Paul Emmerich

So wie es läuft, läuft es nicht. Da sind sich die Aktivisten von Fridays for Future einig. Sie veranstalten deshalb in Frankfurt einen Zentralstreik. Junge Klimaschützerinnen und -schützer erzählen, welche Ziele sie verfolgen.

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hs
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Mit mehreren Protestmärschen haben am Freitag rund 5.000 Aktivisten der Klimaschutzbewegung Fridays for Future in Frankfurt gegen Investitionen der Finanzbranche in klimaschädliche Industriezweige demonstriert. Im Fokus steht diesmal der Finanzsektor. Wir haben mit Klimaaktivistinnen und -aktivisten gesprochen, die im Klimacamp an der Weseler Werft übernachteten.

Jana Voges: "Für eine nachhaltige Zukunft"

Jana Voges, 18 Jahre, Sprecherin Fridays for Future Frankfurt

Jana Voges ist 18 Jahre alt und engagiert sich seit zirka einem Jahr bei Fridays for Future in Frankfurt. Einem Jahr, in dem viel und gleichzeitig wegen der Corona-Pandemie wenig passiert ist. Die letzte Demonstration sei am 19. März gewesen, sagt Jana. Dafür soll sie diesmal umso größer werden.

Bislang haben die Mitglieder von Fridays for Future an Schulen gestreikt und an die Politik appelliert. "Und jetzt werden wir den nächsten Schritt gehen und vor Ort Banken blockieren", sagt Voges. Für das Organisationsteam waren die Vorbereitungen mit viel Aufwand verbunden: viele Genehmigungen und ein Corona-Konzept - was man in Zeiten wie diesen so braucht.

Ein Streik, der den Streik stört

Dass es ausgerechnet kurz vor der Demo einen Bahnstreik gab, nervt Voges gewaltig. Die meisten Teilnehmenden wollten mit dem Zug anreisen. Mit einer Teilnehmerzahl im vierstelligen Bereich rechnet Voges aber sicher: "Das ist realistisch. Dann hat es sich gelohnt." Das Wichtigste sei aber, dass so viele Menschen aus verschiedenen Städten für die selbe Sache zusammenkommen können.

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Großdemo in Frankfurt

Um 14 Uhr starteten sechs "Sternmärsche" von verschiedenen Startpunkten in Frankfurt. Alle Gruppen wollten sich dann an der Alten Oper treffen, wo um 15 Uhr die Hauptkundgebung beginnen sollte. Um 16 Uhr wollten die Demonstrierenden durch das Bankenviertel ziehen. Fragen und Antworten zum Zentralstreik.

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Die Organisatorinnen und Organisatoren planten auch Aktionen des zivilen Ungehorsams gegen die Banken "als Täter der Klimakrise". "Gegen die demonstrieren wir und da hilft nur eine große Bandbreite an Aktionen, die darauf aufmerksam machen, dass ein Streben nach Profit und Wachstum nicht mit einer nachhaltigen Zukunft vereinbar ist", so Voges. "Im Bankenviertel wird unsere Zukunft verkauft."

Paul Emmerich: "Ich würde gerne entspannt auf mein Leben zugehen"

Paul Emmerich

Der 20-jährige Paul Emmerich ist schon seit Jahren Klimaaktivist. Das war er schon bevor es Fridays for Future gab, wie er sagt. Für den Zentralstreik reiste er aus Göttingen an und half bereits am Donnerstagmorgen beim Aufbau des Klimacamps mit. Es sei wichtig und schön wieder auf die Straße gehen zu können, auch weil das wegen Corona so lange nicht ging, so Emmerich.

Er verweist auf die zahlreichen Umweltkatastrophen wie Fluten und Waldbrände, die es gab und gibt. "Wir reden die ganze Zeit von Jahrhundert-Ereignissen, die werden langsam zu Jahrzehnt-Ereignissen. Und demnächst werden sie zu normalen Ereignisse, die jährlich passieren", so Emmerich. Das Frustrierende sei, dass diese Entwicklung absehbar gewesen sei.

Wenn er nicht gerade demonstriert, schreibt Emmerich aktuell an einer Hausarbeit zum Thema Plastik in den Meeren. Das Thema sei einfach überall präsent: "Ich würde gerne entspannt auf mein Leben zugehen können, stattdessen überlege ich mir, ob ich lieber nach Island oder Neuseeland auswandern soll. Diese Länder sind noch relativ krisensicher", meint Emmerich.

Wenn es so weitergehe, könnte in 20 bis 30 Jahren "in Europa die Kacke richtig am dampfen" sein. Den Finanzsektor habe man bisher zu wenig beachtet, deswegen sei es gut, dass der Zentralstreik sich diesmal den Banken widme.

