Vier Falschparker an einer Kreuzung (zwei in der Kreuzung, zwei auf dem Gehweg)

Die Aufregung um den Frankfurter Knöllchen-Beschluss hat sich schnell gelegt. Alles halb so wild, meint die Stadtverwaltung. Denkt eigentlich jemand an die, die ständig um die falsch geparkten Autos herumkurven müssen? Ein Kommentar.

Schön, dass das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt geklärt hat, dass die Praxis nicht korrekt ist, private Firmen bei der Knöllchen-Vergabe zu beschäftigen. Schön auch, dass Städte wie Frankfurt oder Darmstadt dafür, dass sie das Ahnden von Verkehrsbehinderungen privat auslagern, ein "Knöllchen" bekommen und jetzt Konsequenzen ziehen wollen. Schön vielleicht auch für ein paar Autofahrer, die ein noch nicht gezahltes Privatknöllchen ignorieren dürfen. Oder die zumindest schadenfroh sein können, auch wenn sie nichts erstattet bekommen.

Vergessen werden da schnell mal die vielen, die unter Falschparkern leiden. Das sind nicht nur Fahrradfahrer, die ihre Wege verlassen müssen oder an zugeparkten Kreuzungen nichts sehen. Auch Fußgänger, Rollstuhlfahrer, Einsatzfahrzeuge, Müllabfuhr und andere Autofahrer werden durch die ewige Falschparkerei behindert.

Während manche Problemverursacher jetzt auf Schnäppchen-Effekte hoffen, mussten sie schon bisher an vielen Stellen in Frankfurt kaum Sanktionen befürchten: Die Autos auf dem Bild oben parken seit Jahren regelmäßig in der gezeigten Kreuzung. Das bisschen Verwarngeld verbuchen die Halter vermutlich als Billig-Gebühr für einen bequemen Parkplatz in Haustürnähe. Dass Radfahrer durch ihr Verhalten schlechter sehen, interessiert sie nicht. Ich hatte durch Falschparker an dieser Stelle schon zwei Beinahe-Unfälle.

Samstags ein einziges Kontrollfahrzeug

Frankfurt und andere Städte beklagen, sie hätten beim Gestalten einer Verkehrswende - und die geht nicht ohne Zurückdrängen des Autos - wenig Spielraum. Das glaube ich nicht so ganz. Rufe ich die Städtische Verkehrspolizei an, um eine Verkehrsbehinderung zu melden, bekomme ich samstags die Antwort, man habe nur ein einziges Auto. Unter der Woche sind es vielleicht zwei. Und Annahmeschluss ist um 21 Uhr. Ob jemand kontrollieren kommt, ist Glückssache - je nach Stadtteil mehr oder weniger. Für eine 750.000-Einwohner-Stadt ist das irgendwie dürftig. Und ich glaube nicht, dass der Bundesverkehrsminister die Zahl der Kontrollfahrzeuge limitiert.

Dank des Radentscheids laufen in Frankfurt momentan ein paar Maßnahmen für die Infrastruktur des Radverkehrs an. Doch in der Gesamtheit sind das immer noch Inselprojekte, die kaum etwas mit einer Verkehrswende zu tun haben. Engagiert wirkt die Stadt auf mich eher, wenn es darum geht, Dieselfahrverbote zu vermeiden oder die umstrittene IAA in Frankfurt zu halten.

Zu befürchten ist, dass sich außer der Übernahme von bisherigen Leiharbeitern nicht viel an der Kontrolle von Falschparkern ändert. Andererseits könnten die Städte den OLG-Beschluss ja auch als Ansporn betrachten, nicht nur juristisch korrekt Falschparker zu verfolgen, sondern vielleicht auf dem Weg, endlich ein Stück weg vom ewigen Auto zu kommen, mal ein, zwei Schippen draufzulegen.

Ihre Kommentare Welches Problem haben Sie mit Parkplätzen in Städten?

39 Kommentare

  • Unser größtes Problem ist, sitzen wir im Auto sind wir Autofahrer, fahren wir Fahrrad sehen wir die "bösen Autofahrer" und als Fußgänger regen wir uns über die beiden vorher genannten Gruppen auf.
    Automatisch folgt der Ruf nach mehr Polizei, der vielleicht auch nicht unbegründet ist.

    Ich denke es gibt da etwas, was leider immer seltener wird.
    Rücksicht dem anderen gegenüber.

    Ob Autofahrer, Fahrradfahrer, E-Scooter-Fahrer oder Fußgänger alle missachten Verkehrsregeln und keiner sollte mit dem Finger auf den anderen zeigen.

    Was aber auf keinen Fall sein darf, ist das Parken auf Behindertenparkplätzen, Rettungswegen etc..
    Man muss sich manchmal wundern wie dreist manche Fahrzeuge geparkt sind und mir ist es unerklärlich das sich diejenigen keine Gedanken machen was aus ihrem Fehlverhalten resultieren kann.

  • In manchen Frankfurter Stadtteilen ist die Stadt selbst aber auch an der Misere schuld. Wie kann es sein, dass die Stadt genehmigt, dass für Luxussanierungen der Altbauten über Monate (Anwohner-)parkplätze durch die Baumaterialien und Schuttcontainer blockiert werden?

    Sollen die Investoren die Materialien und Container doch auf dem jeweiligen Grundstück abstellen. Schließlich machen sie doch auch später den Reibach durch die Einnahmen nach der Sanierung.

    Damit wird massiv Parkraum in den Wohnvierteln verknappt. Wo sollen die Anwohner denn die Fahrzeuge hinstellen, die sonst den blockierten Platz nutzten?

    Das rechtfertigt kein falsches Parken, aber die Stadt sorgt ja leider auch nicht dafür, dass die Situation besser wird,

  • Es ist richtig, daß falschgeparkte Fahrzeuge eine erhebliche Beeinträchtigungen der Verkehrssicherheit darstellen.
    Wer hat sich nicht schon über zugeparkte Gehwege, Kreuzungen, Radwege, Behindertenparkplätze geärgert.
    Das Unrechtsbewustsein geht gegen Null. Dazu kommt die Faulheit seinen Körper mal weiter als ein paar Meter zu Fuß bewegen zu müssen.
    Dieses Verhalten wurde von den Verantwortlichen erst durch die laxe Anwendung der gesetzlichen Vorschriften ermöglicht und auch bewusst und gewollt hingenommen.
    Zudem kommt der enorme Personalabbau bei den Kommunal- und Landespolizeien.
    Wobei zu bemerken ist, daß der ruhende Verkehr von der Landespolizei nur noch äusserst geringfügig, wenn überhaupt, überwacht wird.
    Auch die geradezu lächerlichen Verwarnungsgelder sind nicht geeignet einen Verhaltenswechsel herbeizuführen.
    Erst wenn es im Portemonnaie richtig weh tut wird sich etwas ändern.
    Mit dem eingenommen Geld liessen sich auch die fehlenden Stellen locker bezahlen.

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