Klinik Wolfhagen

Wegen Mängeln beim Brandschutz schließt die Klinik Wolfhagen ihre stationäre Versorgung. Der Kreis fühlt sich von der Stadt Kassel als Mehrheitseigner der Klinik über- und hintergangen.

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hs
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In der Klinik Wolfhagen werden seit Donnerstag keine neuen Patienten mehr stationär aufgenommen. Grund dafür sind nach Angaben der Betreiberfirma Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) umfangreiche Mängel beim Brandschutz.

"Leib und Leben" der Patienten seien in Gefahr, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der GNH und Oberbürgermeister von Kassel, Christian Geselle (SPD), am Donnerstag. Entschieden wurde gegen den Willen des Kreises Kassel, der allerdings nur 7,5 Prozent der GNH-Anteile hält. Die Stadt Kassel hält 92,5 Prozent.

Klinikbetreiber: keine betriebsbedingten Kündigungen

Aktuell seien 57 Betten in der Klinik belegt, sagte Michael Knapp, Vorstandsvorsitzender der GNH. Diese Patienten würden weiter behandelt, bis sie regulär entlassen würden. Für ihren Schutz stünden in der Klinik zusätzliche Evakuierungshelfer bereit, etwa im Falle eines Brandes.

Die letzten Patienten würden voraussichtlich Ende kommender Woche entlassen. Dann ist der stationäre Betrieb komplett eingestellt. Die ambulante Versorgung ist nicht betroffen. Anlass für die plötzlichen Maßnahmen ist ein Rechtsgutachten auf Grundlage eines Brandschutzgutachtens, dem zufolge die GNH im Fall eines Brandes haften müsste.

Am Donnerstagmorgen hielten Mitarbeiter der Klinik vor dem Gebäude eine Mahnwache ab. Ihre Zukunft wurde ihnen anschließend auf einer Betriebsversammlung vorgestellt. Mehr als 50 Prozent der insgesamt 167 Beschäftigten sind laut der GNH von der Schließung betroffen.

Betriebsbedingte Kündigungen schließt die Geschäftsführung aus. Den Mitarbeitern würden in der kommenden Woche alternative Angebote gemacht, etwa für Jobs in den Kliniken Bad Arolsen (Waldeck-Frankenberg) und Hofgeismar (Kassel), die auch zur GNH gehören.

Wolfhagen Mahnwache Klinik

Konflikt mit dem Kreis neu angefacht

Mit der Schließung wurde der seit längerem schwelende Konflikt um die Zukunft der Klinik Wolfhagen neu angefacht: "Blödsinn" sei das Vorschieben des Brandschutzes, sagte der Sprecher des Kreises, Harald Kühlborn, dem hr: Der eigentliche Grund sei, dass die GNH den Standort Wolfhagen schon länger aus wirtschaftlichen Gründen schließen möchte. Der Landkreis erwäge, rechtlich gegen die Schließung vorzugehen, weil drei Aufsichtsratsmitglieder weder beteiligt worden seien an der Entscheidung vom Donnerstag noch darüber überhaupt informiert, kritisierte Kühlborn.

Dazu zählt auch Landrat Uwe Schmidt (SPD), der aktuell im Urlaub ist. Laut Kühlborn erhielten die drei Mitglieder keine Einladung zur kurzfristig anberaumten Sitzung des Aufsichtrats. Die Beschlussvorlage sei einem Vertreter des Kreises in der Sitzung lediglich in die Hand gedrückt worden. Danach sei er aufgefordert worden, den Raum wieder zu verlassen.

CDU: "Mieser Schlag ins Gesicht"

Als einen "miesen Schlag ins Gesicht der Menschen im Wolfhager Land" kritisierte die CDU Kassel-Land die Klinik-Schließung. Das sei ein Griff in die "unanständige Trickkiste", sagte die stellvertretende Kreisvorsitzende Anna-Lena Habel. Der Brandschutz werde vorgeschoben, um die Schließung durchzudrücken.

Kassels OB Geselle stellte die Ereignisse am Freitag auf einer Pressekonferenz anders dar. Sehr wohl sei der Kreis über die Entscheidung vor der Verkündung informiert worden. Es gehe bei der Schließung nicht um die Neuausrichtung der Klinik, betonte er mehrfach.

Ein bisschen Hoffnung könnte es im Konflikt zwischen Stadt und Kreis allerdings geben: Geselle stellte in Aussicht, dass man demnächst mit dem Kreis über einen möglichen Kauf der Kliniken Hofgeismar und Wolfhagen verhandeln würde. Dieser könnte so die Klinikanteile erwerben, die er auch will - und wäre raus aus der GNH.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 21.02.2019, 19.30 Uhr