Kinder der Krippen-Gruppe "Regenbogenfische" spielen auf dem Spielplatz der Kita am Offenbacher Sana Klinikum, auf dem Absperrbänder den Abstand zu den Gruppen markieren.

Viele der rund 4.300 Kitas in Hessen haben am Dienstag mit einem eingeschränkten Regelbetrieb begonnen. Die Freude war bei Kindern und Eltern groß. Auch viele Grundschüler starteten wieder in den Unterricht.

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Viele Wochen boten die Kitas in Hessen wegen der Corona-Krise nur eine Notbetreuung für Kinder an - seit Dienstag findet in Hessen wieder eine erweiterte Betreuung statt, auch wenn nicht für jedes Kind ein Platz angeboten wird. Groß war die Freude am Dienstag beispielsweise bei den Kindern der Kita Fantasia in Fulda-Harmerz. Hier können nun 39 Kinder in drei Gruppen betreut werden, zwei Gruppen ganz- und eine halbtags. Eine der Glücklichen ist die kleine Lilith: "Ich freue mich sehr darauf, dass ich wieder mit meinen Freundinnnen spielen kann, und draußen toben und klettern."

Mutter Sonja Döllinger zeigte sich ebenfalls erleichtert: "Ich finde es ganz toll, dass sie wieder Kontakt hat. Natürlich entspannt das auch die Situation zu Hause. Homeoffice und Kinder zu Hause ist ein bisschen schwierig unter einen Hut zu bringen."

"Kinder sind freudestrahlend gekommen"

Was den Umgang der Kinder mit den Hygieneregelungen angeht, ist Mutter Döllinger zuversichtlich. "Die Kinder unterschätzt man ein bisschen. Ich glaube, die kennen die Regeln wie das Abstandhalten mittlerweile ziemlich gut." Auch Karsten Staubach, Vater von Mirko und Loreen war froh, als er seine Kinder bei der Kita abgab: "Sie freuen sich tierisch. Wir haben die Kinder mit in die Arbeit genommen, wir sind beide berufstätig– was soll man machen?"

Die Sorgen der Erzieherin Sandra Jung bestätigten sich nicht. Sie hatte gedacht, "wieder bei Null" anfangen zu müssen. Das Gegenteil sei der Fall gewesen, so Jung. "Die Kinder sind freudestrahlend gekommen und sind alle froh, wieder hier zu sein."

Die Familienforscherin Sabine Andresen hatte am Wochenende in einem Interview befürchtet, dass sich die Rückkehr der Kinder in die Kita für viele wie ein kompletter Neuanfang anfühlen würde.

Auch untere Grundschulklassen wieder am Start

Auch die Grundschulen öffneten am Dienstag ihre Türen für die unteren Jahrgänge. Bereits seit dem 18. Mai dürfen die vierten Jahrgänge wieder in die Schule. Vertretungslehrerin Karin Ottway der Brüder-Grimm-Schule in Klein-Linden (Gießen) lobte das "vorbildliche Verhalten" der Kinder einer zweiten Klasse, die alle mit Maske zum Unterricht angetreten waren. "Sie waren am Anfang sehr verhalten und sind dann aber im Laufe der drei Stunden aufgetaut."

Enttäuschung habe es aber trotzdem gegeben, erzählt Ottway: "Es war ihnen nicht klar, dass der Unterricht nur drei Unterrichtsstunden lang gehen wird und es war ihnen auch nicht klar, dass sie ihre Freunde aus den anderen Klassen nicht auf dem Schulhof sehen werden." Vielleicht fällt auch deshalb das Fazit von Zweitklässler Constantin recht kritisch aus: "Es ist blöd, dass wir in Gruppen aufgeteilt sind und an Einzeltischen sitzen." Vater Carsten Schmidt freut sich zwar für seinen Sohn: "Es hat alles erstaunlich gut funktioniert. Für die etwas mehr als zwei Stunden ist es eigentlich recht viel Aufwand."

Klose zeigt Verständnis für Eltern-Kritik

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Große Wiedersehensfreude bei Kita-Öffnungen

Kinder der Krippen-Gruppe "Regenbogenfische" spielen auf dem Spielplatz der Kita am Offenbacher Sana Klinikum, auf dem Absperrbänder den Abstand zu den Gruppen markieren.
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Sozialminister Kai Klose (Grüne) zeigte unterdessen Verständnis für die Kritik an der nur teilweisen Betreuung von Kita-Kindern. "Am Ende ist es unser aller Ziel, dass die Kitas mit möglichst vielen Kindern öffnen können", sagte Klose in Offenbach bei einem Besuch der Kita am Sana Klinikum. Der Minister verwies zugleich auf die andauernde Corona-Pandemie und sagte, mit der Situation müsse verantwortungsvoll umgegangen werden.

