Intensivbetten in einem Klinikzimmer

Um auf den erwarteten Ansturm von Corona-Patienten vorbereitet zu sein, müssen hessische Krankenhäuser ihre Intensivbetten freihalten. OP-Termine werden verschoben - mit offenen Fragen für Ärzte und Patienten.

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hs
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Die große Welle von Covid-19-Patienten wird erst noch erwartet, die Folgen spüren Patienten in Hessen aber jetzt schon. Denn die Kliniken müssen nach einer Verordnung der Landesregierung planbare Operationen und Eingriffe, die derzeit medizinisch nicht notwendig sind, verschieben.

Doch für die Ärzte in den Kliniken ist das nicht immer eine einfache Entscheidung: "Eine der Schwierigkeiten dabei ist, dass wir nicht wissen, wie lange wir aufschieben müssen", sagte der Präsident der Hessischen Krankenhausgesellschaft, Christian Höftberger.

Für Ärzte und Patienten viele Fragen unklar

"Wir prüfen jeden Tag nach ärztlichem Ermessen, auf Sicht fahrend: Ist der Eingriff medizinisch jetzt dringend geboten?", erläuterte der Regionaldirektor der hessischen Asklepios Kliniken. "Die Frage, die sich Ärzte stellen: Was passiert, wenn ich die anstehende Behandlung verschiebe? Wird das Problem größer? Werden die Schmerzen mehr? Liegt sich der Patient vielleicht wund? Ist ein kleiner Eingriff jetzt etwas, was sich in zwei Monaten zu einem großen Thema entwickelt hat?" Die Ärzte in den Kliniken träfen nach der hessischen Verordnung diese Entscheidung.

Hintergrund ist, dass durch Terminverschiebungen Kapazitäten freigehalten werden sollen für die große Zahl der zu erwartenden Patienten mit Covid-19. Das reicht nach Einschätzung von Epidemiologen aber nicht aus. Daher müssen auch in Hessen die Kliniken neue Kapazitäten aufbauen, vor allem für Patienten, die beatmet werden müssen.

"Wir nehmen derzeit jedes Beatmungsgerät, das wir kriegen können", sagte Höftberger. Reservegeräte würden in Betrieb genommen, neue angekauft, Personal verschoben und nachgeschult.

"Brauchen noch mehr Beatmungsgeräte"

Aktuell gibt es in Hessen nach Angaben der Krankenhausgesellschaft 1.815 Intensivbetten, die normalerweise zu 79 Prozent ausgelastet sind. Sie sind standardmäßig mit Beatmungsmaschinen ausgerüstet. Dazu kommen etwa 1.400 Beatmungsgeräte in anderen Krankenhausbereichen.

Zusätzlich habe Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) 10.000 Beatmungsgeräte für Deutschland angeschafft. "Aber wir brauchen noch mehr als diese Beatmungsgeräte", glaubt Höftberger. "Die große Frage für uns Krankenhäuser ist: Wie kriegen wir rechtzeitig das Geld dafür?"

Kritik an Ausgleichszahlungen

Am Wochenende wurde in Hessen Kritik an den Plänen der Bundesregierung zur Unterstützung von Krankenhäusern während der Corona-Pandemie laut. "Die angekündigten Ausgleichszahlungen decken unsere Zusatzkosten nicht im Ansatz", teilte die Geschäftsführerin der Kreisklinik Groß-Gerau, Erika Raab, am Sonntag mit. Raab ist Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Medizincontrolling.

Unter regulären Bedingungen erhielten kleinere Krankenhäuser zwischen 3.000 und 7.000 Euro Erlös aus einer OP, erklärte Raab. Für die nun notwendigen OP-Absagen wegen der Pandemie sollten nach ersten Plänen der Bundesregierung zwischen 410 Euro und 540 Euro pro Tag fließen. Dieser Betrag soll inzwischen auf 560 Euro aufgestockt worden sein, wie es am Sonntag in Regierungskreisen in Berlin hieß.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 22.03.2020, 19.30 Uhr