Sieht sich auf Google diffamiert: Der Inhaber der Frankfurter Zappbar Ralph Göllner (65)

Ein Frankfurter Kneipenbesitzer sieht sich zu Unrecht an den Internet-Pranger gestellt. In den Bewertungen auf Google wird ihm plötzlich Schwulen- und Ausländerfeindlichkeit vorgeworfen. Jetzt hat er ein Kopfgeld auf den anonymen Verfasser ausgesetzt.

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Die Zappbar im Frankfurter Nordend.
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250 Euro bietet Ralph Göllner demjenigen, der ihm Namen und Anschrift der Person nennt, die verantwortlich ist für diese Kritik an seiner Frankfurter Kneipe Zappbar. Sie wurde am Wochenende auf Google veröffentlicht:

"Leicht rechte Bar, homophob, ausländerfeindlich ... schlechter Serivce ... Kein Original". Wer auf Google nach Zappbar und Frankfurt sucht, stößt früher oder später auch darauf. Einen von fünf möglichen Sternen hinterlässt der anonyme Nutzer "Lou Kel".

Kundenkritik auf Google und die Antwort des Inhabers.

"Verleumdung kann nicht durchgehen"

"Wenn ich den Namen des Typen rauskriege, werde ich den anzeigen", sagt Göllner. Seit 15 Jahren besitzt er die Musik- und Raucherkneipe in der Glauburgstraße im Frankfurter Nordend. 88 Bewertungen hat die Zappbar bis Dienstagvormittag auf Google erhalten, die meisten sind positiv. Auf einer Skala von 1 bis 5 liegt der Bewertungsdurchschnitt bei 4,6 Sternen. Die Gäste scheinen unterm Strich zufrieden zu sein.

Und jetzt das. "Das geht mir extrem auf die Nerven", sagt Göllner. "Wir sind hier wirklich nicht rechts, wir sind hier weder homophob noch ausländerfeindlich - im Gegenteil. So was ist verleumdend und das kann nicht durchgehen." Wenn jemand schreibe, der Wirt sei ein Idiot, könne er damit leben. Aber das? "Da kocht es in mir."

Bewertung als Rache?

Für Gäste sind Online-Bewertungen von Hotels, Restaurants oder Kneipen eine praktische Orientierung. Haben sich andere hier wohlgefühlt? Werden Service und die Qualität von Speisen und Getränken als gut empfunden? Doch was, wenn Bewertungen nicht den Erfahrungen der Kritiker entsprechen, wenn andere Motive dahinterstecken?

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Der Wirt der "Zappbar" in Frankfurt wehrt sich mit drastischen Mitteln gegen eine schlechte Google-Bewertung.
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Zappbar-Wirt Göllner hat einen Verdacht: "Der Eintrag ist geschehen, als hier am Freitagabend junge Leute reinkamen. Die Kneipe war bereits voll. Sie wurden darauf hingewiesen, dass wir nicht genug Platz haben - und da fing der junge Mann schon an zu tippen ..."

Löschung beantragt

Der 65-Jährige hat nun bei Google beantragt, die Kritik zu löschen. Dafür bietet Google ein Online-Formular an. Hier können Unternehmer "unangemessene Inhalte melden oder korrigieren", falls diese gegen die Google-Richtlinien verstoßen sollten. Als verbotene oder eingeschränkt zulässige Inhalte bewertet Google zum Beispiel "obszöne, vulgäre oder anstößige Sprache", "sexuell explizites Material" oder Inhalte, die zu Hass gegen bestimmte Menschengruppen aufrufen.

Wie Unternehmen in solchen Fällen vorgehen müssten, habe der Bundesgerichtshof am Beispiel des Ärztebewertungsportals Jameda eindeutig geregelt, erklärt der Frankfurter Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, Severin Riemenschneider.

Demnach müsste Google Göllners Beanstandung an den kritischen Nutzer weiterleiten. Meldet der sich nicht kurzfristig zurück, müsste Google die Bewertung löschen. Tut er dies doch und bleibt bei seiner Kritik, müsste Google beim Kneipenbesitzer um Stellungnahme bitten. "Soweit die Theorie", sagt Riemenschneider. Eine Antwort von Google hat Wirt Göllner bislang nicht erhalten.