Klose sagte, die Betreuung von deutlich mehr Kindern sei ein wichtiger Schritt. Weitere sollen folgen. Voraussetzung sei aber, dass sich die Infektionszahlen nicht erhöhten.

Vor Ort überreichten Vertreterinnen der Initiative "Eltern in der Krise" Klose eine Petition mit einer Unterschriftensammlung. Es sei ausreichend Zeit gewesen, die Betreuung aller Kinder zu organisieren, kritisierte Diane Siegloch. Sie und andere Eltern seien aber weiter ohne Betreuungsmöglichkeit für ihre Kinder, müssten aber arbeiten gehen.

Klose hatte in einer Pressemitteilung am Montag darauf hingewiesen, dass Eltern, deren Kinder nicht betreut werden können, Anspruch auf Lohnfortzahlung haben. Selbstständige erhalten eine Direktzahlung. Die Anträge können den Angaben zufolge über die Internetplattform ifsg-online.de gestellt werden.

Gewerkschaft kritisiert "minimale Erweiterungen"

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte am Dienstag den Beginn des eingeschränkten Regelbetriebs in hessischen Kindertagesstätten als zu zaghaft. "Was uns die hessische Landesregierung als Öffnung der Kitas und Schulen verkauft, ist in Wahrheit nicht mehr als eine minimale Erweiterung des Notbetriebs", monierte Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen. "Eltern bekommen dadurch kaum mehr Planungssicherheit, wenn sie ihre Kinder beispielsweise an zwei Tagen in der Woche für jeweils drei Stunden in die Betreuung geben können."

Zudem führe die Entscheidung des Sozialministeriums, die konkrete Umsetzung den Kommunen und Trägern zu überlassen, "zu einem unübersichtlichen Flickenteppich, indem das Chaos vorprogrammiert ist", kritisierte Rudolph in Frankfurt. Überfällig sei ein Kita- und Schulgipfel, auf dem sich Elternvertretungen, Sozialpartner und Landesregierung beraten könnten. Beschäftigte bräuchten eine Perspektive, wie sie Beruf und Familie in Zeiten der Pandemie vereinen könnten.

Je nach Kommune unterschiedliche Betreuung

Die Verantwortlichen vor Ort verfolgen je nach Kommune unterschiedliche Wege. In Frankfurt beispielsweise sollen ab sofort alle Kinder an mindestens zwei Tagen in der Woche betreut werden, in Wiesbaden kann es hingegen nach Angaben der Stadt noch bis zum 22. Juni dauern, bis alle Kinder wieder die Kita für mindestens zwei Tage gehen können. In Gießen sollen bald wieder alle Kita-Kinder zumindest halbtags die Einrichtungen besuchen dürfen. In Marburg können teilweise nur die Hälfte der Kinder in der Kita betreut werden. Die Stadt Kassel konnte vorerst noch keine verbindliche Betreuungszusage für kleinere Kita-Kinder machen. Hier werden nach Angaben der Stadt zunächst vorrangig die Kinder betreut, die kurz vor der Einschulung stehen und Kinder, die einen besonderen Sprachbedarf haben.

Einzelheiten zum "eingeschränkten Regelbetrieb" und zu Hygienemaßnahmen sind in einer Verordnung des Sozialministeriums geregelt (hier die Verordnung zum Download). So ist gründliches Händewaschen für Kinder und Beschäftigte Pflicht, beispielsweise nach dem Betreten der Kita, vor und nach dem Essen, vor und nach dem Toilettengang und vor dem Aufsetzen und nach dem Abnehmen einer Schutzmaske. Die Kinder sollen altersgerecht die Hygieneregeln lernen und spielerisch einüben, wie sie sich am besten ihre Hände waschen. Eine Maskenpflicht sieht die Verordnung weder für Kinder noch für Mitarbeiter vor.

In Hessen gibt es laut Landesregierung rund 4.300 Kitas, in denen normalerweise rund 278.000 Kinder betreut werden.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 02.06.2020, 16.45 Uhr