Frühchen in einem Brutkasten (Archiv)
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Auch zwei Wochen nach der Infektion mit einem Darmkeim befindet sich ein Baby auf der Frühgeborenen-Intensivstation im Klinikum Hanau in kritischem Zustand. Die Station nimmt derzeit keine neuen Patienten auf.

Ein Horrorszenario für die Eltern am städtischen Klinikum Hanau: Vor zwei Wochen infizierten sich vier frühgeborene Babys auf der Intensivstation mit einem Darmkeim. Drei Säuglinge haben die Infektion nach kurzer Zeit überstanden. Doch ein Baby befindet sich nach Angaben des Klinikums noch immer "im kritischen Zustand". Die Klinik bestätigte auf hr-Anfrage einen Bericht des Hanauer Anzeigers.

Unklar ist weiterhin, wie der Keim in die Nähe der Babys geraten konnte. Wie das Klinikum mitteilte, handelt es sich um ein Bakterium der Gattung Enterobacter cloacae, welches normalerweise zur Darmflora eines Erwachsenen gehört. Für Frühchen kann es aber lebensgefährlich sein.

Antibiotika-Behandlung bei drei Babys erfolgreich

Über die genauen Symptome des noch immer erkrankten Babys möchte das Klinikum wegen der ärztlichen Schweigepflicht nichts sagen. Derzeit werde es mit Antibiotika behandelt, eine "zuverlässige Prognose" könnten die Ärzte noch nicht stellen, hieß es in einer Mitteilung des Klinikums. Zwar sei das Kind aktuell stabil, sein Zustand sei aber weiterhin kritisch. "Frühgeborene Babys sind aufgrund ihrer Unreife besonders anfällig für Krankheiten mit kompliziertem Verlauf."

Die Behandlung mit Antibiotika sei bisher nur bei drei Frühchen mit Erfolg verlaufen. Sie seien vom Klinikum in Einzelzimmern isoliert worden und würden aufgrund ihrer Frühgeburt weiterhin besonders betreut. Wann sie nach Hause dürfen, stehe noch nicht fest. Täglich werde ihr Immunsystem stärker, damit sinke das Risiko, erneut zu erkranken, teilte das Krankenhaus mit. Drei gesunde Babys wurden nach dem Keimfund innerhalb der Klink verlegt.

Gesundheitsamt eingeschaltet

Direkt nachdem sich der Verdacht auf ein Bakterium bestätigt hatte, leitete das Klinikum nach eigener Auskunft "alle in dieser Situation erforderlichen Hygienemaßnahmen sowie Maßnahmen zur Bestimmung des Ausmaßes und der Ursachenfindung in die Wege". Der hauseigene Krankenhaushygieniker habe alle Kinder auf der Station sowie die Umgebung untersucht.

Außerdem habe das Klinikum das städtische Gesundheitsamt und unabhängige Experten eingeschaltet, um die Ursache für die Verbreitung des Darmkeims zu finden. Befunde der Untersuchungen stünden derzeit noch aus.

Intensivstation bleibt geschlossen

Wegen des Vorfalls hat sich das Klinikum entschlossen, derzeit keine Frühchen in der Intensivstation aufzunehmen. Wann die Station wieder geöffnet wird, steht nicht fest.