Ein kleines Kind hängt an einer Stange auf dem Spielplatz und lässt sich pendeln.

Kitas haben nicht stärker zur Ausbreitung der Alpha-Variante des Coronavirus beigetragen als andere Bereiche. Das hat die "Safe-Kids-Studie III" ergeben. Unklar bleiben die Auswirkungen der Delta-Variante. Gesundheitsminister Klose will daher beobachten und abwarten. Das sei zu wenig, sagen Kita-Verbände.

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hs
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Erzieherinnen und Erzieher sind geimpft, die Inzidenzen niedrig und die Corona-Maßnahmen locker. Trotzdem blickt der Deutsche Kitaverband mit Sorge auf die immer stärker verbreitete Delta-Variante und fordert Vorbereitungen für den Herbst.

Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) will dagegen abwarten, wie sich die Lage entwickelt. Das sagte er am Donnerstag bei der Vorstellung der "Safe-Kids-Studie III" in Wiesbaden. Diese zeige erneut: Kitas seien keine Treiber der Pandemie.

Kein einziger Test positiv

"Wenn das Infektionsgeschehen in der Normalbevölkerung gering ist, dann ist es auch in den Kitas gering", so fasste es die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek zusammen, die mit Klose die Ergebnisse präsentierte. Auch der dritte Teil der Untersuchung mit 756 Kita-Kindern und 226 Mitarbeitern zeige, dass Kitas keine Verbreitungsherde für Corona gewesen seien: auch nicht, als sich im Frühjahr die Alpha-Variante (B.1.1.7) ausbreitete.

Zwischen Mai und Juni hatten 46 Kitas aus verschiedenen Regionen in Hessen am dritten und bislang letzten Teil der Studie teilgenommen: Mit sogenannten Lolli-Tests hatten Eltern ihre Kinder auf das Virus getestet und die Stäbchen eingereicht. Auch Erzieherinnen und Erzieher wurden regelmäßig getestet.

Das Ergebnis: kein einziger Test war positiv. Und das, obwohl die Inzidenzen zu dieser Zeit mit über 100 vergleichsweise hoch lagen "Das bedeutet, dass Alpha bei Kindern doch nicht diesen höheren Ansteckungsgrad hatte, wie wir dachten", sagte Klose. Das sei erfreulich.

Corona-Proben im Labor

Veränderte Lage durch Lockerungen und Delta

Ciesek führt das unter anderem auf die Fortschritte bei den Impfungen zurück: Zum Zeitpunkt der Tests seien rund 80 Prozent der Erzieherinnen und Erzieher mindestens einmal geimpft gewesen. "Das zeigt, dass die Hygienekonzepte gegriffen und sich die Impfungen für Erzieherinnen und Erzieher gelohnt haben", betonte auch Klose.

Inzwischen ist die Lage aber eine andere: Die Corona-Maßnahmen sind gelockert, Erzieherinnen und Erzieher müssen keine Maske mehr tragen und Familien können in ihrer Freizeit wieder deutlich mehr unternehmen, mehr Menschen treffen. Gleichzeitig breitet sich die noch ansteckendere Delta-Variante des Virus auch in Hessen immer weiter aus.

Verbände fordern Vorbereitung auf den Herbst

Bereits in der laufenden Woche dürfte rund die Hälfte der Corona-Neuansteckungen auf Delta zurückzuführen sein, schätzt das Robert-Koch-Institut (RKI). Interessenvertreter wie der Deutsche Kitaverband schauten am Donnerstag deshalb kritisch auf die Präsentation des Gesundheitsministers.

Sie verweisen bereits auf den Herbst und Winter, auf sinkende Temperaturen, Reiserückkehrer und Delta. Im Vorfeld der Pressekonferenz hatten der Deutsche Kitaverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) daher Vorsichtsmaßnahmen gefordert: etwa Luftreinigungsanlagen für Kitas, eine Auffrischungsimpfung für Kitapersonal und bei steigenden Inzidenzen auch verpflichtende Tests.

Klose: "Kein Handlungsbedarf"

Diese Forderungen wiegelte Klose am Donnerstag ab: "Aktuell sehe ich da keinen Handlungsbedarf", sagte der Minister. "Wir setzen in den Kitas auf Freiwilligkeit und es gibt im Moment keinen Grund, davon abzuweichen." Dennoch seien freiwillige Tests und Hygienemaßnahmen wichtig, um den Regelbetrieb aufrecht zu erhalten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Klose (Grüne) und Ciesek stellen Kita-Studie vor

Kind benutzt einen Lolli-Test
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Das Land unterstütze die Kommunen bei der Beschaffung von Test-Kits und Hygieneartikeln. Ob es eine Auffrischungsimpfung brauche, dazu lägen noch nicht genug Daten vor. RKI und Paul-Ehrlich-Institut müssten das zuerst prüfen.

Mit Blick auf die Delta-Variante sagte Klose: "Man muss das sehr genau beobachten." Er könne nicht ausschließen, dass bei steigenden Inzidenzen im Herbst wieder Kitas und Schulen schließen müssen: "Wir fliegen das auf Sicht, anders geht es nicht", sagte Klose.

Verband: "Kitas und Schulen offenhalten"

Dem Deutschen Kitaverband ist das zu vage. Die Verbandsvorsitzende, Waltraud Weegmann, forderte die Politik erneut zum Handeln auf: "Die Ergebnisse liefern eine Grundlage, um die Hygiene-Konzepte von Kitas zielgenau und pandemiegerecht anpassen zu können", so Weegmann. "Ich erwarte, dass die Politik die Studienergebnisse nun endlich für ihr Handeln berücksichtigt und Kitas und Schulen auch im Herbst und Winter offengehalten werden können.“

Mögliche weitere Studie noch offen

Virologin Ciesek zeigte sich in Bezug auf die Delta-Variante in Kitas vorsichtig optimistisch. Die aktuelle Studie habe gezeigt, dass sich Corona dort nicht besonders stark ausbreite. "Ob es sich mit Delta ändert, wissen wir nicht. Aber auch mit Alpha hat es sich nicht verändert."

Seit dem Sommer 2020 hatte die Safe-Kids-Studie das Corona-Ansteckungsrisiko in Kitas untersucht: Teil I lief 2020, Teil II im Januar und Februar 2021 und Teil III im Mai und Juni 2021. Ob es einen weiteren Teil der Safe-Kids-Studie geben wird, der auch die Delta-Variante berücksichtigt, ließen Klose und Ciesek offen. Dafür sei noch nicht der richtige Zeitpunkt.

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