Eine Bronzefigur in der Münchener Heilig-Geist-Kirche zeigt, wie Jesus das Kreuz trägt.

Die Kirchen in Hessen haben an Karfreitag die Auswirkungen der Corona-Pandemie thematisiert. Ihre Vertreter kritisierten so genannte Querdenker, warnten davor, Probleme zu verdrängen - zogen aber auch Hoffnung aus Jesus' Leiden und Sterben am Kreuz.

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Leid und Zuversicht waren die Schwerpunkte der Predigten, mit denen sich die Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche in Hessen an die Gläubigen gewandt haben. Christen gedenken am Karfreitag des Leidens und Sterbens Jesu.

EKHN-Präsident Jung ermutigt zur Osterhoffnung

Der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, sitzt am 12.12.2014 nach einer Pressekonferenz in Groß Gerau (Hessen) in einer Kirche.

Der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, hat auf das Leid und die Nöte vieler Menschen in der Corona-Pandemie verwiesen. Der Karfreitag nehme "die vielen Ängste und die eine große Angst vor dem Tod" auf, sagte er laut Mitteilung.

Doch Ostern heiße: "Das Dunkle behält nicht das letzte Wort", ergänzte Ulrike Scherf, stellvertretende Kirchenpräsidentin der EKHN. So bestehe mitten in aller Furcht auch "Hoffnung auf Hilfe durch Gottes Nähe in den leidvollen Erfahrungen des Lebens", so Jung. "Es ist die Hoffnung, dass Gottes Liebe Menschen stark macht - in der Geduld das auszuhalten, was wir nicht ändern können. Und in dem Willen, das zu tun, was wir tun können - schützen und helfen, beten und hoffen, aushalten und nach vorne schauen."

EKKW-Bischöfin Hofmann: Nicht Bill Gates ist schuld

Bischöfin Beate Hofmann in der Kasseler Martinskirche

Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Beate Hofmann, hat an Kreifreitag so genannte Corona-Querdenker kritisiert. "Nicht Bill Gates oder irgendwelche dunklen Mächte, nicht die Römer und schon gar nicht das jüdische Volk haben den Tod verschuldet", sagte sie laut Mitteilung mit Blick auf die Toten der Corona-Pandemie. "In Jesus Christus macht Gott der Suche nach Schuldigen und der Jagd nach Sündenböcken ein Ende." Die Liebe suche nicht nach Schuldigen. Sie ertrage, hoffe, dulde.

"Karfreitag konfrontiert uns mit dem Schmerz und der Qual eines sterbenden Menschen. Damals am Kreuz in Golgatha, heute in den Intensivstationen dieser Welt, in manchen Ländern einfach auf der Straße, ohne ausreichende medizinische Versorgung sterben Menschen qualvoll, um Luft ringend", sagte die Bischöfin. Den Tod zu ignorieren, wie das manche so genannte Querdenker tun, das gehe am Karfreitag nicht.

Limburger Bischof Bätzing: Probleme nicht verdrängen

Limburgs Bischof Georg Bätzing

Der katholische Limburger Bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat sich an Karfreitag gegen eine Verdrängung von Problemen gewandt. Zwar gebe es mitunter gute Gründe dazu, damit der Mensch gesund bleibe, sagte Bätzing laut Manuskript in seiner Predigt im Limburger Dom. Er verwies jedoch auch auf eine "dunkle Seite" des Verdrängens, wenn ausgeblendete und unterdrückte traumatische Erfahrungen im Untergrund der Seele arbeiteten und krank machten. "Ängste, Blockaden und Depressionen haben nicht selten ihre Ursache darin."

In der Corona-Pandemie habe es beispielsweise ein kollektives Verdrängen nach dem ersten Lockdown gegeben. "Die Quittung dafür haben wir mit einer massiven zweiten Welle der Pandemie bekommen." Familien, Senioren, Geschäftsleute, Kleinunternehmer, Kita-Kinder, Schüler, Pflegerinnen, Ärzte und die beinahe 80.000 Verstorbenen hätten dafür einen hohen Preis gezahlt. "Wegdrücken löst echte Probleme nicht. Nach aller Erfahrung kommen sie mit Wucht zurück", betonte Bätzing.

Fuldaer Bischof Gerber: Botschaft der Solidarität

Porträt von Michael Gerber

Der katholische Bischof von Fulda, Michael Gerber, hat an das viele Leid in der Welt erinnert. Überall auf der Welt gebe es Menschen, die ihre Freiheit und ihre Gesundheit für Freiheit und Gerechtigkeit einsetzten, sagte Gerber.

Von Karfreitag müsse eine Botschaft der Solidarität ausgehen für diejenigen, die derzeit für ihre Freiheit und ihren Glauben kämpften oder unter Hunger und Krieg litten. "Lassen wir nicht zu, dass sich Despoten die Corona-Pandemie zunutze machen, um ihre Macht auszuweiten", sagte Gerber.

Mainzer Bischof Kohlgraf: Bei Leid nicht wegsehen

Peter Kohlgraf, Bischof von Mainz

Der katholische Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat die Christen aufgefordert, sich den leidenden Menschen zuzuwenden. Wer auf den gekreuzigten Jesus schaue, solle Mitleid lernen und sensibel bleiben für die Not anderer, sagte Kohlgraf am Karfreitag im Mainzer Dom. Ein Teil des Bistums Mainz gehört auch zu Hessen.

Jesus sei nicht mit einem theoretischen Seelsorgekonzept oder mit großen Plänen losgezogen, sagte Kohlgraf. Er habe offenbar einen Blick gehabt für das, was bei diesem oder jenem Menschen notwendig gewesen sei. Und dann habe er konkret geholfen. "Wer auf Jesus, den Gekreuzigten schaut, sieht nicht weg, sondern er stellt sich dem leidenden Menschen, er schaut ihm ins Gesicht."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 02.04.2021, 19.30 Uhr