Hohes finanzielles Risiko bei Klage

Dass er eine bekommen wird, hält Anwalt Riemenschneider für wenig wahrscheinlich. Mit seiner Media Kanzlei bearbeitet er regelmäßig solche Fälle. "In der Praxis ist es so, dass Google häufig gar nicht reagiert", sagt er. Das Problem: Google ist kein deutsches Unternehmen, sondern ein US-amerikanisches. Sollte der Betroffene Klage gegen Google einreichen, entstünden schon allein wegen der notwendigen Übersetzung der Klageschrift ins Englische Kosten von bis zu 4.000 Euro. Insgesamt liege das Kostenrisiko für die Betroffenen bei bis zu 7.000 Euro.

"Sehr wenige Leute sind bereit, diesen Schritt zu gehen", sagt der Fachanwalt, auch wenn im Falle eines Sieges gegen Google das US-Unternehmen die Kosten des Rechtsstreits vollständig übernehmen müsste. Denn am Ende stelle sich die Frage: Ist diese kritische Google-Bewertung noch zulässig oder nicht? Im konkreten Fall könnte sie nach Riemenschneiders Erfahrung vor Gericht als Meinungsäußerung durchgehen.

Bei anderen Online-Portalen wie Tripadvisor oder Holidaycheck ist es für Unternehmen längst nicht so schwierig, gegen beleidigende und diffamierende Bewertungen vorzugehen. "Da sind wir in engem Kontakt mit den Portalen", berichtet der Direktor des Hotels Moxy Frankfurt East, Christian Henzler. "Wir beantragen dann die Löschung, und das funktioniert in der Regel auch."

Anwalt sieht Kopfgeld-Aufruf kritisch

Anders bei Göllner und der Google-Bewertung. Der Zappbar-Wirt kann den Fall natürlich auch bei der Polizei zur Anzeige bringen: Entweder gegen unbekannt in der Hoffnung, dass die Polizei den anonymen Kritiker ermittelt - oder aber das Kopfgeld liefert ihm den Namen des mutmaßlichen Google-Kritikers. Dann könnte er diesen namentlich anzeigen.

Von einer solchen Kopfgeld-Aktion rät Fachanwalt Riemenschneider ab. Bei einem privaten Fahndungsaufruf, der mit einem Vorwurf verknüpft ist, könnten die Grundsätze einer unzulässigen Verdachtsberichterstattung zur Anwendung kommen. Hier bestehe für den Wirt das Risiko einer Unterlassungsklage.

Sendung: hr-fernsehen, maintower, 14.05.2019, 18.00 Uhr

Ihre Kommentare Online-Kritiken: Fluch oder Segen?

25 Kommentare

  • Leider war es klar, dass so eine Kritik irgendwann kommt. Ich habe zwei Jahre lang immer wieder versucht in der Zappbar ein Bier zu trinken und wurde immer wieder mit irgendwelchen Begründungen vor die Tür gesetzt. Das passiert ein- oder zweimal, allerdings gehört das in der Zappbar offenbar zum Programm, denn sie ist allgemein für ihre selektive Publikumsauswahl bekannt. Ich glaube nicht, dass der Wirt ein homophober Ausländerfeind ist, allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass er in seiner konsequent und wiederholt ablehnenden Art als solcher interpretiert werden könnte. Wäre ich keine 35-jährige Frau, sondern vielleicht ein junger schwuler Mann und wäre ebenso oft vor die Tür gesetzt worden wie ich es bin, hätte ich mich vielleicht auch gefragt ob es an meiner sexuellen Orientierung liegt...

  • Ein "Kopfgeld" auszusetzen und das auch so zu nennen, finde ich krass. Das klingt für mich nach geplanter Selbstjustiz.
    Solche Online-Kritiken sind natürlich auch bescheuert. Aber wenn der Großteil der anderen Kritiken positiv ist, sieht man i.d.R. doch sowieso über eine schlechte hinweg. Zumindest geht mir das als Nutzer/Kunde so...

  • Portal Jameda für mich eine Farce, ein Zahnarzt ich für missbräuchlich und sehr schlechte Aufmerksamkeit qualifizieren wollte, aber Jameda nicht öffentlich, wenn der Eigentümer es nicht akzeptiert, eine Rechnung gesendet, wenn der Versicherer derjenige war, der den Deal mit diesem Zahnarzt gemacht und ich schickte er mir die Rechnung für meine Mutter, die hier nicht leben und alles war sicher in dem Ausmaß, das mich bedroht.
    Zumindest helfen die Qualifikationen ein wenig, es wird immer eine geben, die etwas nicht gemocht hat. Ist das Recht auf freie Meinungsäußerung richtig? Ich habe auch einen Anwalt, der anscheinend nicht will, dass Google qualifiziert wird, und es ist auch sehr schlechte Aufmerksamkeit und schlechter Service.

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