Toni Kinder: "Die Klimakrise macht mir Angst"

Klimacamp Toni Kinder

Auch die 19 Jahre alte Toni Kinder aus Hildesheim hat im Klimacamp übernachtet und engagiert sich bei Fridays for Future. "Es ist beruhigend zu sehen: Man steht nicht alleine da, sondern es gibt viele Menschen, die das Problem sehen und die etwas dagegen tun wollen", findet Kinder.

Oft mache ihr die Klimakrise und die ganzen Umweltkatastrophen nämlich Angst. Vor allem, wenn sie realisiere, dass es in anderen Teilen der Welt noch schlimmer zugehe. Gleichzeitig gebe ihr das aber auch die Motivation für eine klimagerechte Zukunft zu kämpfen.

Für den Zentralstreik und das Camp übernimmt sie einige Organisationsaufgaben. "Das ist hier für mich einer der besten Anlaufpunkte, um etwas gegen die Klimakrise zu machen. Man fühlt sich nicht ganz so hilflos", meint Kinder.

Die 19-Jährige arbeitet schon länger an der Fridays-for-Future-Finanzkampagne mit. "Das ist auch eines der Hauptziele des Pariser Klimaabkommens, dass Finanzströme klimagerecht werden müssen." Besonders vor den Wahlen müsse man das Thema verbreiten und dafür sorgen, dass mehr Menschen die Klimakrise ernst nehmen.

Jaron Immer: "Kleine Schritte reichen nicht mehr"

Klimacamp Jaron Immer

Über die Zeltbörse auf Telegram hat sich der 16 Jahre alte Jaron Immer aus Reutlingen einen Schlafplatz an der Weseler Werft gesichert. Seit rund zwei Jahren engagiert sich Immer für den Klimaschutz. Am Anfang sei ihm nicht klar gewesen, dass es dabei um mehr gehe, als ums Eisbären retten. "Dass es um die Menschheit und ums Überleben geht, dass war mir lange nicht bewusst", sagt er.

Kleine Schritte reichten nicht mehr, meint der 16-Jährige. "Wichtig ist, dass wir die großen Veränderungen schaffen, in der Politik, in der Wirtschaft." Dass dieser Wille zur Veränderung bei Fridays for Future da ist und es um die Sache geht anstatt um irgendwelche Posten, findet Immer gut.

"Die Leute stecken so viel Herzblut, so viel Energie da rein", so Immer. Es mache ihm Hoffnung, dass trotz der Pandemie so ein Camp möglich sei und so viele Menschen für die Demo anreisten. "Das zeigt wie stark wir mit Fridays for Future geworden sind."

Asuka Kähler: "Zentralstreik soll Druck ausüben"

Klimacamp Asuka Kähler

Asuka Kähler hat in Sachen Klimaschutz kaum eine freie Minute. Schon lange organisiert der 18-Jährige aus Oldenburg bundesweit Aktionen für Fridays for Future. Auch hier im Camp kümmert er sich mit darum, dass alles läuft. Er verteilt Dienste, weist Neuankömmlinge ein, bespricht das weitere Vorgehen.

Sein Engagement wird von einem Pflichtgefühl begleitet, wie er sagt. Es gebe die Klimakrise und man müsse etwas tun. Andernfalls könne er "mit dem Wissen nicht in Ruhe leben." Der Zentralstreik unter dem Hashtag #Bankenblockieren sei deutungsgebend und solle Druck ausüben.

"Ich hoffe, dass der Streik eine Signalwirkung hat und zeigt, dass es mehr Optionen gibt als Demos und Petitionen", sagt er. Es sei Zeit, dass man über passives Adressieren hinausgeht und aktiv eingreift. Wie genau der geplante zivile Ungehorsam aussehen wird, verrät Kähler nicht. Aber es werde Überraschungen geben.

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EZB will Folgen des Klimawandels eindämmen

Der Frankfurter Finanzsektor hat die Folgen des Klimawandels nach eigenen Angaben im Blick. Ein Sprecher der Europäischen Zentralbank sagte dem hr: "Die wirtschaftlichen Folgen der Klimakrise haben einen konkreten Einfluss auf unsere Hauptaufgabe: Die Preisstabilität in Europa sicher zu stellen. Aus diesem Grund haben wir das Kompetenzzentrum Klimawandel an der EZB ins Leben gerufen und einen umfassenden Maßnahmenkatalog mit ambitionierten Zeitplan beschlossen." Dieser lege dar, wie die Zentralbank ihren Teil dazu beitragen werden, den Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken.

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