Drei Geistliche stehen an einem "Outdoor-Altar" und halten Abschlussgottesdienst. Der Altar ist geschmückt mit Blumen, der heiligen Schrift und Kerzen.

Zum Abschluss des Kirchentages haben rund 400 Gläubige einen Gottesdienst am Frankfurter Mainufer gefeiert. Während die Kirchenoberhäupter den Fortschritt der Ökumene lobten, nahm Bundespräsident Steinmeier Christen in der Corona-Krise besonders in die Pflicht.

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hs
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Mit einem Open-Air-Gottesdienst ist am Sonntag der dritte bundesweite Ökumenische Kirchentag (ÖKT) in Frankfurt zu Ende gegangen. Rund 400 Menschen nahmen an der Feier an der Weseler Werft am Mainufer teil, darunter auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die gastgebenden Kirchen haben dabei den Schub für ein engeres ökumenisches Miteinander begrüßt.

Das ökumenische Miteinander vertieft

Der Kirchentag habe die Ökumene gestärkt, sagte der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung am Sonntag zum Abschluss des weitgehend digitalen, viertägigen Christentreffens. Als Beispiele führte er dessen gemeinsame Vorbereitung und die gegenseitige Einladung zu Gottesdiensten mit Abendmahl und Eucharistie an.

Durch die Vorbereitung auf den Kirchentag sei "auch in der schwierigen Zeit der Pandemie in der gastgebenden Region das ökumenische Miteinander sehr vertieft" worden, so Jung.

"Was uns verbindet, ist weitaus stärker"

Auch der Limburger Bischof Georg Bätzing lobte den Beitrag des Kirchentages zur Zusammenarbeit der Konfessionen. "Ich bin dankbar, dass wir in der Ökumene durch die Zeit der Vorbereitung und bei der Durchführung des Ökumenischen Kirchentags eng zusammengerückt sind", sagte der Katholik. Die aus Teilen der katholischen Kirche kritisierten gemeinsamen Abendmahlfeiern seien ein "Zeichen der Einheit" gewesen.

"Das, was immer noch trennt, werden wir offen benennen und ehrlich bearbeiten. Aber das, was uns verbindet, ist weitaus stärker", bekräftigte Bätzing. Er gehe "sehr gestärkt in die Zukunft".

Steinmeier ruft zur Versöhnung auf

Bundespräsident Steinmeier rief vor Beginn des Gottesdienstes zu gesellschaftlicher Versöhnung nach der Corona-Krise auf. Fehler müssten aufgearbeitet und entstandene Wunden geheilt werden. "Wir müssen wieder Brücken bauen zwischen Menschen und Gruppen, die die Pandemie verfeindet hat." Christen trügen dafür eine besondere Verantwortung.

Steinmeier verurteilte erneut antisemitischen Hass auf Deutschlands Straßen. "Nichts rechtfertigt die Bedrohung von Juden in Deutschland oder Angriffe auf Synagogen in unseren Städten."

Katholikin fordert Überwindung männlicher Herrschaft

Die Predigten im Abschlussgottesdienst hielten zwei Frauen: die Pastorin der evangelisch-methodistischen Kirche, Mareike Bloedt, und die Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, Katharina Ganz.

Ganz sagte in ihrer Predigt, einseitige männliche Herrschaft müsse überwunden werden. Zudem forderte sie, "Überlebende von sexualisierter Gewalt in die Mitte" zu stellen sowie ein neues Miteinander zwischen den Geschlechtern und ökumenische Geschwisterlichkeit zu leben.

Drittes gemeinsames Christentreffen

Innerkirchliche Debatten wie der Umgang mit Missbrauch sowie theologische Differenzen zwischen den Konfessionen beim Abendmahl und der Ordination von Frauen prägten neben Diskussionen mit Spitzenpolitikern den Ökumenischen Kirchentag von Donnerstag bis Sonntag. Statt der ursprünglich geplanten über 2.000 Veranstaltungen gab es pandemiebedingt nur rund 100.

Es war nach 2003 und 2010 das dritte Mal, dass der Deutsche Evangelische Kirchentag und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ein gemeinsames Christentreffen organisierten.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 16.05.2021, 19.30 Uhr