religionsgemeinschaften in der Pandemie eine stützende Rolle spielen". Andererseits stellten Umfragen heraus, dass immer mehr Menschen eine distanzierte innere Haltung zur Kirche hätten.

Die Kirchensynode will im September über Zukunftsfragen der hessen-nassauischen Kirche beraten. "Wir stehen vor einer Zeit grundlegender Umbrüche", sagte Kirchenpräsident Jung. Entscheidungen stünden darüber an, was wir "aufgeben müssen, um Freiraum für Neues zu gewinnen".

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