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Audioseite Hessische Erst- und Jungwähler vor der Bundestagswahl

Eine junge Frau sitzt in einer Wahlkabine und füllt die Stimmzettel aus - von oben fotografiert.

387.000 Hessinnen und Hessen zwischen 18 und 24 Jahren dürfen bei der Bundestagswahl im September ihr Kreuzchen machen. Wenig überraschend: Der Wahlkampf sorgt bei ihnen nur bedingt für Begeisterung. Auffallend ist dagegen, wie gründlich sich manche von ihnen vorbereiten.

Neun Prozent der Wahlberechtigen in Hessen sind zwischen 18 und 24 Jahre alt. Sie treibt häufig andere Themen um als die älteren Wählergruppen, der Wahlkampf ist nur selten auf sie ausgerichtet. Informiert wird sich digital - wobei es auch hier Ausnahmen gibt. Vier junge Hessinnen und Hessen geben einen Monat vor der Wahl persönliche Einblicke.

Nils Walcher: "Internet an vielen Orten noch nicht gut ausgebaut"

Nils Walcher

Wie bei etwa 220.000 anderen Hessinnen und Hessen auch, steht für Nils Walcher aus Ebersburg-Weyhers (Fulda) am 26. September die erste Bundestagswahl an. Kein Tag zu früh, findet der 18-Jährige: "Ich bin jetzt einfach in einem Alter, in dem das für mich interessant und wichtig wird."

Seit einem Jahr beschäftigt er sich mit Politik - nach einem kleinen Anstupser: "Unser Lehrer für Politik und Wirtschaft hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass wir uns mit Politik beschäftigen sollen. Das hat mein Interesse geweckt."

Neben dem Umweltschutz beschäftigt Walcher vor allem die Digitalisierung: "Das ist für mich wichtig. Man merkt, dass Deutschland in den letzten Jahren versagt hat. Das Internet ist an vielen Orten immer noch nicht gut ausgebaut." Er sehe zwar die Bemühungen der Parteien, es gehe ihm aber zu langsam.

Angesichts seiner Interessen verwundert es nicht, was Walcher vom Wahlkampf mitbekommt: "Ich habe zum Beispiel gesehen, dass Armin Laschet zu Elon Musk in die Gigafactory gekommen ist. Aber das sind ja eher oberflächliche Sachen." Über Inhalte hat sich Walcher aktiv informiert, die wichtigsten Punkte der Wahlprogramme durchgelesen. Aber auch über den Youtuber Rezo und Social Media generell erreichen ihn Inhalte zur Wahl.

Jasmin Uffenbrink: "Jede Stimme zählt"

Jasmin Uffenbrink

Für Jasmin Uffenbrink ist eine Bundestagswahl kein Neuland: Die 23 Jahre alte Frankfurterin durfte 2017 zum ersten Mal ihr Kreuzchen machen. Wenn es nach ihr geht, sollen ihr das in diesem Jahr so viele wie möglich gleichtun: "Jede Stimme zählt. Man vergisst das oft, weil man sich klein vorkommt. Aber wenn man eine Meinung hat, kann man sie bei der Wahl vertreten."

Neben einer hohen Wahlbeteiligung ist der Psychologiestudentin folgendes Thema wichtig: "Mich persönlich beschäftigt Rassismus und Diskriminierung in jeglicher Form. Nicht nur, wenn es um Kultur und Hautfarbe geht, sondern auch um die LGBTQ+-Community." Darüber hinaus interessiere sie sich für Flüchtlingspolitik: "Ich bin dafür, dass man auf humane Art und Weise Flüchtlinge aufnimmt."

Uffenbrink hat vor kurzem Briefwahl beantragt und will jetzt anfangen, sich über Parteien, Kandidat:innen und Inhalte genauer zu informieren. "Ich bin zwar ein bisschen faul, aber meine Schwester hält mich in Sachen Politik immer auf dem Laufenden. Sie sitzt in Frankfurt im Stadtparlament und kennt sich aus."

Philip Bauknecht: "Will vor Ort mit Wahlkampfteams reden"

Phillip Bauknecht

Richtig heiß auf seine erste Wahl ist Philip Bauknecht. "Ich habe dem echt entgegengefiebert. Ich freue mich, dass meine Stimme ein merkbares Gewicht bekommt." Auch davor habe er sich schon engagieren können, aber: "Jetzt beeinflusse ich mit meiner Stimme die Zusammensetzung im Bundestag."

Egal, wie Bauknecht und die deutsche Bevölkerung am Ende wählt - es wird eine neue Bundeskanzlerin oder einen neuen Bundeskanzler geben. Für den frischgebackenen Abiturienten eine Umstellung: "Angela Merkel war eine Konstante, ich kenne nur sie als Kanzlerin. Es ist ein komisches Gefühl, aber ich finde es auch gut, dass es mal einen Wechsel gibt."

Für einen 18-Jährigen geht Bauknecht einen ungewöhnlichen Weg, um sich zu informieren - einen nicht-digitalen: "Ich habe mir vorgenommen, dass ich bei mir in der Nähe auf einen Platz gehe, wo die Wahlkampfteams stehen. Und dann will ich mit den Teams von den Parteien reden, damit ich mich entscheiden kann, welchen Direktkandidaten ich wähle."

Natürlich bezieht Bauknecht seine Information auch aus Sozialen Medien, fühlt sich aber nicht von allen Parteien angesprochen: "Bei manchen merkt man, dass sie vom digitalen Raum keine Ahnung haben. Die glauben, dass sie die Zielgruppe ansprechen, reden aber komplett an ihr vorbei."

Falk Englert: "Wahlkampf wird nicht nur für 20-Jährige gemacht"

Auch Falk Englert aus Darmstadt hat etwas am Wahlkampf der Kanzlerkandidat:innen auszusetzen: "Mir geht es zu wenig um Inhalte und ein bisschen viel darum, den anderen zu sagen, was sie falsch machen. Und zwar egal, ob jetzt bei Anna-Lena Baerbock, Armin Laschet oder Olaf Scholz."

Wenn aber tatsächlich über Inhalte gesprochen wird, fühlt der 20-Jährige sich zumindest teilweise angesprochen: "Klimaschutz wird schon behandelt, da wird ordentlich etwas gemacht. Soziale Gerechtigkeit könnte noch mehr Thema sein."

Er merke allerdings schon, dass die Themen, die ihn bewegen, nicht immer ganz oben auf der Liste stehen. So sei kaum über die Öffnung der Universitäten gesprochen worden. Aber Englert weiß: "Wahlkampf wird nicht nur für 20-Jährige gemacht, und das ist auch okay."

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