Eine Demonstrantin fordert vor dem Frankfurter Dom "Kein Pflicht Zölibat".

Die katholische Kirche in Deutschland hat den Auftakt ihres Reformdialogs "Synodaler Weg" in Frankfurt beendet. Die Debatten waren beeindruckend, doch die Bewährungsprobe steht noch aus.

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hs
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Das Experiment ist gelungen, finde ich, zumindest sein erster Schritt. In Frankfurt hat die katholische Kirche eine neue Erfahrung des Kircheseins gemacht, hinter die die Bischöfe und alle Beteiligten nicht mehr zurück können.

Noch ist kein einziger Beschluss zur Reform der Kirche gefasst, aber alle Beteiligten haben einen Blick auf die Zukunft ihrer Kirche geworfen, wie sie auch sein kann: hierarchiefrei, auf Augenhöhe, ohne die üblichen Inszenierungen von Macht und patriarchaler Arroganz.

Premiere in Sachen Transparenz

Schon zum Eröffnungsgottesdienst sind alle 230 Synoden-Teilnehmer gemeinsam in die Kirche gezogen, im Sitzungssaal dann fanden sie sich nach alphabetischer Sitzordnung ohne hierarchische Unterscheidungen durchmischt. Macht lebt auch von Inszenierungen, wer wüsste das besser als die katholische Kirche. Der Synodale Weg hat eine katholische Kirche auf Augenhöhe inszeniert.

Und für mich als Kirchenbeobachter war es auch eine Premiere in Sachen Transparenz. Bisher kannte ich Tagungen der Deutschen Bischofskonferenz. Journalisten wurden auf Abstand gehalten, die Türen schlossen sich, wenn die Sitzungen begannen.

Hier in Frankfurt waren alle Debatten öffentlich, wurden ins Internet gestreamt, es gab vor der Synodenaula "mixed zones", wo ich als Journalist beim Kaffee Kardinäle und Jugendvertreter, Ordensleute und Frauendelegierte interviewen konnte. Auch hinter diese Transparenz der Debatten wird die katholische Kirche nicht mehr zurückkommen. 

Es gab keine Tabus

Dass der Synodale Weg so möglich wurde, ist Folge einer Krise, die bis an die Wurzel der Kirche geht: Ohne die Erfahrung des Missbrauchs in den eigenen Reihen wäre der Synodale Weg nicht möglich gewesen. Das Gefühl, dass es so nicht weitergehen kann, war hier mit Händen zu greifen.

Die Enttäuschung reicht bis tief in die Kernschichten der aktiven Katholiken: Dass Macht so missbraucht werden kann, dass Sexualität so unmenschlich sein kann, wenn sie tabuisiert wird, dass Abspaltungen aller Art Gott gegeben sein sollen, wie der Ausschluss von Frauen aus dem Leitungssystemen der Kirche.

Beim ersten Akt des Synodalen Weges in Frankfurt zeigte sich: Laien lassen sich das Wort nicht verbieten. Es gab keine Tabus, nicht als Frauen die Machtfrage stellten, Ordensschwestern über Erfahrungen von Missbrauch Zeugnis gaben, Teilnehmer von frustrierten und alkoholisierten Idealisten im Priesteramt sprachen, die mit ihrer Einsamkeit nicht klarkommen.

Beeindruckender Freimut der Debatte

Der große Freimut der Debatte hat mich beeindruckt. Ich habe die Kirche selten so kraftvoll erlebt. Der große Respekt, die Bereitschaft zuzuhören und neue Wege zu finden, waren für mich authentisch und ehrlich. Die Wahrheit macht frei, auch wenn die Wahrheit ist, eine Kirche in der Krise zu sehen.

So weit so gut. Allerdings: die Bewährungsprobe des Synodalen Weges steht noch aus. Jetzt werden die Synodenforen konkrete Reformvorschläge erarbeiten, die auf den kommenden Vollversammlungen der nächsten zwei Jahre wieder hier in Frankfurt entschieden werden müssen. Und dann werden die Flitterwochen des Auftaktwochenendes vorbei sein.

Wird eine aus der Zeit gefallene Kirche dann den Anschluss an die Zeit wieder finden? Dann muss sich zeigen, wie weit auch die Bischöfe bereit sind, Konsequenzen zu ziehen, der Kirche ein weiblicheres Gesicht zu geben, Macht zu teilen, mehr Mitwirkung zu ermöglichen. Die Glaubwürdigkeit der Kirche wird dann zur einer Frage der Glaubwürdigkeit der Bischöfe.

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Synodaler Weg: So geht es weiter

Die Spielregeln für den weiteren Fortgang des Synodalen Wegs zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland stehen fest. Auf der am Samstag beendeten ersten Synodalversammlung in Frankfurt verständigten sich die rund 230 Teilnehmer auf eine Geschäftsordnung und die Besetzung von vier Arbeitsgruppen. Diese aus jeweils 35 Mitgliedern bestehenden Foren sollen die inhaltliche Arbeit an den zentralen Themen des Reformdialogs vorantreiben: Macht, priesterliches Leben, Sexualmoral und Rolle der Frau.

Der Synodale Weg ist auf zwei Jahre angelegt und bislang in der Kirche weltweit einmalig. Ein Ziel der von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken angestoßenen Initiative ist, nach dem Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 30.01.2020, 13.00 Uhr